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Zu Besuch im Nissan Racecamp der GT Academy in Silverstone (Reprise)

Ich hatte ja schon etwas zu meinem Besuch im Nissan Racecamp der GT Academy in Silverstone geschrieben. Und ich dachte auch, dass ich damit die wesentlichen Themen meines Besuch abgedeckt hatte. Und dann kam der zweite Tag, der sich auf dem Programm nicht so spannend las, dann aber doch so viel geboten hat, dass ich mich in der Pflicht sehe, noch “ein paar Zeilen” nachzuschieben.

Während ich nämlich am Samstag morgen ganz entspannt im Hotelzimmer meiner ersten Beitrag geschrieben habe, waren die Jungs schon voll in Action. Bei Temperaturen zwischen 10 und 15°C durften sie zunächst bei feinstem Nieselregen (ihr wisst schon, diese Art von Regen, die man kaum sieht und auch nicht gross spürt, die dann aber doch ganz fix dafür sorgt, dass man komplett durchweicht ist) einen kleinen morgendlichen Lauf absolvieren. Natürlich wurde die Zeit gestoppt und selbstredend war es dann auch noch nicht zu Ende, sondern gerade mal der Anfang. Mit den Laufschuhen ging es direkt in einen Buggy, mit dem es dann wieder eine kleinere Strecke auf Zeit abzufahren galt. Die Jungs waren natürlich längst gut durchnässt und auch der Overall, den sie zum anziehen bekommen hatten, war nur ein schwacher Schutz gegen Nässe, Kälte und Schlamm. Denn sicher, die Wiesen waren durch den Regen in der Nacht und am Vortag ebenfalls gut getränkt, so dass das fahrerische Können gleich doppelt wichtig war. Ein paar Kandidaten haben mit ungewollten Drehern gut Zeit verloren. Am Ende der Buggy-Strecke stand dann ein kleines Luftkissenboot bereit, dass die Jungs um einen Rundkurs bewegen mussten. Ich stand mittlerweile auch bereit und trotz warmer Kleindung habe ich schon nach ein paar Minuten gefroren.





Ich wäre ja auch gerne dieses kleine Hoovercraft gefahren. Aber leider war es für mich ja viel zu kalt und davon mal abgesehen hatte ich ja schon am Vortag bewiesen, dass ich zwischen den Kandidaten nichts verloren hatte. Vom Luftkissenboot mussten sie Jungs dann aufs Montainbike umsatteln und wieder zurück zum Racecamp-Headquater radeln. Das Ganze alles noch vor 12 Uhr. Beeindruckt hat mich nicht nur die Entschlossenheit und die Härte (gegen Wind und Wetter) der 12 Kandidaten, sondern auch die Ruhe, die einzelnen Jungs an den Tag gelegt haben. Ich war wohl deutlicher aufgeregter als sie selbst. Bei jeder Disziplin ging es um die Zeit, wer Fehler machte, bekam Strafpunkte. Und wer bis zum Abschluss einer Prüfung keine ausreichende Leistung gebracht hatte, der durfte nicht mehr weiter machen. So wie der Kandidat oben auf dem Bild, der sich im Sprint vom Hoovercraft zu den Montainbikes bewegte, dann aber von der Jury, bestehend aus Jean Pierre “JP” Kraemer, Sıla Şahin und Nick Heidfeld – als sie ihn eingeholt hatten – gesagt bekam, dass es für ihn kein Fahrrad gäbe. Ich persönlich wäre ja ausgeflippt oder heulend zusammen gebrochen, der junge Mann hat es wohl sehr professionell genommen. Auch habe ich bei der Szene schön beobachten können, dass die Jury nicht nur die Leistung der Kandidaten bewertet, sondern sich die Jungen immer wieder heranholt und ihnen aufbauende Worte spendet. Ich hatte JP und Sıla in der Mittagspause gefragt, warum sie bei der GT Academy sich als Jury-Mitglied einbringen.

J.P. Kraemer: Mir liegt sehr viel daran, die Jungend zu fördern und auch zu sehen, ob ihr Engagement passt und sie [die Jungs] zu pushen – zumindest da wo noch Bedürfnisse sind. Aber auch Ihnen zu helfen, etwas aufzuholen. Weil oftmals sind die Jungen schnell, verstehen aber oftmals nicht, wie wichtig es ist, wirklich alles zu geben. Sie verschenken dann diese Chance und sitzen dann zu Hause und denken: Shit – hätte ich mal mehr gegeben. Ich denke, genau das ist der Knackpunkt, warum ich hier bin: Um im richtigen Moment den richtigen Schubser zu geben – in die richtige Richtung.

Sıla: Ich finde das Konzept gut Junge Leute können hier beweisen, was sie wirklich drauf haben. Sie wollen und können hier Rennfahrer werden und Nissan gibt Ihnen im Racecamp die Möglichkeit das zu schaffen. Das finde ich besonders und bin gerne ein Teil davon.

Weitere Unterstützung erhalten die Kandidaten von Profi-Rennfahrer Peter Terting. Er hilft Ihnen nicht nur, wenn es mal mit der englischen Sprache – denn selbstredend wird in Silverstone nur Englisch gesprochen – nicht so klappt, sondern kann Ihnen mit seinen 17 Jahren Rennerfahrungen auch für die Fahrprüfungen und -wettbewerbe wertvolle Tipps geben.


Rennfahrer Peter Terting mit den Jury-Mitgliedern Nick Heidfeld, Sıla Şahin und Jean Pierre Kraemer

Während sich die Kandidaten dann kurz heiss duschen konnten und auch noch etwas zum Mittagessen bekommen haben, sind wir durch das “Nismo Lab” geführt worden. Der LKW-Anhänger tingelt auch hin und wieder durch Europa – “Rennfahrer werden” zum Anfassen. Ich meine das gar nicht so lapidar, wie es sich vielleicht anhört. Wir haben da ein paar Sachen ausprobieren dürfen, de ich wirklich spannend fand. So werden ja alle möglichen Daten von den Rennfahrzeugen erfasst und ausgewertet. Von Fahrer gibt es vielleicht noch ein paar Gesundheitsdaten. Das Team der GT Academy möchte aber auch wissen, wie sich der Fahrer fühlt. Ob er sich konzentriert. Zusammenhänge zwischen Fahrfehlern und der Konzentration herausfinden. Im ersten Schritt hat man damit angefangen, die Gehirnaktivitäten der Fahrer aufzuzeichnen. Das kann man mittlerweile mit ziemlich kompakten Geräten machen. Per Bluetooth an ein iPad gekoppelt, kann man so spielerisch das “Konzentrieren” und das “Entspannen” üben. Die so erhobenen Werte helfen nicht nur die Jungs, bessere Fahrer zu werden. Im nächsten Schritt möchte man die Hightech-Helme der Fahrer auch eben mit solchen Sensoren versehen, um nach einem Training oder Rennen sich auch mit dem mentalen Zustand des Fahrers bei unterschiedlichen Reaktionen auseinander setzen zu können. Und klar haben sie dort auch lustige “Spielzeuge”, um die Reaktionsfähigkeit zu verbessern, der körperliche Zustand der Kandidaten und Fahrer kann mit einem Gerät innerhalb von ein paar Minuten genau bestimmt werden. Und zudem haben sie in dem Lab noch einen richtig schönen Fahrsimulator, den Mann sich auch in der Spielecke des Wohnzimmers wünscht.





Anschliessend durften wir dann noch mal auf den Silverstone Circuit. Jajaja! Mit einem Nissan 370Z Nismo! Jajaja! Rechtsgelenkt! Oh. Neeeeeiiiiinnnn! Und manueller Schaltung. *Plop* Nein, ich gebe zu, ich hatte arge Bedenken. Ich bin noch nie in meinem Leben zuvor überhaupt einen Rechtslenker gefahren. Und dann dabei auch noch schalten und das auf der Rennstrecke, wo ich mich doch an diesem Tag nicht wieder als rollendes Verkehrshindernis präsentieren wollte. Gut, dass man unter dem Helm nicht den kalten Schweiss auf der Stirn sehen kann. Aber Hand aufs Herz, ich habe mich schon mit Eselsohren und einem Besen auf dem Rundkurs gesehen. Schön die Getriebeteile zusammenfegen. Ab November dann bei RTL zu sehen.

Erfreulicher Weise – für mich – war es dann doch aber gar nicht so schlimm. Ja, es ist ein seltsamer Gefühl, aber auch das hält sich in Grenzen. Und ich hatte den Vorteil, dass ich beim Fahren auf dem Rundkurz eh nur den 3. und den 4. Gang verwendet habe. Kaum war ich – glücklich wie sonstwas – wieder in der Box, durfte ich auch schon wieder einsteigen. Diesmal auf der linken Seite. Eine Taxi-Runde mit dem GT Academy Gewinner aus Russland 2012: Mark Shulzhitskiy. Der hat mir dann gezeigt, dass man den 2. wie 5. Gang auch ganz gut gebrauchen kann. Und dass die Curbs prima Grib bieten. 2 Runden mal “etwas” flotter und dann zwei Runden, wo er mit mir gedriftet ist. Ich will das auch können. Ich will das auch können! ICH WILL DAS AUCH KÖNNEN! Bei der zweiten Runde habe ich dann versucht, seine Bewegungen zu studieren. Mir ist dann sehr schnell schwindelig geworden. Aber irgendwann mal, da lerne ich das auch noch.


Nachdem wir alle unsere eigenen Runden und Taxifahrten geniessen durften, sind die Jungs dann im Nissan Juke Nismo auf die Strecke, um eine Teilprüfung ihrer ersten Rennlizenz-Prüfung abzulegen. Zwischenzeitlich gab es die erste Entscheidung und aus 12 erwartungsvollen Anwärtern hatten es nur 8 in die nächste Runde geschafft. Eine Stunde später gab es dann auch schon die nächste Prüfung. Auf dem alten Fliegerhorst RAF Upper Heyford hatten die Verantwortlichen der GT Academy einen Parcours im Ken Block Gymkhana aufgebaut. Drei alte Hangars hatte man präperiert – im Ersten sollten sie beim Donut drehen mit auf dem Wagen befestigten Messern riesige mit Wasser gefüllte Ballons zum Platz bringen. Im zweiten Hangar versteckte sich einen Minenfeld durch das sie fahren mussten, ohne sich von der Lasershow ablenken zu lassen. Und den letzten Hangar konnten sie nur durch eine Styropor-Wand erreichen. Im Innenraum sollten sie dann mit einem auf der Haube des Nissan 370Z befestigten Paintball-Waffe Ölfässer treffenn. Danch noch fix 2 Achten driften und durch einen Wasserfall punktgenau im Ziel stehen bleiben. Das alles auf Zeit. Wir waren leider nur noch bei den Proben zugegen, bei denen sie die Strecke abfahren konnten, aber nicht die Chance hatten die Spezialaufgaben auszuprobieren. Das eigentliche Veranstaltung muss sehr spektakulär ausgesehen haben – bei Flickr gibt es eine tagesaktuelle Galerie mit Bildern von dem Programm der Jungs.


Die Ausstrahlung dieser ganzen Aktivitäten wird wohl im November stattfinden. Ich werde da auf jeden Fall mal reinsehen. Nicht zu letzt, um zu vergleichen, wie sehr die Fernsehsicht und die Wirklichkeit sich überlagern. Ab Mittwoch wird es einen Gewinner geben, ich bin gespannt, wer das Rennen macht.