Probefahrten
Kommentare 24

Unterwegs mit der weißen Flunder: 2013 Mercedes-Benz SLS AMG GT Coupé (C197) Fahrbericht meiner Probefahrt

Ich hatte ja schon einen sehr emotionalen Erstbericht zum 2013 Mercedes-Benz SLS AMG GT verfasst, seitdem bin ich gut 500 Kilometer mit dem weißen Supercar aus dem Hause Mercedes-Benz gefahren und kann noch ein wenig nüchterner über den Sportwagen berichten. Was an sich schon vollkommen absurd ist, denn der 2013 Mercedes-Benz SLS AMG GT ist ein Fahrzeug, was Emotion weckt und beim Fahren den absoluten Fahrspass vermittelt. Dass dieser Fahrspass auch eine Menge mit der aus dem Rennsport stammenden Technik zu tun hat, zeigt Erklär-Bär Jens in unserem neusten Ausfahrt.tv-Video:

Als ich den Wagen gestern abend dem Abholer übergeben habe, habe ich noch einen Blick auf den Bordcomputer geworfen. Jens und ich sind zusammen über 1.000 Kilometer mit dem 2013 Mercedes-Benz SLS AMG GT Coupé gefahren und haben dabei im Durchschnitt 18.1 Liter Super+ (der SLS will mindestens 98 Oktan) pro 100 Kilometer verbraucht. Mercedes-Benz gibt den NEFZ-Verbrauch mit 13,2 l/100 km an, so dass wir mit einer Menge Gasfahrten und Fahrspass nur wenig mehr verbraucht haben. Zudem haben wir es auch beide geschafft, den NEFZ-verbrauch auf Teilstrecken zu unterbieten. Bei mir waren es 13.1 l/100 km bei einer Fahrt von knapp 40 km, wo ich allerdings auch nicht schneller als 140 km/h gefahren bin und das Sport+-Programm nicht verwendet habe.

Aber im Ernst, kein Käufer eines 2013 Mercedes-Benz SLS AMG GT Coupé wird wohl auch nur einen Gedanken an den Durchschnittsverbrauch verschwenden. Bei einem Basispreis von über 204.000 Euro ist der Posten Benzin wohl kaum der Rede wert. Zumal der Tankinhalt mit seinen 85 Litern selbst bei einem Verbrauch von über 20 Litern für 400 Kilometer ausreichen sollte. Die Produktion des SLS wird wohl im nächsten Jahr eingestellt. Somit kann man den Kauf eines SLS heute wohl schon als Wertanlage argumentieren. In den einschlägigen Gebrauchtwagen-Portalen findet man Fahrzeuge aus 2010 zu einem Preis um die 120.000 Euro. Ich persönlich glaube nicht, dass man einen unfallfreien SLS jemals unter 100.000 Euro wird kaufen können.

Was mich beim Fahren mit dem SLS wirklich fasziniert hat, ist dessen Aussenwirkung. Wir wissen alle, dass wir in Deutschland in einem Neiderland leben. Wird man in den USA überall auf einen schönen Neuwagen angesprochen „Hey dude, nice ride!“, so bekommt man in Deutschland eher böse Blicke. Den Bonzen lasse ich nicht rein. oder Pah, nur weil Du ein teures Auto hast, muss ich noch lange nicht auf die rechte Spur fahren. Wer öfters teure Autos fährt, weiss, was ich meine. Nicht so im SLS. Der 2013 Mercedes-Benz SLS AMG GT Coupé ist wirklich das erste Fahrzeug aus dem Luxus-Segment bei dem ich nur positives Feedback von meinen Mitmenschen bekommen habe. Hochgestreckte Daumen von überholten Fahrern. Man hat mich immer in die Lücken gelassen. Und ich bin mehrmals angesprochen worden – ganz amerikanisch – „Mensch, hast Du ein schönes Auto! Toll!“ Ich bin immer noch ganz baff!

Das mag daran liegen, dass man den Mercedes-Benz SLS AMG nicht allzu oft im Strassenbild sieht. Was sich wohl auch bei seinem schier unglaublichen Überholprestige bemerkbar macht. Man kann auf der Autobahn wirklich sehen, wie die Leute auf der linken Spur in den Rückspiegel sehen und fast zeitgleich den Weg freimachen. Was – Achtung, jammern auf höchst-möglichem Niveau – ansatzweise anstrengend ist, weil man sich dann immer so verpflichtet fühlt zu überholen. Es kann aber auch daran liegen, dass das Mercedes-Benz SLS AMG Coupé einfach ein wunderschönes, formvollendetes Auto ist. Nun sind Geschmäcker ja durchaus verschieden – meiner geliebte Gattin ist der Wagen zu flach, zu gedrungen – aber wenn ich einen Querschnitt durch die Reaktionen und das Feedback ziehe, was ich bekommen habe, so kommt der SLS beim Großteil meiner Mitmenschen gut an, weil er so gut aussieht.

Wer sich nun aber den SLS kauft, um zu flanieren und seinen Reichtum ungeniert zur Schau zu stellen, der sollte sich nicht unbedingt für den von uns gefahrenen GT entscheiden. Der Restkomfort der wirklich extrem sportlich eingestellten Gasdruckdämpfer entspricht so gar nicht dem, was man sonst aus Sindelfingen kennt. Hart auf der Strasse liegt er. Und wer will kann das adaptive Sportfahrwerk auch noch härter einstellen. Ich selbst habe das nur ein Mal gemacht und es war alles andere als spassig, auf der Rennstrecke sieht das wohl dann ganz anders aus. Und da möchte man dem 2013 Mercedes-Benz SLS AMG GT auch wirklich gerne mal Auslauf geben.

Meine Nachbarin sagte, der V8 des SLS würde sich beim Starten anhören, als würde er nicht so recht wollen. Fast ein wenig wütend. Und wenn der Motor eine Seele hat, dann ist das wohl auch genau das, was er da tut. Rumbrüllen am frühen Morgen, weil ich die Kinder zur Schule bringe und ihn nicht zum Bilster Berg bringe. Eine kleine kompakte Soundprobe zum Gegenchecken meiner Behauptung habe ich ich hier in diesem kleinen Video für Euch:

Wie fährst sich das Mercedes-Benz SLS AMG GT Coupé denn nun? Hey, hey, geschmeidig lieber Leser, geschmeidig! Darf ich noch kurz auf die Flügeltüren eingehen, die ich absolut und nur sexy finde? Nein? Ok. Bei meinen ersten Kilometern dachte ich Was für ein zickiges Auto! Der sucht sich die Spurrillen! Eine Hand lässig am Lenker? Vielleicht bis 50 km/h. Nach ein wenig Eingewöhnung kann ich jetzt sagen. Was für ein tolles Fahrzeug! Nein, man muss schon durchaus etwas tun, wenn man fährt. Die 591 PS wollen gebändigt werden. Vor allem weil die Kraft – bei einem maximalen Drehmoment von 650 Nm – nur an die beiden 20″ Walzen an der Hinterachse abgegeben werden. Auffahrt auf die Autobahn mit 60 km/h. Sport+ rein (Es gibt vier Fahrmodi für die exzellent schaltende 7-Gang Automatik: C(omfort), S(port), S(port)+ und M(anual)). Gaspedal mit voller Wucht Richtung Bodenblech. Ja. Da bricht der dann auch mal hinten aus. Auch ohne, dass man irgendwie am Lenkrad dreht. Und fängt sich meist auch schnell wieder ein, so dass ich glauben möchte, dass die Jungs von AMG dies durchaus einprogrammiert haben.

Und dann dröhnt er los. Im Sport+-Modus sind die Auspuffklappen geöffnet, die Soundkulisse ist gigantisch. Aber auch gigantisch laut. Unterhaltungen im Innenraum vertagt man dann lieber. Der SLS liegt wie ein Brett auf der Strasse. Langgezogene Kurven auf der (leeren! Natürlich! Safety first!) Autobahn mit 270 km/h stellen das Fahrwerk vor kein Problem (was wohl auch an dem extrem niedrigen Schwerpunkt liegt, der durch den Verzicht einer Ölwanne und der Verlagerung des Getriebes hinter die Sitze zu tun hat – Jens erklärt das im Video). Hin und wieder muss man Fahrbahnunebenheiten mit dem Lenkrad ausgleichen. Dieses liegt sehr schön in der Hand und vor allem auf den ersten Kilometern war ich sehr dankbar, dass die Griffflächen angeraut sind und auch leicht verschwitzten Händen einen guten Halt bieten. Die Lenkung ist super. Auch in der Stadt muss man wirklich nur selten die beiden Hände vom Lenkrad nehmen, weil eine halbe Lenkumdrehung in der Regel für die meisten Belange reicht.

Ich hatte ja schon angedeutet, dass der Komfort nicht umbedingt dem entspricht, was man so von Mercedes kennt. Andererseits, wer in dem Auto fährt, braucht auch meines Erachtens gar nicht mehr Komfort. Die Schalensitze, die man ja nur nach vorne- bzw hinten rücken kann, passen einfach. Ist wirklich so. Ob nun Jens darin sass, ich oder meine werte Gattin, one size fits all – durchaus erstaunlich. Mich haben allenfalls die im Schalensitz befindlichen Gurtpeitschen etwas genährt, weil sie mir wieder so klar vor Augen geführt haben, dass ich doch dringend wieder Sport machen muss. Bei meiner ersten Ausfahrt war ich doch pikiert, dass sich kein Premium-Soundsystem in dem Fahrzeug befindet. Heute kann ich nicht mal sagen, wie sich die Lautsprecher anhören, ich hatte das Infotainment-System meist eh ausgeschaltet. Wer will den wirklich ernsthaft Musik hören, wenn Motor und Abgasanlage so eine herrliches Orchester darstellen. Und bevor ich jetzt zum Fazit komme – der SLS hat auch einen Kofferraum. Da passen 2 IATA-Trolleys und ein wenig Kleinkram rein. Im Innenraum kann man auch ein paar Sachen ablegen. Blabla. Alles gut!

Mein Fazit: Ich bin ja jüngst in Frankfurt auch ein paar Meter mit dem 2013 Mercedes-Benz SLS AMG electric drive. Auch wenn der technisch noch viel toller, besser und überhaupt ist. Ich würde den Verbrenner doch vorziehen. Allein wegen dem Klang. Sonst ist der SLS ein Traumauto und wird es wohl auch bleiben. Für mich. Allen anderen, die sich dieses tolle Auto leisten können, wünsche ich viel Spass! Hach!

Natürlich habe ich mir auch den SLS – wenn diesmal auch eher widerwillig mit Jens geteilt. Seine Eindrücke von dem Fahrzeug lest ihr in seinem Blog: die zivile Bodenrakete aus dem Hause Mercedes-Benz SLS AMG GT Coupe Und wer möchte kann in der nachstehenden Galerie noch durch 59 Fotos und Detailbilder des 2013 Mercedes-Benz SLS AMG GT Coupés klicken.