Allgemein
Kommentare 3

Highspeed-Training mit der Opel OPC-Familie

opel-opc-hochgeschwindigkeitstraining-19

Einfach mal selbstbewusst in den Text einsteigen und sagen: Wir Blogger scheinen es schon ein bisschen drauf zu haben. Denn: Beim Opel OPC Kompakttraining auf dem Testgelände in Dudenhofen haben einige von uns immerhin Rekordwerte erzielt. „Das gab es bisher wirklich noch NIE“, betonte OPC-Chefinstruktor Sascha Bert am Ende der Veranstaltung. „Ihr wart wirklich eine richtig tolle, gute Truppe – danke dafür!“. Das geht runter wie Leichtlauföl. Doch jetzt erst mal textlich den Rückwärtsgang einlegen und der Reihe nach.

Hier, im bereits in den 60er-Jahren errichteten Opel Testcenter gilt es, dem Corsa OPC in der Nürburgring-Edition und dem Astra OPC ordentlich auf den Zahn zu fühlen. Heißt, in Zahlen: 210 PS und 280 PS, Bilstein-Fahrwerk, Brembo-Hochleistungsbremsen und mechanisches Sperrdifferenzial, elementar für die Traktion bei den Fronttrieblern. Deshalb sind wir auf dem 2,6 Quadratkilometer großen Gebiet genau richtig. Das Ziel der Highspeed-Veranstaltung: Mit Spaß an den Grenzen der Physik kratzen. Für mich persönlich eine Premiere. Weder weiß ich, wie man sicher, aber schnell Kurven bezwingt, noch, wie sich eine Fahrt mit 210 km/h auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke mit 40 Grad (!) Banking anfühlt. Diese Neigung ist so extrem, das man sie kaum hochlaufen kann.

Erst einmal aber geht es auf Erkundungsfahrt im Corsa. Hier auf dem Gelände gibt man Geld dafür aus, dass der Boden besonders schäbbig ist. Wir fahren über Bodenwellen, Querrillen, mieses Kopfsteinpflaster. Es rüttelt und rumst, ich bekomme Mitleid dem Auto. Doch Extremtests wie diese müssen sein, damit der Hersteller sein Fahrzeug entsprechend ausrichten kann. Manchmal sind am Tag bis zu 100 Profi-Testfahrer in drei Schichten unterwegs, um die Auto auf Herz und Nieren zu überprüfen.

opel-opc-hochgeschwindigkeitstraining-18

Wir Laien tun es ihnen jetzt im Ansatz nach – und beginnen mit der ersten Herausforderung – eher eine für uns, nicht für das Auto. Zeitfahren in einem Parcours aus Pilonen, die Strecke ist nass, es nieselt beinahe die ganze Zeit. Ein paar Runden zum Eingewöhnen, dann geht es los. Zwei Runden müssen wir fahren, beide möglichst in der gleichen Zeit. Je größer die gemessene Differenz, desto blöder. Hier mache ich meine ersten Erfahrungen mit einem wegrutschenden Heck – diese eine Kurve da war aber auch besonders nass und der Boden besonders glatt! Nach dem ersten Schreck kommt der Spaß, so ein bisschen rutschen und driften ist jetzt nicht das Schlimmste, was es auf dieser Welt gibt.

opel-opc-hochgeschwindigkeitstraining-20

Mehr davon gibt es auch schon direkt nach dem Zeitfahren, und zwar auf der Rennstrecke. Ohne wirkliche Schnellfahr-Erfahrung im Astra OPC unterwegs zu sein empfinde ich durchaus als Herausforderung. Aber: Alles gut. Wir fahren Kolonne, Sascha Bert vorneweg und wir sind alle über Funk mit dem Instruktor verbunden, der uns ruhig, aber bestimmt über die Strecke lotst. Pilonen an den Seiten der Strecke markieren Scheitel- und Bremspunkte, außerdem scheint auch das Auto einem nichts wirklich übel zu nehmen. Im OPC-Modus, der per Knopfdruck aktiviert wird, werden Dämpfung und Lenkung schön straff und der Motor reagiert aggressiver aufs Gasgeben. Deshalb stellt sich auch hier ganz schnell der Spaß ein, von Nervosität keine Spur mehr. Gut, höchstens die Schweißränder im Pulli könnten etwas verräterisch wirken.

Ich hoffe, die sieht man später nicht – denn beim Rennstreckenfahren wurden wir von einer Kamera im Inneren des jeweiligen Autos gefilmt und unsere erzielten Fahrwerte, zum Beispiel G-Kräfte, aufgezeichnet. Au wei. Auf DEN Blockbuster bin ich schon gespannt.

opel-opc-hochgeschwindigkeitstraining-21

Ich darf zudem bei Sascha Bert einsteigen, der mit einer ungeheuren Ruhe einhändig durch die Kurven semmelt, dass es mir die Sprache verschlägt. Es ist krass zu sehen, wie bedächtig, beinahe zärtlich, Bert lenkt – und zugleich ist das Auto dabei so schnell! Aber einer wie er muss es drauf haben. Der Mann ist seit 25 Jahren Rennfahrer, war erst im vergangenen Jahr mit Nick Heitfeld als Teamkollege beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring unterwegs.

In einer kurzen Pause gönnen wir uns und den Autos eine Pause, „kling, klong, klung“ klingt es aus der Motorhaube, die Bremsen sind sauheiß, der erste Motor hat sich schon von selbst abgestellt.
Und dann wird’s schräg. Also, im wahrsten Sinne des Wortes jetzt. Exklusiv für uns abgesperrt wurde der Highspeed-Kreis, fünf Kilometer lang. Wieder fahren wir Kolonne, und ich frage mich ernsthaft, wie ein Auto eine solche Neigung bezwingen kann. Der Astra kann. Wir starten mit 80km/h auf der rechten der drei Spuren, die noch völlig eben ist. Dann: Blinker links, beschleunigen auf 120, mittlere Spur. Die ist schon ein bisschen schiefer. Beschleunigen auf 180 km/h, Blinker links, linke Spur. Wow! Dem Astra ist von seiner Schräglage nichts anzumerken, es geht rauf auf 210 km/h, und da isser wieder, der Spaß an der Sache. „Kuckt NICHT auf die Leitplanken, sondern immer nach vorne, immer dahin, wo ihr hinfahren wollt“, ermahnt Sascha Bert uns per Funk. In der Tat. Auf den Blick auf die Leitplanken kann ich echt verzichten. Sieht nicht schön aus, ist völlig irritierend und lenkt gefährlich ab. Also lass ich das und starre stur geradeaus, bis wir wieder nach und nach auf die rechte Spur wechseln. Jetzt sind es meine Hände, die nass sind. Egal. Mit breitem Grinsen auf den Lippen und voller Adrenalin geht’s nun auf zur Siegerehrung. Stimmt. Da war ja noch was. Das Zeitfahren! Und die Rekordwerte, die es beim „Großen Preis von Dudenhofen“ noch nie gab, wie Sascha Bert mehrmals betont. Wir erinnern uns: Zwei Runden sollten in möglichst derselben Zeit gefahren werden.

opel-opc-hochgeschwindigkeitstraining-22

Mit nur vier Zehntel Differenz landete Mathias Luft auf dem drittem Platz. Und dann der erste Rekord: Differenz: 0 Sekunden. Eckhardt Schaper hat beide Runden in jeweils 33,11 Sekunden absolviert. Nur noch getoppt von Moritz Nolte: Differenz: 0. Zeit: 29,8. BÄM! Sauber. Dazu noch ein echtes OPC-Zertifikat, und das Highspeed-Training hat einen mehr als würdigen Abschluss gefunden. Ich find, ich hab mich tapfer geschlagen. Sieben Zehntel Differenz beim Zeitfahren kann man als Laie durchaus machen. Doch ich finde auch, dass ich demnächst dringend ein grundlegendes Fahrsicherheitstraining machen möchte. Denn dann macht die ganze Schose sicherlich noch viel mehr Spaß.