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2013 Audi A3 1.4 TFSI Cabriolet gefahren – Fahrbericht meiner Probefahrt

Neulich in Monaco. Jens und ich stellen nach einem erfolgreichen Tag die neue 2013 Audi S3 Limousine vor dem imposanten Grand Hotel ab. Bei den Fahrveranstaltung geniesst man eine Art betreutes Wohnen unterwegs und so steht auch sogleich ein freundlicher Audi-Mitarbeiter neben uns, um uns den Auto-Schlüssel abzunehmen. „Morgen benötigen wir ein Cabrio“ eröffne ich ihm. Wir tanzen mal wieder aus der Reihe. Die andere fliegen am nächsten Morgen schon wieder ab und wir bleiben noch einen Tag, um unsere Ausfahrt.TV-Videos mit dem 2013 Audi A3 Cabriolet abzudrehen. Natürlich ist unser Wunsch für den freundlichen Audi-Mitarbeiter kein Problem, nicht mal eine nennenswerte Herausforderung. „Was für ein Auto wollt ihr denn?“ kommt hingegen als Gegenfrage. Einen Benziner. Diesel ist für den nicht-deutschen Markt meines Erachtens nicht so interessant. Auch frage ich mich, was für Leute überhaupt ein Diesel-Cabriolet kaufen. Ok, ich wahrscheinlich, aber sonst noch wer? Der Audi-Mann zückt sein Handy und hat uns innerhalb von ein paar Minuten ein Auto organisiert.

„Morgen bekommt ihr ein gelbes Audi A3 Cabriolet mit dem 1.4 TFSI Benziner!“ Ich seufze. Und wundere mich über meine eigene Arroganz. Der 1.4 TFSI steht für 125 PS. Da musst Du jetzt seufzen, Jan? Naja. Die 300 Pferdchen der S3 Limousine haben in den Bergen schon Spass gemacht. Und jetzt? Was soll es. Am nächsten Morgen will die Sonne nicht so richtig. Na toll! Ein 125 PS-Cabrio und dann nicht mal Sonne. Auch egal. Mit dem geschlossenen Dach ist das A3 Cabriolet schon fast die schönere Limousine. Dafür stört beim Schulterblick die breite C-Säule des Stoffverdecks. Jens erklärt mir, dass ein Cabrio mit Stoffverdeck das einzig Wahre ist. Ich denke, dass ein offenes Cabrio das einzig Wahre ist. Die Stoffvariante hat in meinen Augen den einzigen Vorteil, dass sie im versenkten Zustand weniger Platz im Kofferraum wegnimmt. Wobei. Cabrio und Kofferraum. Was schreibe ich denn hier. Während der Pressekonferenz hat man uns von den drei Lagen erzählt, aus denen das Stoffdach besteht. Diese sorgen im geschlossenen Zustand dafür, das es auch bei zügiger Fahrt im Innenraum angenehm leise bleibt. Ich bin ja selbst auch ein sehr bequemer Mensch geworden, aber Cabrio und leise beim Fahren. Und doch, stimmt schön. Ist schön leise beim Fahren. Regnet aber auch nicht. Dann wird es eh laut, egal wie viele Stofflagen man nimmt. Aber das muss mir doch auch klar sein, wenn ich ein Cabrio kaufe, oder?

Dann – Sonne! Ha! Ok. Runter mit dem Dach. Das geht auch beim Fahren innerhalb von 18 Sekunden. Wenn man nicht schneller als 50 km/h fährt. Ungemein praktisch. Aber dann. Ich halte doch lieber an. Ich mag eh nicht, dass das halbgeöffnete Dach wie ein Segel im Fahrtwind steht. Und wenn ich eh schon anhalte, kann ich doch gleich eine Raucherpause einlegen (Rauchen ist schlecht für die Gesundheit. Ich weiss das, ihr solltet es trotzdem nicht machen!). Dabei kann ich mir den offenen A3 auch noch mal in Ruhe ansehen. Schick. Finde ich. Ist aber natürlich Geschmacksache. Designer und Ingenieure haben gut zusammen gearbeitet. Zwar sieht das Cabrio erst einmal so aus, als wäre es eine offene Kopie der A3 Limousine. Ist sie aber nicht. Der Ranstand wurde vom 3-Türer übernommen, die Linie an sich von der Limousine. Sieht von den Proportionen trotzdem stimmig aus. Und nur darauf kommt es an. Proportionen. Habe ich mir von einem Designer erklären lassen. Im Übrigen stört ja auch kein Überrollbügel die Linienführung. Hinter den Rücksitzen sind so Dinger, die hochschnellen, wenn der Wagen mal abhebt. Hat man uns versichert. Aber mit 125 PS …

Was mich bei heutigen Cabriolets wirklich nervt sind die extrem breiten A-Säulen. Im schlimmsten Fall hat man am oberen Scheibenrahmen noch so eine dicke Wulst für die ganz komfortable Technik, so dass man kaum noch merkt, dass man in einem offenen Fahrzeug sitzt. In meinem alten 1972 Peugeot 304 Cabriolet hatte ich einen zierlichen Scheibenrahmen mit zwei Schnallen dran. Fertig. Gut, wenn der sich auf den Kopf gedreht hätte, wäre ich jetzt platt. Ok, passive Sicherheit geht vor und ich kann mich auch nicht erinnern, dass ich mir an der Scheibenrahmenkante des A3 Cabrios den Kopf gestossen hätte. Wohl nur dezent dick. Das ultimative No-Go für Cabrios gibt es jetzt auch bei Audi. Ich finde gerade nicht den Aufpreis, aber man kann sich das Auto mit Heizdüsen unterhalb der Kopfstützen bestellen. Ihr versteht schon. Ich fahre offen, weil ich mich den Elemente aussetzen will (und wohl keinen Motorradfüherschein habe) und dann schalte ich ein Gebläse zu, was mir den Nacken wärmt. Arme Welt? Eher reiche Welt! Und damit man mich nicht missversteht – natürlich würde ich das hinzu konfigurieren, wenn ich mir ein Audi A3 Cabriolet bestellen würde. Ich bin 42 Jahre alt, mein körperlicher Verfall ist im vollen Gange. Na klar nehme ich sowas. Aber mit dem ehrlichen Cabrio fahren hat das meines Erachtens nichts mehr zu tun.

Sowieso. Ich denke, dass ich jeden geschlossenen A3, den ich künftig auf deutschen Strassen sehe, anpöbeln werde. Mache ich natürlich nicht. Aber das Recht hätte ich. Irgendwie. Denn selbst bei offenem Verdeck sitzt man wirklich geschützt. Nimmt man dann noch das klappbare und kinderleicht zu montierende Windschott in Betrieb, so ist der Luftstrom im Innenraum bei geöffnetem Fahrzeug mehr als nur dezent. Die Ausrede „Ich würde ja offen fahren, aber meine Haare …“ zählt nicht mehr.

Gut. Wir haben uns übrigens wieder entschlossen, den Col de Braus hochzufahren. Und auch runter. Jens wieder hoch, ich wieder runter. Am Tag zuvor eben mit 175 PS mehr. Mit mehr als doppelt so viel PS. Das Fahrwerk zeigt sich gutmütig und komfortabel. Die manuelle 6-Gangschaltung lässt sich gut schalten, die Schaltwege sind angenehm kurz, aber auch nicht sportlich (ich schreibe das mal auf die Gefahr hin, dass sie genau so lang sind wie beim S3, wenn das so ist, dann behaupte ich einfach, dass sie im S3 kürzer wirken). „Die progressive Lenkung im S3 war doch direkter“ sage ich zu Jens. „Der hier hat auch eine progressive Lenkung“ sagt Jens zu mir. Also halte ich einfach mal die Klappe. Wäre ein guter Moment, um mal die Musik aufzudrehen, aber unsere Wagen hat nicht das Bang & Olufsen Soundsystem und weil mich das so begeistert, will ich die Serienboxen erst gar nicht hören (Ja, irgendwann haben wir das Radio angestellt, gehen auch, aber nehmt das B&O System! Basta!).

Während ich so fahre, fallen mir zwei Dinge auf. Erstens: Der 1.4 Liter Motor lässt sich extrem schaltfaul fahren. Zweitens: Die 125 PS fühlen sich deutlich agiler an, als sich die Zahl so liest. Das also zum Thema 125 PS!

Wenn ich mit dem Audi A3 Cabriolet liebäugeln würde, dann würde ich durchaus zu genau der gefahrenen Motorgetriebe-Kombination greifen. Ich bin durchaus ein Automatik-Fan, aber das manuelle Schalten bringt mich irgendwie subjektiv dem eigentlichen Cabrio-Fahren ein Stück näher. Mehr PS geht immer, muss aber nicht sein. Mit 200 km/h über die Bahn will ich in einem Stoff-Cabrio eh nicht fahren – Akustikverdeck hin oder her. Passt so. liebäugeln würde Würde. 32.350 EUR kostet die Basisversion. Ideal als Abi-Geschenk für die Industriellentochter aus Düsseldorf, da kann Papi dann auch verschmerzen, wenn noch ein paar Assistenzsysteme und ein bisschen Infotainment hinzu konfiguriert werden. Töchterchen bekommt dann ein sehr schickes, sicheres Cabriolet mit 4 Sitzen, in dem auch ihren Freundinnen Platz finden, wenn die nicht gerade hochgewachsen die 180 cm überschritten haben – alles was darüber liegt findet im Fond nicht genug Platz. Und ja, ich hätte nichts dagegen, wenn der Papa mir das Cabrio auch vor die Haustür stellt.

Schon vor ein paar Tagen gepostet: Alle relevanten Daten und Fakten zum Audi A3 Cabriolet. Weitere Fahrberichte aus anderer Sicht und zT auch mit anderen Motorisierungen bei Jens, Mario (1.8 TFSI S tronic), Christina (1.8 TFSI S tronic), Can (2.0 TDI quattro), Don (1.4 TFSI) und Milos.

Weitere Fahrberichte von mir aus der Audi A3-Familie: 2012 Audi A3 (8V) 1.8 Liter TSFI als 3-Türer, 2012 Audi A3 Sportback 2.0 TDI quattro, 2012 Audi A3 Sportback 1.2 TFSI und 2013 Audi A3 2.0 TDI Limousine. Wer sich für die neue A3-Familien interessiert, sollte zudem noch einen Blick auf meine Artikel Die neue Audi MMI-Generation im 2013 Audi A3 Sportback (8V) und Die neuen Voll-LED-Scheinwerfer im 2013 Audi A3 Sportback werfen. Zudem kommt auch noch ein Bericht zum neuen Audi A3 Cabrio von mir.

Da waren aber noch einige Blogger mehr am Start, wer geneigt ist, die zu suchen, wird dann noch weitere Stimmen sammeln können. Nachstehend von mir noch das englische Video als Ergänzung zum Deutschen.