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Meine große Liebe – Mercedes-Benz G 350 BlueTEC (W463) – ohne wenn und aber

In diesem Beitrag geht es nicht etwa um die Fakten und Daten der G-Klasse. Auch bin ich nicht in der Lage einen auch nur ansatzweise objektiven Fahrbericht zu verfassen. Seit der Vorstellung der G-Klasse im Jahre 1979 bin ich diesem Modell sehr eng verbunden. Vor einem Jahr hat sich dann einer meiner automobilen Träume verwirklicht. Ich durfte das erste Mal in meinem Leben G-Klasse fahren. Sowohl die kleine Krawall-Ausgabe – 2012 Mercedes-Benz G 63 AMG (W463) – Rock’n’Rock – als auch das Arbeitstier – Meine Liebe: 2012 Mercedes-Benz G Professional Pur (W463). Im Rahmen dieser Fahrveranstaltung bei der das jüngste Facelift der Mercedes G-Klasse vorgestellt wurde, bin ich auch an einem frühen Morgen „auf den Berg“ gefahren und habe eine Reihe Fotos mit einem Mercedes-Benz G 350 CDI (W463) geschossen. Bislang aber noch nichts darüber geschrieben. Nun hatte ich das – vor ein paar Monaten noch schier undenkbare – Vergnügen eben so einen Mercedes-Benz G 350 CDI hier in Bielefeld im Alltag zu bewegen. Bedauerlicher Weise meinte es Christophorus nicht so gut mit mir und die ersten Tage des selbstredend viel zu kurzem Testzeitraums lag ich krank im Bett. Trotzdem haben Jens und ich es irgendwie geschafft auch noch ein kleines Video zu drehen, was ihr Euch nachstehend ansehen könnt, bevor ihr dann meine darunter folgende Ode lesen könnt:

HIER FEHLT DAS VIDEO.

Wenn ich auch nur einen Hauch von Objektivität versprühen wollte, müsste ich auf den Verbrauch der G-Klasse eingehen. Mercedes gibt den NEFZ-Verbrauch mit 11.2 Litern auf 100 Kilometern an. Für den Stadtverkehr liegt der Verbrauch laut Mercedes bei 13.6 Litern. Ich erinnere mich, wie ich zu meiner Frau bei einer kurzen Überlandfahrt sagte „Guck mal, keine 15 Liter!“ Der Punkt ist doch der. Wir reden bei der G-Klasse nicht um ein verbrauchsoptimiertes Fahrzeug, sondern über einen Panzerschrank mit 4 Rädern. Natürlich braucht der Sprit. Wir reden hier über ein Fahrzeug, was 2.6 Tonnen wiegt – leer. Bei einer Höhe von 1.95m und einer Breite von 1.76m (mit den gefälligen Rückspiegeln sind es 2.05m) stellen sich da mal eben fast 3.5 Quadratmeter Blech in den Fahrtwind. Die G-Klasse hat einen cw-Wert von 0,78 – im Vergleich dazu hat ein Ford Modell T einen Wert von 0,9, der neue Mercedes-Benz CLA 180 BlueEFFICIENCY Edition hält aktuell den Rekord für Serienfahrzeuge mit einem Wert von 0,22. Heisst also, dass 3 CLA nicht so viel Luftwiderstand haben, wie eine G-Klasse.

G steht für Geländewagen. Dafür wurde die G-Klasse damals konzipiert. Vor über 30 Jahren. Nicht für irgendeinen Windkanal oder irgendwelche Effizienz-Wettbewerbe. Und jeder Mensch, der sich auch nur ansatzweise mit dem Gedanken beschäftigt, sich eine G-Klasse zu kaufen, der wird sich einen Teufel um den Durchschnittsverbrauch scheren. Ein Mercedes G-Modell fährt man, weil es Sinn macht oder man es einfach will. Und ich warne hier gerne. Wenn man die G-Klasse erst einmal gefahren ist, dann will man sie auch weiter fahren. So geht es mir zumindest. Und da steht dann noch die andere Kleinigkeit, die wirklich jeden Gedanken über Spritpreise und Durchschnittsverbräuche sowieso obsolet macht – der Anschaffungspreis. Der Listenpreis meines Testwagens liegt bei 86.025,10 Euro. Inklusive der Ausstattung, die ich genossen habe, bewegen wir uns schon fast 20.000 Euro höher. Ach was solls, quäle ich mich doch ein wenig – zwischen mir und der G-Klasse, wie ich sie gefahren bin, stehen mal eben 105.200 Euro. BUMMS!

Ach Jan, Du musst ja auch nicht alles neu kaufen. Jaja. Bla! Muss ich nicht. Aber es ist ja nicht so, dass ich schon ein paar Jahre mit dem Gedanken spiele, mir eine G-Klasse zu kaufen. Guckt doch einfach selbst mal in die einschlägigen Gebrauchtwagen-Börsen. Nur ein Beispiel – eine G-Klasse von 1993 mit 300.000 Kilometern (also wohl gerade eingefahren) kostet da mal eben 12.000 Euro. Ach Jan, Du musst einfach nach ausrangierten Bundeswehr-G-Modellen suchen… Witzbold. Habe ich getan. Fast ein ganzes Jahr lang. Es gibt zwei unterschiedliche Angebote: teuer und kaputt oder wenn man Glück hat nur teuer. Wobei „teuer“ vielleicht nicht der richtige Ausdruck ist. Wertstabil wird der Mercedes-Verkäufer dies wohl eher nennen. Und ich pflichte ihm still bei. Und füge hinzu: eine G-Klasse kaufst Du nicht billig ein.

Warum sollte also ein Mensch über 105.000 Euro für ein Auto ausgeben, was Neuwagen, Youngtimer und Oldtimer in einem ist? Für das gleiche Geld bekommt man doch auch gut und gerne einen sehr gut ausgestatteten und zeitgemäßen Mercedes-Benz GL 350 (hinter dem Link mein Fahrbericht). Die erste Antwort auf diese Frage ist so einfach wie einleuchtend: Weil er es kann! Diese Antwort bedarf dann noch einem Zusatz, schon allein damit mein Artikel nicht zu profan wirkt: Und weil es einfach ein unvergleichliches Fahrerlebnis ist, ein G-Modell zu fahren. Ach Jan, Du kannst uns ja viel erzählen…

Das stimmt. Und das mache ich auch. Ich versuche mal in Worte zu fassen, was es für mich für ein Gefühl war, den Mercedes-Benz G 350 BlueTEC zu fahren. Ich stehe also – grinsend wie ein Honigkuchenpferd – vor der G-Klasse. 4.66 lang ist sie. Und drücke auf die Fernbedienung am Schlüssel, um die Türen zu entriegeln. KLOCK-OCK! Helga, die Russen kommen… möchte man bei ersten Mal fast schreien und sich auf den Boden werfen. Allein dieses Geräusch, das Ver- bzw. Entriegeln der Türschlösser per Zentralverriegelung beschreibt im Grunde schon den Charakter der G-Klasse. Das ist kein „plöpp“ wo irgendwelche Plastikmotörchen irgendwelche Gumminöpsis in eine andere Stellung bringen, beim G-Modell bewegen sich akustisch Riegel. Aus Stahl. Mindestens jeder 1 Kilo schwer (Achtung, ich übertreibe hier ein wenig, aber ihr sollt mich doch verstehen, ist klar, oder?). Tim Taylor hätte seine helle Freude. Und genau so geht es weiter. Die Hand an den Türgriff, diese lässt sich bequem und einfach öffnen – und doch merkst Du, dass Du eine Tür in der Hand hast. Nicht nur ein paar lieblos aneinander genietete Blechteile. Eine Tür. Verdammt nochmal! (Sorry, hier als Stilmittel doch sehr passend!) Allein das Türschloss der Heckklappe sieht aus, als wäre es ursprünglich für den Einsatz in Fort Knox entwickelt worden – nicht zwingend für einen Personenwagen. Was ich auch sehr mag – man sieht überall die Schaniere – also auch von aussen. Friss das, Windkanal! Ich mag es. Es sieht ehrlich aus. Und es passt im Ganzen zur Form der G-Klasse.

Gerne würde ich das Einsteigen jetzt als eine Art kriegerische Handlung – wie das Erklimmen eines Berges inklusive Hissen der Fahne beschrieben. Das wäre aber einfach nur falsch. Das Einsteigen selbst ist einfach. Zwischen dem Boden auf dem man gerade steht und dem Bodenblech des G-Modells liegen etwa 50cm. Man steigt einfach nur bequem ein. Wer möchte, nimmt das wohlgeformte und griffige Leder-Lenkrad zur Hilfe, was aber nicht wirklich nötig ist. Und landet dann auf dem belederten (Leder designo schwarz: 4.200 Euro) Fahrersitz. Hier kann ich doch wieder ein wenig Pathos einstreuen: Man tront auf dem Fahrersitz. Der Blick nach vorne durch die recht steil aufgestellte (und für 490 Euro beheizbare) Windschutzscheibe suggeriert, dass man nicht nur alles fein von oben sehen kann, sondern dass man in einem Panzer sitzt. Das Sicherheitsgefühl, was sich sofort einstellt ist beachtlich. Der Blick auf die Strasse führt über fast 1 Meter lange Motorhaube. An beiden Seite sitzen die Blinker auf den Kotflügeln wie Positionslichter. Ich liebe diese Blinker. Gefühlte Größe – ein halbierter Herrenhandball.

Den Schlüssel im Schloss gedreht, der V6 Diesel erwacht zu Leben. 3 Liter Hubraum. Das Auspuffrohr liegt übrigens neben dem rechten linken Hinterrad. Der Klang des Motors ist dieselig, aber nicht unangenehm laut. Generell ist die Geräuschkulisse im G-Modell bis zu einer Geschwindigkeit von 120-140 km/h sehr ruhig, erst wenn man es deutlich eiliger hat, wird es innen auch laut. Die Spitzengeschwindigkeit von 175 km/h erreicht man aber gefühlt recht flott und lässt sich auch locker halten. Der Tank fasst 96 Liter. Selbst bei Vollgasfahrten auf der Autobahn kommt man also ein ganzes Stückchen voran, bevor man wieder tanken muss. Im Stadtverkehr hatte ich richtig Spass mit der G-Klasse. Zwar braucht der Mercedes laut dem Papier ganze 9.1 Sekunden, um von 0 auf 100 km/h zu beschleunigen, aber der Ampelstart von 0 auf 60 km/h sorgt bei allerlei Leuten erstmal für lange Gesichter. Ich weiss nicht, ob es an der hohen Sitzposition liegt, aber ich habe die Beschleunigung als rasant empfunden. Ich hatte richtig, richtig Spass. 211 PS stehen zur Verfügung. Wenn ich bedenke, was die an Gewicht bewegen müssen, bin ich umso beeindruckter. Und auch wenn man gar nicht so hoch hinaufklettern muss, man sitzt sehr hoch in der G-Klasse. Dies fällt gerade im Stadtverkehr besonders auf, weil man ja immer wieder an einer Ampel halten muss und dann immer nach unten in die Autos schaut – ja selbst nach unten auf diese SUVs. Das ist erstmal irgendwie lustig und danach auch genauso irgendwie erhaben. Das G-Modell ist sowieso alles andere als unübersichtlich. Lediglich im Rückspiegel sieht man nicht allzu viel. Oder doch. Eine ganze Menge vom an der Heckklappe angebrachten Reserverad. Ist dann noch die mittige Kopfstütze ausgezogen, kann man sich den Blick in den Spiegel wirklich sparen. Zum Einparken nutzt man stattdessen eh sehr viel Gefühl oder eben die Rückfahrkamera (das gute Bild gibt es für 541 Euro Aufpreis). Wer auf Nummer sicher gehen will, dass er nicht beim Einparken aus Versehen einen Kleinwagen zusammenschiebt, der kann auch 880 Euro in eine Parktronic (so heissen bei Mercedes die Sensoren die Abstände vom Fahrzeug zur Aussenwelt anzeigen) investieren.

Apropos Helferlein. Natürlich gibt es die auch für die G-Klasse. Letztendlich ist es ein Mercedes. Also Tempomat inkl autonomes Abstandhalten zum Vordermann (heisst bei Mercedes DISTRONIC PLUS und kostet 1860 Euro) wie auch der Totwinkelassistent (1080 Euro) sind verfügbar. Schon ab Serie ist hingegen das Infotainment-System COMAND Online dabei. Leider war unser Testfahrzeug nicht mit dem Harman Kardon Surround-Soundsystem (Aufpreis 900 Euro) ausgestattet, das hätte ich mir gerne angehört. Die Serienboxen sind aber durchaus in Ordnung.

Gut. Du hast bis hierher ausgehalten. Du bist also wirklich interessiert. Du hast Familie und willst eine G-Klasse kaufen. Dann nimm auf jeden Fall die Kinder mit zur Probefahrt. Das G-Modell kannst Du eh nicht argumentieren. Die Kinder aber lieben die G-Klasse – zumindest meine – gute Kinder! Sie sitzen hinten sogar noch ein wenig höher als Du vorne. Dabei haben sie ausreichend Platz (was auch für Erwachsene gilt, die haben darüber hinaus auch prima Kopffreiheit) und riesige Seitenscheiben durch die sie sehr schön nach draussen sehen können. Ich würde die G-Klasse generell als sehr familienfreundlich bezeichnen. Und nur falls Du den kleinen Videoclip nicht angeguckt hast – bei zwei Erwachsenen und einem Kindersitz wird es eng auf der Rücksitzbank. Dafür entschädigt durchaus der Kofferraum, der sich hinter der links angeschlagenen Hecktür befindet. Im Idealfall wartet eine Ladevolumen von 2.250 Litern auf Befüllung, wer hingegen auf die Rückbank nicht verzichten kann, hat immerhin noch 480 Liter, die sich dann aber nicht verwinkelt verteilen, sondern quasi als Quader zur Verfügung stehen.

Die potentielle Liegefläche ganz ohne Rücksitzbank beträgt übrigens 1.76 cm, großgewachse Menschen sollten auf das Dach ausweichen, eine Dachlast von 200 kg ermöglich die Übernachtung in luftiger Höhe auf jeden Fall. Von Drittanbietern gibt es übrigens auch „Aufstelldachzelte“ für die G-Klasse. Die maximale Zuladung sollte übrigens 630 kg nicht überschreiten, es sei denn man besorgt sich verstärkte Federn im einschlägigen Zubehörhandel. Weniger für Abenteuerreiselustige interessant, aber doch erwähnenswert: mit der G-Klasse kann man einiges ziehen, die zulässige Anhängelast beträgt stolze 3.5 Tonnen (die Stützlast liegt bei 140kg).

So genug Daten und Fakten. Ich liebe die G-Klasse. Ich habe jede Minute in dem Auto genossen. Ich mag es, wie die G-Klasse sich so locker flockig durch den Verkehr fahren lässt, als wäre Luftwiderstand und Leergewicht nicht vorhanden. Ich mag die hohe Sitzposition und den Blick nach vorne vermisse ich. Wie auch das Schliessgeräusch der Zentralverriegelung. Eine G-Klasse – achtung jetzt wird es ein wenig schmalzig – gibt mir Geborgenheit. Zudem gibt sie ein deutliches Zeichen gegen das Einerlei des heutigen SUV-Design. Wer das G-Modell fährt, gibt meines Erachtens ein Statement ab. Vielleicht ist das Statement im Rahmen der heutigen gesellschaftlichen Konventionen nicht so ganz korrekt, aber man muss auch nicht immer mit dem Strom schwimmen.

G steht für Geländewgaen. Auch das ist die G-Klasse. Nicht nur ein wirklich komfortables, großzügiges Auto, sondern auch ein Tier fürs Grobe. Drei Differenzialsperren (eine für das mittlere Verteilergetriebe, eine für das Hinterachs-Differential sowie eine für das Vorderachs-Differential.) sind einzeln zuschaltbar und sorgen auch im Gelände für die richtige Traktion. Mit einer Bodenfreiheit von 21 Zentimetern nimmt man diverse Verwerfungen locker und kann das G-Modell auch noch durch 60cm tiefe Wasserfurten oder Schlammlöcher steuern. Böschungswinkel bis zu 36° vorne und 27° hinten lassen die G-Klasse ebenso kalt, wie auch eine Schräglage bis 24,3° (fahrstabile Schräglage nennt sich das dann) oder auch Steigungen bis 80% (36°). Diese Zahlen mögen den Offroad-Experten etwas sagen, unsereins kann schnell einen Blick in den nachstehenden Clip werfen, der letztes Jahr in Frankreich entstanden ist, als ich mich in einem Offroad-Parcur von der Gelängegängigkeit der G-Klasse überzeugen konnte:

Sollte sich für mich einmal die Möglichkeit ergeben, dass ich mir eine G-Klasse zu einem guten Preis kaufen kann, werde ich vermutlich zuschlagen. Das wird nicht dieses Jahr sein und auch nicht nächstes, aber definitiv gehört das G-Modell zu meinen Traumautos. Ich weiss noch nicht, ob ich froh sein soll, dass ich jetzt einmal an dem süssen Nektar kosten durfte oder nicht, aber im Grunde bin ich sehr glücklich, dass ich jetzt weiss, dass mein Traum auf einem soliden Fundament steht.

Habe ich etwas vergessen? Dann stellt Eure Fragen in den Kommentaren, dafür habe ich ja dieses Blog. Jens hat auch etwas zu der G-Klasse geschrieben und ich hatte auch schon einen ersten Fahreindruck verschriftlicht: Ride on the G side of life