Probefahrten
Kommentare 7

Angefahren: 2013 BMW 328i Touring – eine Begegnung der besonderen Art

Gute Freunde, die einen das Leben lang begleiten, sind schwer zu finden. Ich schätze mich sehr glücklich gleich mehrere solcher Freunde zu haben. Alles ist immer gut, bloss über Autos sprechen wir nicht. Vor allem nicht mit dem einen. Ich bin ja schon seit frühster Kindheit ein Freund der Marke mit dem Stern, er hingegen hatte sein Herz gegen eine Doppelniere getauscht. Und so haben wir auch stets artig und enthusiastisch unseren automobilen Konflikt ausgetragen. Am Höhepunkt bin ich einen Mercedes-Benz 190D (W201) gefahren, er einen BMW 530d als Limousine. Meiner war auf der Bahn kaum schneller als 120 km/h und hatte brutal durchgesessene Sitze, sein BMW hatte eine fliederfarbene Lackierung (Alice Schwarzer wäre entzückt gewesen) und eine damit harmonisierende lila Lederausstattung. Damals haben wir dann einfach mal das automobile Kriegsbeil begraben und sind dann beide auf Audi umgestiegen.

Einen emotionalen Zugang zu den Fahrzeugen aus München habe ich bis dato aber nicht gefunden. Ich bin seit den alten Tagen aber auch kaum einen BMW gefahren. Die Einladung der Münchener zu der Fahrveranstaltung der BMW M6 Gran Coupé war für mich das erste Mal seit Urzeiten, dass ich mich hinter das Lenkrad eines BMW gesetzt habe. Und es war alles ganz schön fremd. Und wenn ich meine alles, dann meine ich alles. Klar, ein BMW hat auch ein Lenkrad, Gas, Bremse, usw – aber doch ist vieles eben ein wenig anders. Vor allem, wenn man sehr viel Mercedes und Audi fährt.

Nun hatte ich die Gelegenheit mich ein wenig in die BMW-Welt einzuleben. Und das mit einem eher flotten Vertreter der Münchener, einem 2013 BMW 328i Touring. Manche werden mir kaum glauben, aber auch in dem 328i konnte man sich hinter ein rundes Lenkrad setzen. Und wenn man an eben diesem drehte, dann konnte man das Auto lenken, dies im Übrigen sehr direkt. Und am zweiten Tag hatte ich mich doch tatsächlich ein wenig mit dem Infotainment-System angefreundet.

Der BMW 328i Touring ist mit seinen 245 PS hinter dem BMW 335i (306 PS) der zweitsportlichste 3er. In Verbindung mit dem klaglos arbeitenden 8-stufigen Sport-Automatic Getriebe Steptronic liegt der Basispreis bei 44.000 Euro. BMW gibt den NEFZ-Verbrauch mit 6.5 Litern/100 km an, ich lag während meines kurzen Testzeitraums bei knapp 9 Litern. Mit einem frisch befüllten 60 Liter Tank kommt man also mindestens 600 km weit ohne an die Tankstelle zu fahren, es sei denn, man reizt dauerhaft die Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h aus. Sicherlich gibt es Fahrzeuge, die schneller beschleunigen, der BMW 328i Touring benötigt 6 Sekunden, um von 0 auf 100 km/h zu kommen, aber im Paket betrachtet, hat sich mir der Kombi als sportlich, praktisches Alltagsfahrzeug präsentiert. Nur mal im Vergleich, der klassische 3er Firmenwagen, also der BMW 320d Touring hat 184 PS, benötigt für die Beschleunigung auf 100 km/h 7.6 Sekunden, erreicht seine Höchstgeschwindigkeit bei 230 km/h und hat laut BMW einen NEFZ-Verbrauch von 4.8 Litern, bei einem Basispreis von 41.900 Euro in Verbindung mit der Sportautomatik.

Aber mir ging es ja wie eingangs erwähnt im ersten Schritt nicht um einen kompakten Test. Ich wollte mich in dieser BMW-Welt zurecht finden. Und dafür war der BMW 328i Touring ein perfekter Einstieg. Ich mochte das schwarze Leder mit dem die bequemen Sportsitze bezogen waren. Die breite Armauflage in der Mittelkonsole lädt zu einem entspannten Fahren ein – jaja, auch wenn beide Hände ans Lenkrad gehören. Das große Display des Infotainment-Systems ist sehr angenehm, vor allem, wenn man es aufteilt und zwei unterschiedliche Informationen gleichzeitig darstellen lässt. Mit dem Navigieren durch die unterschiedlichen Ebenen des Systems hatte ich so meine Probleme, aber ich lerne ja noch. Keine Probleme habe ich hingegen, den Klang des harman/kardon Soundsystems zu beurteilen. Der ist sehr ordentlich.

Phänomenal. Und ich meine wirklich “phänomenal” hat mir das HeadUp-Display gefallen. Dem hatte ich damals bei der Testfahrt mit dem M6 nicht so viel Beachtung schenken können, nun aber im Alltagstest hat es mich vollkommen begeistert. Die Informationen sind auf der einen Seite aufs Wesentliche reduziert – eben die Geschwindigkeit und wenn man navigiert auch noch die Angaben des Navis. Dazu werden ebenfalls noch Warnmeldungen auf die Scheibe projiziert, die dann natürlich sofort ins Auge stechen. Das gefällt mir genauso wie die famose Schärfe mit der die farbigen Informationen im Blickfeld erscheinen. BMW kaufen? Nie ohne HeadUp! Steht zumindest für mich fest.

Fast wahnsinnig hat mich hingegen der Wahlhebel der Automatik gemacht. Um von der Parkstellung aus einen Gang einzulegen, muss man einen seitlich angebrachten Taster mit drücken. Gerade beim Rangieren hat mich das ein paar Mal aus der Fassung gebracht. Auch die Anordnung des P(ark)-Tasters auf dem Kopf des Knüppels kommt meinen Gepflogenheiten nicht entgegen. Auf der Autobahn mit dem Daumen spielen, sag ich nur. Sehr lässig finde ich hingegen die Schaltwippe neben dem Knüppel mit der man zwischen den verschiedenen Fahrprogrammen (ECO PRO, COMFORT, SPORT und SPORT+) wählen kann. Gerade der ECO PRO-Modus hatte es mir angetan. Effizient fahren, wenn man gerade keinen Fahrspass braucht. Finde ich prima. Um mich ausgiebig mit dem SPORT+-Modus zu befassen hat mir die Zeit gefehlt.

Touring steht bei BMW für die Kombi-Bauform. Na, habe ich jetzt drauf mit BMW und so? Im Kofferraum finden sich unter dem Ladeboden zahlreiche Staufächer – gefällt mir. Der Kofferraum ist mit seinen 495 Litern ausreichend groß, legt man die Rückbank (die aus drei separaten Teilen besteht) um, so kann man gar 1500 Liter verstauen. Mager ist hingegen die maximale Zuladung von 550 kg. Wer mit seinen 3 Freunden in den Ski-Urlaub fahren will, hat den Kombi aus München schnell überladen. Das Platzangebot im Fond ist hingegen auch für Erwachsene ausreichend (drei erwachsene Personen möchte man aber nicht auf die Rückbank bitten).

Ich bin im Großen und Ganzen wirklich baff erstaunt. Der BMW 328i Touring ist nicht nur ein schönes Auto, die von mir bislang ignorierte BMW-Welt gefällt mir sogar sehr gut und noch viel wichtiger, sie macht mir mehr und mehr Spass. Auch wenn das Vergnügen im 328i leider nur ein kurzes war. Nachstehend noch eine Handvoll Bilder: