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Mit dem Mercedes-Benz GL 63 AMG (X166) durch die Nacht von Detroit #mbrt14

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Der NEFZ-Verbrauch von 12.3 l/100 km wird keinen Besitzer eines Mercedes-Benz GL 63 AMG schocken. Und auch wenn ein Amerikaner weniger für den großen SUV aus Stuttgart zahlt als jeder Deutsche (Bei uns liegt der Baisispreis bei 131.316 Euro), so gehört das Monster mit seinen 557 PS auch in Amerika eher zu den Traumwagen. Man träumt davon. Eben dieses Traumauto hatten wir bei unserem Mercedes-Benz Amerika-Roadtrip dabei und ich hatte einen Tag lang die Gelegenheit den Mercedes-Benz GL 63 AMG auf der Interstate zu fahren. Zum Abschluss unserer Reise, die in Detroit passend zum Start der NAIAS 2014 geendet hat, habe ich mir, gemeinsam mit der Kollegin Sarah Sauer, das 2.580 kg schwere Ungetüm noch einmal geben lassen und habe einen kurzen Streifzug durch das nächtliche Detroit (downtown) unternommen.

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Während Mercedes auf der Pressekonferenz der NAIAS 2014 mit Stolz von steigenden Umsätzen in Amerika berichtet hat und auch gerade die steigenden Stückzahlen der Sterne mit AMG-Herz hervorgehoben hat, schlittert Detroit von einer Krise in die nächste. Im dritten Jahr habe ich mir von den Shuttle-Fahrern erzählen lassen, dass man an der Revitalisierung der Innenstadt arbeitet. Einen sichtbaren Erfolg kann ich nicht bestätigen. Stattdessen steht jedes zweite Haus – und wir reden hier von echten Hochhäusern und keinen Einfamilienhäuschen – leer. Die Stadt ist bankrott. Im Sommer letzten Jahres mussten die Altvorderen der Stadt die Insolvenz bekanntgeben. Die Arbeitslosenquote ist sehr hoch. Man überlegt aktuell die Schätze aus dem Detroit Institute of Arts zu verhökern, um die Schulden der Stadt zu drücken.

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Be careful. hatten wir die Portiers schon bei meinem ersten Besuch in Detroit mit auf den Weg gegeben, als ich zu Fuss zur Cobo Hall gelaufen bin. Am Tag geht das problemlos, am Abend soll man dringend dunkel Ecken meiden. Und auch Bezirke, wo einem keine Polizeiwagen auffallen. Und da ich von Natur aus schon kein Supermann bin und auf meiner Karte auch nicht „Gefahrensucher“ steht, habe ich mich an diesem Abend mit dem GL nur die hübsch illuminierten Ecken besucht. Und davon gibt es einige. Direkt im Zentrum. Wahl auch für die Gäste der Autoshow ordentlich herausgeputzt. Die hübsch mit Lichterketten verzierten Fassaden der Geschäfte lässt man wohl bewusst bis zum Ende der Autoshow im weihnachtlichen Glanz.

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Direkt im Kern befindet sich auch das Stadion der Detroit Tigers. Meiner Generation ist ihr schwungvoll geschriebene D durchaus vertraut – Thomas Magnum, der Serienheld, der als Detektiv im Ferrari auf Hawaii ermittelte, trug oft eine entsprechende Baseball-Cap. Das Stadion, der Comerica Park, ist ein echter Hingucker – auch wenn die Baseball-Saison längst vorüber ist bzw noch lange nicht begonnen hat. Riesige Tiger-Figuren zieren die Eingänge und an den Außenwänden sind Laternen in den Mäulern von weiteren Tigerköpfen eingelassen.

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Tiger meets Bear! musste ich unweigerlich denken, als ich den Mercedes-Benz GL 63 AMG direkt unter die Statue des einen Tigers lenkte. Bär. Das passt zum GL 63 AMG doch sehr gut. Auch wenn der SUV mit seiner imposanten Länge von 5.12 Meter und seiner Breite von 2.14 Metern alles andere als ein Kleinwagen ist, er lässt sich doch erstaunlich einfach bewegen. Und damit meine ich nicht nur die amerikanischen Parkplätze im XXXL-Format und die breiten amerikanischen Highways. Ich hatte im Dezember 2012 ja einen 2012 Mercedes-Benz GL 350 BlueTEC 4MATIC (X166) für zwei Wochen in Bielefeld und kann auch bestätigen, dass er in Deutschland sich einfach einparken und lenken lässt. Ersteres dann idealer Weise mit Unterstützung der gut funktionierenden 360° Kamera.

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Ich habe ja schon oft erklärt, dass ich mitnichten ein Freund dieser sportlichen SUVs bin. Aber – den ökologisch schlagenden Teil meines Herzens mal ausser Acht gelassen – als ich das Gaspedal ordentlich durchgedrückt habe und der V8-Biturbomotor mit einen 5.461 ccm Hubraum das gute Super herzhaft inhaliert hat, hat mir das Brummen des Triebwerks durchaus ein nachhaltiges Grinsen ins Gesicht gezaubert. Nachhaltig! Ich meine das so.

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In den USA darf man ja zeigen, was man hat. Und nur deshalb verkauft sich dort ein Mercedes-Benz GL 63 AMG auch so gut – mal davon abgesehen, dass er neben dem ML, der R-Klasse und jetzt auch der neuen C-Klasse auf amerikansichen Grund und Boden (in Tuscaloosa, Alabama) produziert wird. An den durchaus imposanten Fahrwerten dürfte es nicht liegen. In 4.9 Sekunden beschleunigt der Mercedes GL 53 AMG von 0 auf 100 km/h (und lässt dabei so ganz nebenbei manche Sportlimousine ziemlich alt aussehen). 100 km/h entsprechen 62 mph. Auf den meisten Interstates darf man gerade mal mit 70 mph (112 km/h) reisen. Die maximale Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h werden wohl die wenigsten amerikanischen Besitzer jemals erreichen. Selbst die straff abgestimmten Federn und Gasdruckdämpfer des AMG Sportfahrwerks auf Basis des AIRMATIC-Fahrwerks mit integriertem ACTIVE CURVE SYSTEM können keine Winder bewirken. Ab 160 km/h bekomme ich – dank des schlechten Zustands der amerikanischen Highways einfach Angst. 250 km/h entsprechen 155 mph. Wer so schnell erwischt wird, wandert auch schnell mal in den Bau.

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Ein weiteres Highlight für mich – ein kurzer Stop am Fox Theatre. Zu Detroits Glanzzeiten war das Fox Theatre ein Treffpunkt für die Reichen und Schönen. An Glanz hat es ein wenig eingebüsst in der Zwischenzeit, nicht aber an seiner Anmut. Und selbst heute wirkt ein moderner Luxus-SUV wie der GL vor der wundervoll illuminierten Fassade alles andere als deplatziert.

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Wenn mich aber jemand fragt, woran ich mich spontan erinnere, wenn der Name Detroit fällt, dass antworte ich „Qualmende Strassen“. Dabei meine ich nicht die Absage während des Stossverkehrs, sondern die Gullideckel und kleinen Littfasssäulen-ähnlichen Schornsteine, aus denen im Winter stätig heisse Luft entweicht. Ich habe keine Ahnung, warum es qualmt oder vorher es kommt. Aber es sieht mE sehr schön aus.

Nach 2 Stunden in der Stadt haben wir den GL auch schon wieder zurück gebracht. Dank Sitzheizung nicht mal ansatzweise durchgefrohren.