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Viva Las Vegas! Mit dem 2014 BMW M235i in die Wüste – Fahrbericht meiner Probefahrt

Wenn man morgens um 8 Uhr in Las Vegas den bekannten Strip entlang läuft, dann brüllt einem aus den in den Blumenkübeln eingelassene Lautsprecher schon laute Musik entgegen. Die grelle Leuchtreklamen, welche die Nacht hindurch versucht haben, mich am Einschlafen zu hindern, schreien visuell ihre Werbebotschaften in die leicht fröstelnde Morgenluft. 90 Minuten zuvor sass ich noch im 23. Stockwerk des Hotels im Frühstücksraum und habe schweigsam den Sonnenaufgang der die Stadt umgebenden Wüste betrachtet. Wer seine Augen von der lauten, schrillen Fassade Las Vegas abwenden kann, wird Schönes sehen. Ich mag Las Vegas nicht. Ich will raus.

90 Minuten nach meiner Fussrunde rund um den Strip, sitze ich in dem Grund meines Aufenthalts in der sündigen Wüstenstadt. BMW stellt in Vegas das neue 2er Coupe vor. Im Umfeld des grellen Strips sieht der BMW M235i selbst in dem knalligen Rot geradezu brav aus. Die schlichte schwarze Lederausstattung ist ein wunderbarer Kontrast zu den wirren Casino-Teppichen, die immer noch vor meinen Augen herumtanzen. Ein paar Klicks an den Schaltern der elektrischen Sitzverstellung und der Sportsitz schmiegt sich angenehm an meinen Körper. Bloss raus hier! Also drücke ich den Startknopf. Ahhh, herrlich der V6 grunze ich zufrieden. Das ist die Musik, die ich gerne höre. Jens neben mir verdreht die Augen. Jens mag Vegas. Und Jens belehrt mich, dass die sechs Zylinder des BMW M235i in Reihe angeordnet sind. Nicht in V-Form. Pah. Der Punkt ist doch, dass der Motor einen herrlich satten Klang hat. Wohl nicht zuletzt dank der doppelflutigen Abgasanlage.

Immerhin lerne ich. Mein Daumen drückt den kleinen Taster links am Wahlhebel der Automatik, bevor ich auf das Fahrprogramm wechsle. Seidenweich setzt sich das zweitürige Coupe in Bewegung. Ich fahre gerne in den USA Auto, auch wenn es im Vergleich zum Strassenkrieg in Deutschland doch ziemlich langweilig ist. Und ich meine damit nicht mal die Geschwindigkeitsbegrenzung. Den BMW M235i regelt die Elektronik bei 250 km/h ab, in Nevada ist auf der Interstate 10 in Richtung Osten bei 75 Meilen pro Stunde (120 km/h) Schluss. Die Cops wissen, dass wir hier sind. Und sie haben ein ganz spezielles Auge auf uns geworfen. warnt man uns eindringlich beim Briefing. Fahrt nicht zu schnell. Haltet nicht, wenn es sich nicht um einen Parkplatz handelt. Auch zum Fotografieren nicht.

Tzzzz. Kaum haben wir die City limit von Vegas hinter uns gelassen, fühle ich mich wie ausgewechselt. Runter vom Highway. Und dann einfach der Strasse nach in die Berge. Hinter der Abfahrt stehen zwei Ranger am Wegesrand. Also runter auf 35 mph und im Schleichgang der Strasse folgen. Hier ne Kurve, da ne Kurve. Und dann die unendliche Weite von Nevada vor uns. Bloss eben ohne Strasse. Die endet nämlich hier. In Sichtweite der Ranger. Ist klar, oder? Also wieder zurücktuckeln (ja, selbst das geht im M235i ganz ordentlich) und wieder rauf auf die Interstate. Und auch eine Gelegenheit, den 326 PS mal freien Lauf zu geben. Im Idealfall beschleunigt der BMW M235i in nur 4.8 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Aber auch bei weniger optimalen Bedingungen – wie eben auf dieser amerikanischen Hoppelauffahrt – macht die Beschleunigung fühlbar Spass. Und die nächste Abfahrt auch schon wieder runter. Ahhh. Eine halbwegs verwaiste Landstrasse. Platz für einen unbehelligten Foto-Stop. Und – hihi – um die neu eingeführte BMW launch control auszuprobieren. Das Fahrprogramm flugs in Sport+ befördert (Obacht, das schaltet man auch gleich das ESP mit aus.), den Gangwahlhebel in den manuellen Sportmodus, den linken Fuß auf die Bremse, den rechten Fuß komplett aufs Gaspedal. Und dann drücken 450 Nm das Gummi der Hinterräder mit voller Kraft in den Asphalt. Spass? Oach ja. „Ein wenig“.

Den hat man sowieso. Auf den Vordersitzen. Die sind schön ausgeformt, bieten einen guten Seitenhalt und sind obendrein noch bequem. Das belederte Volant liegt prima in der Hand. Und ich bin kurz davor, das BMW Cockpit als das aufgeräumteste und schönste unter den deutschen Premium-Herstellern auszurufen. Aber noch nicht heute, da schreibe ich allenfalls, dass ich mir gerne die beiden Rundinstrumente beim Fahren ansehe.

Spass auf den Vordersitzen. Ja. Auf der Rückbank. Naja. Das Platzangebot für Erwachsene ist begrenzt. Das muss ja nicht schlecht sein. Wenn die Freundin der Freundin mal wieder mitfahren muss, dann soll sie doch auch gar nicht bequem reisen. Oder? Zu korpulent sollte sie im Übrigen auch nicht sein, sonst wird der Einstieg in den Fond – trotz elektrisch nach vorne fahrenden Sitzen – eher kompliziert. Kinder hingegen haben keine Probleme im Fond, wenn man sich als Elternteil wirklich antun möchte, einen Zweitürer zu kaufen. Spätestens für den Familienurlaub braucht man dann doch ein anderes Auto, denn der Kofferraum des BMW M235i ist mit seinen 390 Litern alles andere als üppig. Wer nur zu zweit reist, kann aber die Rückbank umlegen. Und wer die 170cm Körpergrösse nicht überschritten hat, kann sogar einigermassen bequem im Auto schlafen.

Aber all das will ja nie ein Mensch wissen. Wie fährt der Haufen sich denn? Biste nicht gedriftet? Langweiler! Wie geht der bei 150 durch die Haarnadelkurve? Kommt da das Heck? Uhm. Wir waren ja in den USA. Da sind die Strassen, entgegen all der tollen Autofilme, nicht gerade einladend um sportlich durch die Gegend zu fahren. Dafür gibt es ja auch den Kippschalter neben dem Automatikgangwahlhebel, mit dem man von Comfort über Sport zu Sport+ wechseln kann. Das Programm „Comfort“ ermöglicht es selbst in den USA bequem und locker durch die Gegend zu fahren, ohne jede einzelne oder vielen Fahrbahnunebenheiten zu spüren. Auch fühlt sich die Lenkung schön leichtgängig an. Schaltet man dann ins Sport-Programm wird diese deutlich direkter und das Fahrwerk auch deutlich straffer. Wer mag, schaltet das Ganze mit dem Sport+-Programm noch mal schärfer und kann dann auch das Heck immer mal wieder kommen lassen. Und ja ey, kannste dann voll mit durch die Kurven gehen und so. Im Drift: Na logen! Idioten.

Das Ende der Teststrecke liegt im Valley of Fire State Park (Achtung Nerd-Alarm: Einige Sequenzen aus dem Film Star Trek: Treffen der Generationen wurden imPark gedreht!). Auf der Zufahrtsstrasse darf man nur 35 mph fahren. Und statt Ey voll scheisse ey. Gib Gas Alda! geniesse ich die Ruhe, die Mutter Natur ausstrahlt. Rotes Gestein. Eine wundervolle Mondlandschaft. Was für eine Erdung. Nicht mal eine dreiviertel Fahrstunde von Las Vegas entfernt. Wunderbar.

Das preiswerteste 2er Coupé ist momentan der 220i als Handschalter mit einem Basispreis von 29.950 Euro. Der M235i kostet mit dem manuellen 6-Gang-Getriebe in der Grundausstattung 43.750 Euro, mit der Sport-Automatic Getriebe Steptronic sind es 46.000 Euro. Ich halte es für einen sehr cleveren Schachzug von BMW, das 2er Coupé als 2-Türer mit Heckantrieb anzubieten. Viele junge Männer werden es danken. Jens hat den BMW M235i mit seinen Mitbewerbern aus Stuttgart (CLA 45 AMG) und Ingolstadt (S3 Limousine) verglichen. Und bei den beiden habe ich als Kritik oft gehört, man möge sie doch auch als 2-Türer anbieten. Zudem kommen die beiden ja mit einem Allrad-Antrieb, der mir persönlich sehr zusagt. Ich weiss aber, dass die richtigen Jungs, die nicht nur Haare auf der Brust haben, sondern auch wirklich Auto fahren können, stets einen Hecktriebler bevorzugen. Thomas Gigold war auch mit in Vegas und meint Der erste Test des kompakten BMW 2er macht viel Freude und eins klar: der ist eine Sünde wert!, wie auch Benny meint „das erste breite Grinsen stellt sich spätestens eine Zehntelsekunde nach dem Druck auf den Startknopf ein: Der Sechszylinder erwacht markant und unüberhörbar zum Leben – für BMW-Fahrer ein Sound, der nach liebevoll eingerichtetem Wohnzimmer klingt.“ Wer mehr mehr mehr will – hier: Alle Daten und Fakten zum BMW 2er Coupe. Nachstehend noch ein paar weitere Impressionen vom BMW M235i in der Galerie: