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ADAC.

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In den letzten Wochen galt es ja wohl als opportun, ordentlich überd en ADAC-Skandal herzuziehen. Ich bin so müde von diesen Berufsempörten, die sich heuer vor allen in den sozialen Netzwerken breit gemacht haben. Hauptsache erstmal die eigene Empörung ungefiltert nach aussen tragen. Nachdenken kann man ja später immer noch. Und sowieso, morgen haben wir doch alle alles schon wieder vergessen.

Seit dem Kauf meines ersten Autos vor etwa 23 Jahren bin ich Mitglied im ADAC. Die gelben Engel haben mich – als Fahrer von Fahrzeugen, die meist älter waren als ich selbst – zahlreiche Male gerettet. Dabei waren die Helfer stets sehr freundlich und hilfsbereit. Die Männer auf der Strasse machen einen guten Job. Und nur wegen diesem Service bin ich Mitglied im ADAC. Und wer rechnen kann ist in so einem Fall auch klar im Vorteil.

Sicherlich kann man den ADAC auch Verein sehen, der die Belange der Autofahrer politisch mitzusteuern versucht. Mir war das für meinen Teil immer egal. Ich zahle meinen Jahresbeitrag als eine Art Versicherung – für den Fall das ich liegen bleibe. Und dafür finde ich den ADAC einfach genial.

Na klar. Ich habe mich auch hin und wieder gefragt, warum ich mit meiner Mitgliedschaft auch gleich noch Zwangsabonnent der ADAC Motorwelt bin. Zumal mich halt die Belange des Vereins nie besonders interessiert haben. Aber als Klolektüre hat sie alle Male gereicht, und wo wenn nicht dort sollen die ganzen Treppenlift-Hersteller und Du-wirst-5cm-größer-Schuh-Anbieter ihre Marketing-Budgets versenken?

Generell wünsche ich mir in unseren Breiten weit weniger von dieser gespielt-brutalen Empörung. Klar macht es Facebook jedem Einzelnen sehr einfach, einfach mal schnell den Frust rauszuhauen. Aber muss das wirklich sein. Stattdessen würde ich mir wünschen, dass man sich doch bitte um Dinge aufregt, die wirklich wichtig sind. Da lohnt es sich doch immer mal die entsprechenden Magazine wie Panorama oder Report in der ARD anzusehen. Die decken echte Skandale auf. Skandale, die ich wirklich betreffen und auch nachhaltig treffen.

Ja, irgendwelche Heimchen beim ADAC haben ganz offensichtlich Mist gebaut. Aber dafür den ganzen Verein abzustrafen ist mE nicht der richtige Weg. Auch haben die Kirchen in Deutschland gezeigt, dass Massenaustritte keine echten Reformen bewirken. Da sollte man doch lieber von der Basis aus sticheln. Wichtig ist, dass der Betrug aufgedeckt wurde. Wichtig ist, dass das Thema angegangen wird. Interessant wird sein, wer sich in 3 Monaten noch daran erinnern wird.

21 Kommentare

  1. Das, mit dem der ADAC groß wurde und was er kann, ist die Pannenhilfe. Und da sind die Jungs auch echt gut. -Schnell vor Ort und freundlich. Dass der ADAC nun seine Abstimmungszahlen frisiert hat, zeigt doch nur, dass der eigene Anspruch des Vereins nicht mit der Realität seiner Mitglieder einhergeht. Sei’s drum. Das haben sie nun schmerzlich erfahren. Die ganzen anderen Dinge, um die sich die Empörung dreht, sind in ein paar Tagen auch wieder vergessen.

  2. Ich frage mich, weshalb die großen und kleinen Verlage und ihre Redaktionen in den letzten Jahren beim Thema ADAC waren. Jetzt, wo der ADAC mit einem Beinschuss humpelt, wachen plötzlich die ganzen hoch-renomierten Redakteure auf und treten um sich, als wäre der ADAC erst seit der Award-Affäre ein schlimmer Finger. Beispiel: Pannenstatistik, seit vielen Jahren wissen wir, dass die ADAC-Statistik keiner Überprüfung standhalten kann, weil viele Pannen aus der Wertung genommen werden. Trotzdem haben viele Verlage die Zahlen immer wieder unreflektiert übernommen. Was war mit den Reifentests? Da sollen seit Jahren Hersteller extra für die Tests Reifen produziert haben. Und, und, und. Das läuft seit zig Jahren. Und keiner will das gewusst haben?

  3. Es nervst schon gewaltig, wenn man die ganze Bande von Motor- und Wirtschaftsjournalisten sieht, die jetzt erst den Arsch hochkriegen und zuschlagen. Weil sie genau wissen, das kein Return kommt. Ich finde das arm und auch bezeichnend.

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