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Genf 2014: Mercedes-Benz zeigt Apple CarPlay in der neuen C-Klasse

Im Juni 2010 stellte Apple der Weltöffentlichkeit AirPlay vor. Mit diesem Dienst kann man (relativ) bequem Audi- und Video-Inhalte von einem iOS-Gerät zu einem entsprechenden Empfänger per WLAN senden. Ich habe eine Weile bei Bowers & Wilkins gearbeitet, die 2010 mit dem B&W Zeppelin Air das erste AirPlay Empfangsgerät vorgestellt haben. Ich habe selbst so ein Gerät und finde es ungemein praktisch. Nun hat Apple zum Start des Genfer Automobilsalons Apple CarPlay vorgestellt. Jens und ich hatten die Gelegenheit, uns in einer neuen 2014 Mercedes-Benz C-Klasse (W205) diesen neuen Software-Dienst anzusehen und haben das Ganze (wenn auch in englischer Sprache) in einem Ausfahrt.tv-Video festgehalten:

Generell ist Car-Hifi in meinen Augen ziemlich unsexy geworden. Die Hersteller bestücken ihre Fahrzeuge mittlerweile durchweg mit guten Infotainment-Paketen und bieten (zumindest optional) in der Regel ein stattliches Premium-Soundsystem an. Aber egal, wie einfach sich so ein System bedienen lässt, im Vergleich zu unseren Smartphones, ist alles eher behäbig und die blinde Bedienung will gelernt sein. Und während die Software-Entwickler der Smartphones sich eben der vollen Aufmerksamkeit des Users gewiss sein dürfen, ist es die Aufgabe eines Infotainment-Systems, die Benutzer möglichst wenig vom Fahren abzulenken.

Ich selbst war lange Zeit sehr irritiert, dass die Premiumhersteller einfach keine Touchdisplays anbieten wollten. Gerade die Importeure waren da mehr auf Zack. Mit meiner heutigen Erfahrung sehe ich dies alles ein wenig anders. Ein Touchdisplay lenkt mich weit mehr vom Fahren ab, als wenn ich ein Jogshuttle oder was auch immer der Hersteller gerade anbietet benutze. Denn ich muss mich halt darauf konzentrieren, dass ich die richtige Schaltfläche finde und auch drücke. Je nachdem wie träge sich der jeweilige Touchscreen verhält, dauert die Ablenkung auch noch ein Weilchen an. Aber wer will denn schon diese Sicherheit, richtig? Wir wollen im Auto SMS- und Whatsapp-Messages versenden und lesen. Wir wollen unsere Musik hören und einfach und ohne viel Aufwand durchsuchen und abspielen. Wir wollen mal eben sehen, was auf Twitter und Facebook passiert. Und gerade bei Strecken, die man regelmässig fährt (und ja hach so aus dem eff-eff kennt), ist man geneigt immer weniger Aufmerksamkeit der Strasse zuzuwenden und dafür eben alles mögliche nebenbei zu erledigen. Weil es eben hach-so-schön einfach geht mit dem Smart-Phone.

Nun haben viele Hersteller bereits an einer Integration von Smartphone gearbeitet. Auch Mercedes war nicht untätig und hat unter anderem das iPhone Drive-Kit entwickelt. Eine kleine Blackbox verbinden iPhone (seit Dezember 2013 nun auch die neuste Generation) mit dem Infotainment-System und dient als Schnittstelle, um den Inhalt bestimmter Apps sicher über das “Drehrad” bedienen zu können. Andere Hersteller zeigen ähnliche Ansätze und ich vermute mal, dass Apple zwischenzeitlich eingesehen hat, dass sie selbst deutlich mehr Geld verdienen können, wenn sie selbst etwas entwickeln und von den Herstellern lizensieren lassen. Bumms. Trara. Willkommen Apple CarPlay!

Nun macht das Apple CarPlay, was in Genf auch bei Volvo und Ferrari gezeigt wurde, eigentlich nichts anderes als das Mercedes Drive-Kit: Man schliesst sein iPhone an und die Inhalte bestimmter Apps lassen sich über das Bedienelement des Fahrzeugs steuern. Das wirkt nicht gerade wie aktuelle Raketentechnik und wirkt zunächst enttäuschend. Denn was beim iPhone selbst doch per Touchscreen und Wischtechnik so schön und schnell und einfach geht, ist dann mit einem Scrollrad längst nicht so komfortabel zu bedienen. Dennoch meine ich, dass es nur ein Gewöhnungsprozess ist. Und gerade Vielfahrer werden schnell erkennen, dass Apple Airplay nicht nur das Fahren ein Stück sicherer macht, sondern auch – nach einer kurzen Eingewöhnung – doch ganz einfach zu bedienen ist. Killer-Feature und gleichzeit größter Haken ist dabei SIRI, das System von Apple, den man per Sprache sein Anliegen erklären kann.

Alles, was man sagen kann, ist schnell erledigt und man muss nicht mal die Augen von der Strasse nehmen. Bloss weiss der geplagte Vielfahrer eben auch, dass sie Netzabdeckung in Deutschland bei Weiten nicht so toll ist, wie uns das die Hersteller der Endgeräte weismachen wollen. Und ohne Internetzugang funktioniert SIRI eben nicht, weil der Sprachbefehl auf einem Server analysiert wird. Hast Du kein Netz, versteht SIRI Dich nicht.

Weitere Details werden wohl erst in den kommenden Wochen folgen. Erst dann lassen sich die interessanten Fragen beantworten: Was kostet Apple CarPlay? Gerade hier wird es spannend sein, ob man stets das Premium-Infotainent-System des Hersteller benötigt – im Falle von Mercedes das COMAND Online oder ob schon ein einfaches Radio ausreicht. Kann ich mein iPhone normal weiter nutzen, wenn es Apple CarPlay verwendet? Ich gehe nicht davon aus, da es ja eben weitere Ablenkung vermeiden soll. Welche iPhone Apps funktionieren mit Apple CarPlay? Wie im Video bereits schön zu sehen, stellt Apple selbst nur ein Teil seiner Anwendung zur Nutzung im Auto bereit. Erste Fremdanbieter Apps wie auch das populäre Spotify gibt es jetzt schon. Weitere Anwendungen sollen folgen. Gerade Messanger-Dienste wie Whatsapp müssen folgen, sonst macht das System nicht wirklich Sinn in meinen Augen. Funktioniert Apple CarPlay auch mit meinem iPad/iPod touch/ alten iPhone? Bislang lautet die Antwort NEIN! Nur das iPhone 5 und neuer wird bislang unterstützt. Wie aktualisiert sich Apple CarPlay? Das ist eine sehr spannende Frage, auf die ich bislang keine Antwort habe und nicht mal etwas vermuten kann.

Sobald Google sein eigenes Incar-Infotainmentsystem auf den Markt bringt, werden Mercedes-Benz-Kunden auch die Android-Welt in ihrem Fahrzeug nutzen können. Apple CarPlay hingegen wird man in Zukunft auch in den Fahrzeugen von BMW , Ford, General Motors, Honda, Hyundai, Jaguar Land Rover, Kia, Mitsubishi, Nissan, Peugeot, Citroen, Subaru, Suzuki und Toyota nutzen können.

Foto-Quelle: Merecedes-Benz