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2014 Mercedes-Benz V250 BlueTEC „Edition 1“ – Fahrbericht meiner Probefahrt mit der neuen V-Klasse (VS20 447)

Während der VW Bulli ja in unseren Köpfen seit Generationen fest verankert ist, fristen die Personentransporter unterhalb des Mercedes-Benz Sprinters ja eher ein Schattendasein. Anfang der 90iger Jahre bin ich ein paar Mal den MB 100 gefahren und so recht konnte ich mich nicht mit dem Sternen-Bulli anfreunden. 22 Jahre später steige ich am Hamburger Flughafen in die neue Mercedes-Benz V-Klasse, welche die eher komplizierte Baureihennummer VS20 447 trägt, ein. „Echter Mercedes-Benz PKW-Feeling“ hatten die Marketing-Aussagen aus Stuttgart gelautet und dabei ganz offensichtlich nicht zu viel versprochen. Auf dem Fahrersitz fühlt man sich schon ein wenig als wäre die adaptive Luftfahrwerk der neuen Mercedes-Benz C-Klasse ein wenig zu hoch gefahren. Das Lenkrad, die Armaturen und das aufgesetzte Infotainment-System erinnern mich sehr an die neue C-Klasse. Nur sitzt man eben deutlich höher über der Strasse.

Das von mir gefahrene Modell, der 2014 Mercedes-Benz V250 BlueTEC Edition1 (VS20 447) in der Farbe obsidianschwarz metallic und einer Innenausstattung in Leder Nappa marron, verfügt über die stärkste, aktuell angebotene Motorisierung, einen 2.1 Liter Turbodiesel. Dieser verfügt über 190 PS und seine Kraft, das maximale Drehmoment liegt bei 440 Nm, wird an die Hinterachse weitergegeben. Das Triebwerk ersetzt im Rahmen der Downsizing-Bemühungen den 3 Liter V6 aus dem Vorgängermodell Mercedes-Benz Viano (W639). Bevor ich mich auf den Weg zum ersten Zwischenstop in Sankt Peter-Ording machen kann, muss ich die 5.14m lange V-Klasse zunächst Du die enge Abfahrt des Parkhauses zirkeln. Dabei hilft die 360° Kamera doch ungemein. Nicht, dass die neue Mercedes V-Klasse unübersichtlich wäre. Die großen Fensterfläche lassen beim Schulterblick eine Menge erkennen und auch der Blick in den Rückspiegel ist nicht vergebens, denn das große Fenster in der Heckklappe lässt eine sehr ordentliche Sicht nach hinten zu. Auch in den relativ tief angebrachten Seitenspiegeln kann man prächtig sehen. All das hilft auf der Abfahrt aber nicht so viel, wie die Vogelperspektive der Rundum-Kamera, die mich davor bewahrt, die hübschen 19″ Leichtmetallräder gleich auf den ersten Metern zu zerkratzen.

Wie so oft haben wir auch während der Probefahrt mit dem 2014 Mercedes-Benz V250 BlueTEC „Edition 1“ einen Video-Fahrbericht erstellt, der mit 23 Minuten Spielzeit doch recht ausführlich ausgefallen ist und dem ich den geneigten V-Klasse-Interessenten ans Herz legen möchte (wir haben übrigens an unserem Format eine Menge geändert, ich hoffe es gefällt Euch!):

Auf der Autobahn hinterlässt der Mercedes-Benz V250 BlueTEC einen durchweg positiven Eindruck. Die Geräuschentwicklung im Innenraum ist für einen Personentransporter wirklich bemerkenswert leise, den Motor nehmen ich nur wahr, wenn ich kräftig aufs Gaspedal trete. Das Schalten übernimmt beim V250 das 7G TRONIC PLUS Automatik-Getriebe, bei den kleineren Motorisierungen wird die neue V-Klasse standardmäßig mit einem manuellen 6-Gang-Schaltgetriebe ausgeliefert. Die Schaltwippen am Lenkrad finden ich eher überflüssig, denn ich hatte zu keinem Zeitpunkt auch nur das Bedürfnis selbst zu schalten. Den Kippschalter der AGILITY CONTROL hingegen habe ich des öfteren benutzt. Im Stadtverkehr und auf der Autobahn bin ich weitestgehend im Eco-Modus unterwegs gewesen, hin und wieder habe ich aber auch mal das Sport-Programm genutzt. Je nach Einstellungen wird das Verhalten von Motor und Getriebe angepasst, wie auch das Fahrwerk mit seinem selektiven Dämpfungssystem. Sport. Van. Das passt was nicht? Nun ja. Die V-Klasse hat sich mir durchaus wendig (der Wendekreis beträgt gerade mal 11.8 Meter – wohlgemerkt bei einer Fahrzeuglänge von 5.15m) präsentiert, aber spritzig ist doch durchaus anders. Für die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h benötigt der 2014 Mercedes-Benz V250 BlueTEC 9 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit ist mit 206 km/h angegeben, ich habe den Van auf der ebenen Autobahn aber nur auf 201 km/h gebracht, was aber vielleicht mit den norddeutschen Windverhältnissen zu tun hatte. Apropos Wind. An das ESP ist bei der neuen V-Klasse auch ein Seitenwind-Assistent angebunden, der Windböen von der Seite egalisieren soll. Ich finde schwierig dieses Helferchen zu bewerten, weil ich es nicht abschalten konnte. Ich kann aber festhalten, dass ich trotz Winden von 30 Knoten, kein einziges Mal Probleme mit Seitenwind auf meiner Testfahrt hatte. Daraus schliesse ich einfach mal, dass das System prächtig funktioniert.

Der Empfang in Sankt Peter-Ording auf dem Auto-Strand war alles andere als herzlich. Deutsches Einheitsgrau am Himmel, dazu leichter Regen und starker Wind. Selbst das Wasser hatte sich verzogen. Gerade der richtige Ort, um mal das Sitzangebot auf den hinteren beiden Sitzreihen zu überprüfen. Um von vorne nach hinten zu gelangen muss man allerdings aussteigen. Zwar beginnt zwischen den beiden Vordersitzen ein kleiner Gang (oder ist es nur eine optimale Ablagemöglichkeit für eine große Damenhandtasche), doch kommt man nicht zwischen den beiden Sitzen in der zweiten Sitzreihe hindurch. Die Ausstattungslinie „Edition 1″, die nur zeitlich limitiert die Erstkäufer mit einem ordentlichen Ausstattungsrabatt locken will, verfügt aber für den einfachen Einstieg in den Fond gleich über zwei elektrisch öffnen- und schliessende Schiebetüren, die sich sogar vom Fahrsitz aus bedienen lassen. Unser Modell war mit im Fond mit vier Einzelsitzen ausgestattet, die sich in der Vis-a-Vis-Position gegenüber standen. Dazwischen stand ein kleiner Block aus dem sich an beiden Seiten kleine Tische ausklappen liessen. Die Tischfläche selbst sind groß genug, um an einem 13“ Notebook zu arbeiten. Eine Kofferenz-Situation kann ich mir in dieser Sitzkonstellation ebenso gut vorstellen, wie das stressfreie Reise mit mehreren Kindern. Die durchaus langstreckentauglichen Einzelsitze im Fond, die in der „Edition 1“ gar mit feinem Nappaleder bezogen sind und mit gleich zwei Armlehnen für hohen Sitzkomfort sorgen, lassen sich auch einfach auf dem Schienensystem verschieben. Gleiches gilt für den Tisch. Wer die Sitze drehen möchte, muss allerdings einmal den kompletten Sitz aus dem Schienensystem aushaken und selbst umdrehen. Ist man im Fond nur zu zweit unterwegs, lassen sich die vorderen Sitze auch umklappen, so dass man sie entweder als weiteres Tischchen oder aber als Ablage für die ausgestreckten Beine nutzen kann. So oder so. Platz ist auf jeden Fall ausreichend vorhanden, dass gilt sowohl für die Beine als auch für die Köpfe der Mitreisenden. In der „Edition 1″ gibt es an den hinteren Sitzen zudem neben Getränkehaltern auch auf jeder Seite einen 12“ Anschluss. Vermisst habe ich jedoch eine 220 Volt-Steckdose – Platz genug ist ja vorhanden, wie auch USB-Anschlüsse. Hier sollten meines Erachtens alle Hersteller mal aufrüsten und ihre Fahrzeuge entsprechend aufrüsten.

Sankt Peter Ording haben wir dann schnell den Rück gekehrt und sind nach Niebüll gefahren, wo es dann per Autozug nach Westerland ging. Bei der Auffahrt auf den Zug hat mich die V-Klasse erneut überrascht. Bei einer Breite von 1.92m ist es ja nicht gerade ein Kleinwagen. Trotzdem liess sich der Stuttgarter Van ganz locker leicht auf den Zug fahren. Bei der halbstündigen Überfahrt hatten ich dann ausgiebig Zeit, mir das Infotainment-System COMAND Online anzusehen, das verbaute Burmester Premium-Soundsystem auszuprobieren und mich weiter mit dem Innenraum des Viano-Nachfolgers vertraut zu machen. Das Infotaiment-System ist auf dem neusten Stand, den wir schon in der neuen C-Klasse erleben durften. Die Grafiken sind meiner Meinung nach deutlich schöner als noch in der letzten Version von COMAND Online. Ich mag ja das freistehende Display, der Kritikpunkt, dass man es sich gerne als Fahrer ein wenig drehen möchte, gilt allerdings auch hier. Dennoch lässt sich das Display hervorragend ablesen, die Darstellung ist knackig scharf. Zudem kann man sich die relevanten Informationen auch noch im kleinen Display zwischen den beiden Rundinstrumenten kredenzen lassen. Das Burmester-System überzeugt mit satten Klang. Lediglich ein wenig mehr Lautstärke hätte ich mir gewünscht. Mittels hinterlegter Profile kann man den Klang im ganzen Auto geniessen, auf die Vordersitze reduzieren oder eben auf den Fond. Für die Kommunikation zwischen Fahrer und Passagieren hat Mercedes am Spiegel Mikrophone verbaut, die auf Wunsch das gesagte auf die Boxen im Passagierabteil übertragen. Das klappt ganz gut und sollten Eltern auf jeden Fall immer im Hinterkopf haben, wenn sie „Erwachsenengespräche“ führen. Wie schon asu S- und C-Klasse bekannt, verfügt auch die V-Klasse über eine Ambient-Beleuchtung, hier aber reduziert auf 3 verschiedene Farbwelten.

Mir fehlen in der neuen V-Klasse aber eindeutig Ablageflächen, Staufächer und Gepäcknetze. Sowohl im Fond (da denke ich nur daran, was die Kinder nicht alles mit ins Auto schleppen, sobald man mal eine etwas längere Strecke fährt) aber auch in der ersten Reihe. Eben dort hat man zwar sowohl in den Türentaschen wie auch unterhalb der Mittelkosole großzügige Staufächer, diese erreicht man aber eben nur, wenn man sich wirklich tief nach unten beugt. Beim Fahren finde ich solche Bewegungen nicht wirklich förderlich für die Verkehrssicherheit. In die vier Getränkehalter der vorderen Sitzreihe passen übrigens 1.5 Liter-Flaschen. Die machen auch wirklich Sinn, damit man sich eben nicht so tief beugen muss. Will man sein Handy aber irgendwo in Griffnähe ablegen, so sucht man vergeblich. Allenfalls vor den Drehregler des Infotainment-System kann man es klemmen. Das meines Erachtens wirklich wunderschöne Interieur-Design hat hier auf die Alltagsbedürfnisse nur wenig Rücksicht genommen. Die Anschlüsse für das Infotainment-System befinden sich übrigens auch in dem Staufach unter der Mittelkonsole, positiv herausstellen möchte ich die beiden USB-Anschlüsse. Auf unnötige (und aufpreispflichte) Adapter-Kabel hat man also verzichtet. Prima! Und weil ich gerade am Nörgeln bin – die elektrisch verstellbaren Sitze sind zwar komfortabel und bieten für einen Van ungewöhnlich viel Seitenhalt, sind aber eben nur mit einer Armlehne – jeweils zum Wageninneren – ausgestattet. Als Fahrer muss ich die linken Arm also irgendwie an der Tür anlehnen. Wer seinen Sitz aber extra hoch oder extra tief einstellt, um eine perfekte Sitzposition zu finden, findet nicht wirklich eine entspannte Sitzposition, bei der er beide Arme ablegen kann. Muah. Luxusproblemchen. Ich weiss.

So. Sylt. Regen. Wind. Noch mehr Wind. Noch mehr Regen. Und alles im feinsten Einheitsgrau. Macht nichts. Ich komme jetzt zu meinem persönlichen Highlight. Dem Gepäckabteil. Dem Grund, warum ich über all die anderen Kleinigkeiten ganz generös hinwegblicken kann. Das Killer-Feature. Im Ernst. Ich bin mehr als schwer begeistert. Die Heckklappe (ich spreche hier von der aufpreispflichtigen EASY-PACK Heckklappe, die bei der „Edition 1“ zur Serienausstattung gehört) der neuen Mercedes-Benz V-Klasse ist riesig. Damit ein Jeder und auch eine Jede sie ohne Verrenkungen öffnen und schliessen kann, geschieht das ganze elektrisch und auch noch mit einer angenehmen schnellen Geschwindigkeit. Dann muss aber auch ausreichend Platz vorhanden sein. Die Breite der neuen V-Klasse beträgt 1.92m, die Höhe 1.88m. Und fast die gleichen Dimensionen hat eben auch die Heckklappe. Da kann es im Parkhaus beim Einladen schon mal mehr als eng werden. Dafür lässt sich aber die Heckscheibe separat öffnen. Ganz bequem und ohne viel Aufwand kann man dort den Wocheneinkauf einladen (ok, man muss schon etwas hoch heben, aber das finde ich voll ok.), denn im Kofferraumabteil ist ein klappbarer Zwischenboden verbaut, der nicht nur mit bis zu 75 kg belastet werden darf, sondern im Inneren findet man auch noch zwei kleine Einkaufsklappkisten. Sehr praktisch. 1030 Liter lassen sich im Kofferraum verstauen. Wenn die beiden Sitzgruppen entfernt, kann gar 4600 Liter an Gepäck transportieren. Grenzen setzt da allerhöchstens die erlaubte Zuladung, die je nach Ausstattung zwischen 655 und 905 kg liegt. Die maximale Anhängelast beträgt je nach Modell 2 bzw. 2.5 Tonnen.

Blabla. Schnick schnack. Ich hätte die neue V-Klasse zu gerne als Produktionsfahrzeug für unsere Videos. Ich würde mich einfach einen Sitz aus der letzten Sitzreihe umdrehen und auf dem Zwischenboden unseren Slider befestigen. Dann kann ich ganz bequem und auch angeschnallt und ganz und gar im Rahmen der StVO durch die geöffnete Heckscheibe das hinter mir fahrende Fahrzeug im Car-2-Car-Modus filmen. Was für ein Traum. „Meine V-Klasse“ wäre dann aber auch noch mit dem großen Panorama-Dach ausgestattet, damit ich die Chance hätte, nicht nur seitlich aus den Türen heraus zu filmen, sondern eben auch noch eine weitere Option zu haben. Zum könnte man ganz bequem direkt im Auto auch noch schneiden, auf beiden Tischen zusammen wäre sogar noch Platz für einen großen Beistell-Monitor. Ich bräuchte auch gar nicht, die Sitzbänke, die sich als Bett umfunktionieren lassen, ich würde, wenn ich auf einem Trip im Auto schlafen wollte, einfach zwei Sitze zu Hause lassen und mir ein Luftmatratze auf den Boden legen. Durch das PKW-ähnliche Fahrgefühl und die gute Rundumsicht sollte auch der WAF (wife acceptance factor) relativ gross ausfallen. Die einzige Überlegung wäre lediglich, ob es wirklich die lange Version der Mercedes-Benz V-Klasse sein muss. Die Stuttgarter bieten ihren neuen Van in drei unterschiedlichen Längen an. Neben der von mir gefahrenen Lang-Version wird es auch noch eine kurze Version geben. Diese hat den gleichen Radstand (3.20m), allerdings einen kleinen Kofferraum und misst statt 5.14m in der Länge nur 4.90m. Zudem wird es noch eine extra-lange Version geben, die bei einer Länge von 5.37m auch über einen längeren Radstand verfügt (3.43m).

Was mich davon abhält die V-Klasse jetzt und heute zu bestellen? Na, der Preis. Van hin oder her. Die V-Klasse ist ein Mercedes-Benz. Und neben dem ganzen Premium-Appeal und den Premium-Ausstattungsoptionen findet sich eben dieses Premium auch im Preis wieder. Der Basis-Preis der Landversion liegt bei 42.900 Euro (dann als V200 CDI mit manueller Schaltung). Der 2014 Mercedes-Benz V250 BlueTEC kostet in der Ausstattungslinie „Edition 1“ dann gleich „ein paar“ Euro mehr – 67.283 Euro muss der gewillte Käufer auf den Tisch legen. Dafür werfen unsere Video gerade noch nicht genug Geld ab. Aber träumen darf ich ja. Kurz hinzufügen darf ich noch, dass neben dem Premium-Apeal auch das komplette Mercedes-Assitenz-System für die V-Klasse zur Verfügung steht. Totwinkelwarner, adaptiver Tempomat, PRE-SAFE-Bremsfunktion, und und und. Lobend möchte ich noch hervorheben, dass ich bei meiner Testfahrt noch nie so nah am NEFZ-Verbrauch gelandet bin. Der V250 soll laut Mercedes mit 6 Litern auf 100 km auskommen, ich habe auf einer Wegstrecke von Hamburg nach Sylt und zurück einen Verbrauch von 7.4 Litern erfahren. Da nehme ich meinen Hut ab, gerade wenn wir Video drehen, verdoppeln wir in der Regel den NEFZ-Verbrauch.

Alle weiteren Informationen habe ich hier in meinem Blog auf einer speziellen Seite zusammengetragen: die neue 2014 Mercedes-Benz V-Klasse (VS20 447). Ein paar Fotos habe ich auch geschossen, die findet ihr in der nachstehenden Galerie. Aber ich gestehe, das Wetter hatte mir aufs Gemüht geschlagen, bei nächster Gelegenheit werde ich den Mercedes Van noch einmal hübscher ablichten. Weitere Stimmen von anderen Bloggern findet ihr unter rad-ab.com: Die neue Mercedes-Benz V-Klasse – V250 Edition 1 Fahrbericht / Test, radical-mag.com, Autogefühl und Mein-Auto-Blog.de.