Probefahrten
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Unterwegs mit einem Prototypen – Fahrbericht zum 2012 Mazda MX-5 Yusho

PÄMM! rotzt die Sportauspuffanlage eine dieser unkontrolliert-kontrollierten Fehlzündung raus. Und ich muss grinsen. Der Fahrtwind streicht mir durch das schüttere Haar, während ich in den dritten Gang schalte. Innerorts. Keine Spielereien mit dem Gaspedal. Muss auch nicht sein, der Sportauspuff maximiert den Fahrspass auch bei niedrigen Geschwindigkeiten. Ich bin gut drauf, muss ständig grinsen. Und dies alles, obwohl ich in einem Auto sitze, dass ich seit meiner Jugendzeit nicht ausstehen kann.

Mazda feiert 25 Jahre MX-5. Als ich 18 Jahre alt geworden bin, ist er vorgestellt worden. Als ich mit 19 Abi gemacht habe, war es das Abi-Geschenk für einen Mitschüler, den ich nicht ausstehen konnte. Und auch noch für einen anderen. Ja, damals reichte dies schon vollkommen aus, um ein ganzes Auto schlecht zu machen. Und bis zur letzten Woche habe ich meine Antipathie auch sehr sorgsam gepflegt. Möchtegern-Hausfrauen-Porsche. Pseudo-Roadster. Nixblicker-Cabrio. Ich habe noch mehr Synonyme für den Mazda MX-5 gesammelt. Und dann. Dann kam der Yusho.

Beim Yusho handelt es sich um einen Prototypen. Eine Studie, mit der Mazda zum einen zeigen wollte, was man mit einem MX-5 so machen kann, zum anderen wollte man ausloten, ob sich genug Käufer für so einen getunten Mazda MX-5 finden würden. Bereits 2012 hatten man die Studie auf der AMI in Leipzig präsentiert und dennoch ist mein Testwagen der einzige seiner Art geblieben. Was ich mir nach 3 Tagen Fahrspass nicht erklären kann. So gar nicht. Denn in meinen Augen ist der Yusho genau das, was der „normale“ MX-5 nicht ist. Ein echter Roadster. Ich, der Yusho, die Strasse. Wir verschmelzen. Luxus? Stör mich nicht, ich fahre gerade!

Und Konzentration ist bitter von Nöten, wenn man dem Yusho die Sporen gibt. Beide Hände artig ans Lenkrad, so soll es ja immer sein, beim Yusho ist es mehr als eine Empfehlung. Die Lenkung ist so herrlich direkt, dass jeder noch so leichte Dreh am Lenkrad umgehend an die Räder weitergegeben wird. In der Stadt sehr lässig, auf der Landstrasse genial, auf der Autobahn bei hohen Geschwindigkeiten durchaus anstrengend. Dazu kommt ein sehr sportlich abgestimmtes Fahrwerk, was einen bei schlechten Strassen hin und wieder aus dem Recaro-Sportsitz hebt. Auf der Landstrasse klebt der Yusho dafür in den Kurven, dass es selbst einem mässig-sportlichen Fahrer wie mir das Grinsen ins Gesicht treibt.

Der Motor wurden komplett überarbeitet. Der 2 Liter Benziner leistet nun 241 PS (statt der sonst üblichen 160 PS des Serienmodells). Der Sprint von 0 auf 100 km/h dauert um die 6 Sekunden. Dabei bewegt sich der Zeiger des Drehzahlmessers im Bereich zwischen 5.000 und 7.000 Umdrehung wie ein glühendes Messer durch ein Stück Butter. Die Höchstgeschwindigkeit liegt jenseits der 240 km/h, zumindest verlässt der Zeiger irgendwann die Skala des Tachometers und bewegt sich fröhlich weiter.

Erwähnungswert ist auf jeden Fall auch die manuelle 6-Gang-Schaltung. Die Wege des Schaltknüppels sind so kurz als würde man ein Jogshuttle bedienen. Heidewitzka, so macht das Schalten Spass. Lediglich die Sportkupplung will mit ein wenig mehr Kraftaufwand bedient werden und versprüht nach getaner Arbeit einen Geruch, der mich erst daran zweifeln liess, ob ich überhaupt noch einen Schalter fahren kann.

Obacht ist bei dem Yusho Prototypen geboten, wenn Petrus die Schleusen öffnet oder aber die Fahrbahn mit Sand oder Schotter verziert wurde. Den kleinen Schwarzen zieren nicht nur dunkle 17″ Felgen, darauf montiert sind Semi-Slicks. Diese sorgen für perfekte Haftung auf der trockenen, sauberen Fahrbahn, verdrehen aber ihre Eigenschaften postwendend, wenn es nass und/oder dreckig wird. Dann schaut schon mal das Heck vorbei. Kontrolliert provoziert ein Spass, ungewollt erlebt alles andere als ein Vergnügen.

Den Yusho mag ich. Ich war wirklich traurig, dass der Überführungsfahrer auch noch pünktlich kam. Ich hätte doch noch Zigaretten holen können. Der MX-5 bleibt für mich ein MX-5. Wohlwollend erwähne ich aber, dass der Innenraum angenehm zweckmässig ist und durchaus durchdachte Ablageflächen bietet. Zudem habe ich es als angenehm empfunden, dass ich das Dach bequem mit einer Hand öffnen und schliessen konnte. Im Kofferraum ist Platz für zwei IATA-Trolleys und eine Reisetasche (im Automobilhersteller-Amtsdeutsch: 150 Liter Kofferraumvolumen) – wohl mehr als ausreichend für einen Zweisitzer.

Dem Yusho sage ich leise Servus! Die Kleinserie ist wohl nie zustande gekommen, weil die Umbaukosten von 15. bis 20.000 EURO addiert zum Kaufpreis eines neuen Mazda MX-5 (um die 30.000 EUR), dann doch zu viel Geld waren. Schade eigentlich. Da hätten sich zumindest ein paar Personen einen ganz feinen raren und authentischen Roadster kaufen können.

Bleibt abzuwarten, was uns Mazda in diesem Jahr als Nachfolger der aktuellen Version präsentieren wird. Schön wäre es ja schon, wenn dabei auch eine leistungsgesteigerte Yusho-Variante im Programm erscheinen würde. Sie muss ja nicht ganz so krass ausfallen, wie dieser Prototyp. Wobei. Moment! Warum eigentlich nicht.

Viel technische Informationen hat Jens im Drive-Blog zusammengetragen. Moritz und Can sind den Yusho ebenfalls gefahren und haben ihre Fahreindrücke verschriftlicht.