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Leck mich fett! 2014 BMW M4 Coupé (F82) – Fahrbericht meiner Probefahrt

Ich bin ein Mercedes-Fan. Das bin ich schon seit vielen vielen Jahren und mit BMW konnte ich nicht so viel anfangen. Aber diese Bayern. Versuchen doch alles, um meine Sympathie zu gewinnen. Und sie sind auch noch erfolgreich dabei. Ich bin ein Fan vom BMW i3, ich mag das Ding. Und nachdem ich vor einem Weilchen einen 3er BMW als Kombi für ein paar Tage in Bielefeld hatte und die Bajuwaren mich Anfang des Jahres mit einem BMW M235i in die Wüste geschickt haben, bricht mein innerer Widerstand wie poröses Plastik. Jetzt hatte ich das Privileg, das neuste Geschoss aus dem Hause der Münchener nicht nur anzusehen, sondern auch noch fahren zu dürfen. 2 Tage Portugal – selbst für schönstes Wetter hatten sie gesorgt – einen Tag als Beifahrer im neuen 2014 BMW M3 (F80), ein Tag hinter dem Lenkrad eines nagelneuen 2014 BMW M4 Coupé. Und LECK MICH FETT! hatte ich einen Spass!!!

Natürlich haben Jens und ich auch ein paar Videos mitgebracht. Der Jens stellt Euch in voller Länge den BMW M3 als Limousine vor, ich hingegen dann deutlich kürzer das BMW M4 Coupé:

Und dabei hatte ich mir anfangs solche Mühe gegeben standhaft zu bleiben. Tztztztz. Ein sportliches Auto in baby-blau. Und wer will denn ein güldenes Coupé haben? Ach, hör auf, ihr könnt doch jetzt schon einpacken. Meine Selbstgespräche haben, so darf ich bei aller Bescheidenheit anmerken, durchaus hohen Unterhaltungswert. Das Problem ist aber: das Blau des M3 sah wirklich richtig gut aus, ebenso – und ich bin immer noch sehr verblüfft – das Austin Yellow des Coupés. Auf der Autoshow in Detroit, auf der BMW beide Modelle präsentiert hatte, also in der Halle. Naja. Da haben die Farbendesigner ja ganz wirres Zeug geraucht. So meine Gedankengänge. Aber in der Sonne von Portugal – mit den wechselnden Lichtverhältnissen und ob nun direkt in der Sonne oder leger im Schatten geparkt. Das Gelb ist schon ganz schön klasse. Kudos!

Und dann die Form. Ich würde ja aus praktischen Gründen den M3 immer dem 2014 BMW M4 Coupé (F82) vorziehen, aber schöner ist auf jeden Fall das Coupé. Ich möchte mich mal an dieser Stelle ganz öffentlich bei dem Kollegen Teymur Madjderey entschuldigen. Vor 1-2 Jahren hatten wir eine längere Diskussion, ob ein Cabrio oder ein Coupé nun schöner wäre. Teymur, ich habe mittlerweile die Augen weit geöffnet und gebe Dir Recht, Coupés sind schöner als Cabrios (auch wenn das BMW 4er Cabrio natürlich auch alles andere als hässlich ist.)!

Die Linienführung des neuen BMW M4 Coupé ist wirklich wundervoll. Das fängt bei der Motorhaube an. Hier ist quasi eine Lufthutze angedeutet. Allein dieses Detail, was man auch beim Fahren stets vor Augen hat, ist wundervoll (wohl aber auch bei der Limousine, also dem M3 zu finden)! Dann haben die Karosserie-Ingenieure wirklich erstklassige Arbeit beim Verbreitern der hinteren Seitenteile geleistet. 4 Zentimer mehr Breite musste man erzeugen, um den breiteren Sport-Pneus ausreichend Platz zu bieten. Dennoch sieht der Wagen aus, wie aus einem Guss (Notiz am Rande: eine noch größere Herausforderung war wohl der Übergang beim M3, denn hier haben wir die hinteren Türen aus der Serie von denen ein optisch gelungener Übergang zu den ausgestellten Radläufen gestaltet werden musste. Haben sie super gemacht wie ich finde). Und dann noch der Rücken, hoppla, die Heckklappe, die eigens für das M4 Coupe mit einem integrierten Heckspoiler neu gezeichnet wurde (das sieht mE deutlich besser aus als beim M3, dem man eine kleine Spoilerkante aufgeklebt hat) und die in Leichtbauweise realisiert wurde.

Ach halt die Klappe, Jan, komm zum Punkt! Ja, doch. Entschuldigung, darf ich meinen Spannungsbogen bitte in Ruhe aufbauen? Ich muss doch erstmal einsteigen und darf dabei die rahmenlosen Türen erwähnen, die ich ebenfalls schick finde. Die Türen sind groß, schwenken weit auf und sollen den Einstieg in die neu entwickelten und sportiv-komfortablen Sportsitze ermöglichen, wie auch in den Fond. Den Fond haken wir mal mit (fast nur) 2 Sätzen ab: Den Einstieg möchte man einem normal gewachsenen Erwachsenen nicht allzu oft zumuten. Und an Ausstattung ist hinten quasi nichts vorhanden. Soll heissen, mal von den belederten Sitzflächen, Leseleuchten und Kleiderhaken hat man im Fond nichts. Gar nichts. Doch! Ein flaches Ablagefach findet man zwischen den beiden Fond-Sitzen, was das neue BMW M4 Coupé als reinen 4-Sitzer ausweist (im M3 sollen angeblich 5 Erwachsene Platz finden, dabei scheint es empfehlenswert, wenn die Person, die hinten in der Mitte sitzt zumindest dem Anschein nach magersüchtig ist). Für die Kinder ist das Platzangebot hinten ausreichend, ich bin mit meinem 180cm Körperlänge mit dem Kopf an den Dachhimmel gestossen, meine Beine hatten hingegen ausreichend Platz.

Also, den Fahrersitz wieder zurückgeklappt und flugs in den ledernen Sportsitz gerutscht. Dieser ist nicht nur so komfortabel, dass ich mir vorstellen kann, auch ewig lange Strecken darin zu verbringen, vor allem bietet das Gestühl aber extrem viel Halt. Beim Fahren. In den Kurven. Selbst wenn ein Jens Stratmann am Steuer sitzt und zeigen will, was er so kann. Mit der elektrischen Verstellung findet man auch fix eine optimale Sitzposition, doch Obacht – wer für seine optimale Sitzposition regelmässig von der Sitzflächenverlängerung Gebrauch macht, wird beim M4 enttäuscht. Gibt es nicht. Einen Gurtanreicher auch nicht, ebensowenig wie eine Gurthöhenverstellung. Jaja, Sportwagen, ich habe es ja verstanden.

3..2..1 .. Ignition. Der bis auf 7600 U/min drehende 3 Liter 6-Zylinder Reihenmotor meldet sich lautstark zu Wort. Wirklich. Eigentlich öffnet sich die Klappensteuerung der Sportauspuffanlage nur, wenn man richtig aufs Gas tritt oder sich aber in einem der beiden Sportprogramme bewegt. Und eben beim Motorstart für 5 Sekunden. So ist das BMW M4 Coupé nicht gerade ein Auto mit dem man sich bei seinen Nachbarn in der stillen Reihenhaus-Siedlung an einem Sonntag morgen um 6 Uhr grosse Freunde macht. Warum man an einem Sonntag morgen um 6 Uhr aufstehen soll als M4 Fahrer? Na, weil dann die Landstrasse so herrlich frei ist, genau wie die Autobahn. Und man es kesseln lassen will! Ohne, dass ständig irgendso eine Spassbremse das Fahrvergnügen einschränkt. Das gibt es beim 2014 BMW M4 Coupé (F82) serienmässig und ohne Aufpreis dazu. Fahrvergnügen. Fahrspass. Und ein breites Grinsen.

Statt dem Fahrerlebnisschalter finden sich im neuen M4 Coupé gleich 3 Tasten, mit denen man Lenkung, Motor/Getriebe und Federung von Komfort über Sport in den „Sport+“-Modus versetzen kann. Gerade beim Fahrwerk möchte man wohl erst im Notfall in den „Sport+“-Programm wechseln, andernfalls leidet der Fahrkomfort doch deutlich, denn schon im Komfort-Modus ist der schnittige Bajuware mit einem durchaus sportlich-abgestimmten Fahrwerk versehen. Der Motor läuft hingegen im Komfort-Modus angenehm leise – zumindest solange man das Gaspedal nicht bis zum Ende durchdrückt. Geschlossene Auspuffklappen (Komfort) der vierflutigen Abgasanlage garantieren komfortables Reise, geöffneten Klappen (Sport) hingegen angenehm spassigen Motorklang. Ich habe schon eine Menge zum neuen M3/M4 gelesen. Hier und da hört man Stimmen, die da meinen, dass sie untröstlich sind, dass BMW nun auf den Reihen-Sechs-Zylinder setzt, statt wie beim Vorgänger auf einen V8-Motor. Insbesondere beim Klang schreiben da einige, dass sich der sportliche Münchener langweilig anhören würde. Pffffffffffffffffff. kann ich da nur erwidern. Natürlich hört er sich nicht wie ein V8 an, dafür aber angenehm anders, wie ich finde. Und anders finde ich zumindest deutlich besser als „wie alle anderen auch“. In unserem englischen Video findet sich bei Minute 5:30 eine Szene, in der Jens auf der gegenüberliegenden Seite des Berges Gas gibt. Das hört sich meiner Meinung nach alles andere als langweilig an.

Langeweile kommt sowie nicht auf. Ich gebe zu, ich war ja erst ein wenig pikiert. Da lockt uns BMW mit einer Einladung, den M3/M4 zu fahren und dann – in Portugal. 120 km/ auf der Autobahn (und das bei einem Top-Speed von 250 km/h bzw. nach einem Fahrertraining kann man sich auch die 280 km/h freischalten lassen), 90 km/h auf der Landstrasse. Na, danke! ABER! Selbst am Rande des Meeres findet man in Portugal schnell wundervoll kurvige Bergstrasse und da reichen die 90 km/h locker aus, um richtig in den Spass-Modus zu kommen. Zudem hätten wir auch die Chance gehabt M&M auf einer Rennstrecke zu bewegen, aber das hatte sich zeitlich mit unseren Ambitionen überschnitten, die ganzen Videos zu drehen.

Zurück zum Fahren: Die Lenkung ist über jeden Zweifel erhaben, das Lenkrad ist ein wenig wulstiger – sprich mit weichem, dicken Leder ummantelt – was mit entgegen gekommen ist. So fand ich es extrem griffig. Und auch die direkt hinter dem Lenkrad angebrachten Schaltwippen sind immer gut zu erreichen. Bla bla bla. LECK MICH FETT! Ich hatte Spass ohne Ende! Am Lenkrad finden sich übrigens zwei Tasten, die sich frei mit einem Fahrzeug-Setup belegen lassen. Mein Testwagen hatte auf der ersten Taste das Komfort-Programm und auf der zweiten Taste den „Dicke Grinsen“-Mode. Praktisch, wenn man mal eben per Daumen alles fix umschalten kann. Ortseingang – alles auf Komfort, Ortsausgang eben alles wieder auf Sport+. Praktisch, neckisch, spassig komfortabel!

Irgendwo in Portugal. Eine lange Gerade. Vor mir? Nichts! Hinter mir? Nichts. Also herzhaft auf das Bremspedal getreten und die für 7.300 Euro optionalen M Carbon-Keramik Bremsen bringen den Wagen prompt zum Stehen. Ottonormal kann auf diese Hochleistungsbremsen wohl gut verzichten, alle Nordschleifentiefflieger sollten ihr Budget prüfen. Das BMW M4 Coupe steht jetzt auf jeden Fall. Der Motor brabbelt leise vor sich hin. Die Strasse vor mir flimmert. Alle Systeme auf Sport+ und dann mit dem Fuss und einem Ruck aufs Gaspedal. Das großartige (!) Headup-Diplay stellt sich ebenfalls im Sportmodus um. Großflächig zeigt es den Drehzahlbereich an, klein daneben die Geschwindigkeit. In 4.1 Sekunden kann man die 100 km/h-Marke passieren. Ich ja nicht. Ich muss bei 90 km/h abbremsen. Ist klar, nech! Bei der Beschleunigung presst es dich richtig schön in die Sitze. Auf dem Beifahrersitz hat das ganze Karusell-Charakter – also Schnetterlinge im Bauch. Brachial. Zudem wackelt der M4 beim Lossprinten leicht mit dem Hintern. Ich unterstelle mal, dass dieses Verhalten fein programmiert worden ist. Egal, es macht auf jeden Fall Spass.

Gut. Irgendwann ist dann auch mal Schluss mit lustig. Sowieso. Für mich spätestens nach Studium der Preisliste (zumindest, was meine aktuelle finanziellen Möglichkeiten angeht). Das 2014 BMW M4 Coupé (F82) mit dem 7-Gang M Doppelkupplungsgetriebe kostet in der Basis mal eben 76.100 Euro (als 6-Gang-Selbstschalter kann man sparen – dann liegt man bei 72.200 Euro, muss aber damit leben, dass man stets höher als mit der 7-Gang-Automatik dreht, also lauter unterwegs ist). Die Limousine, der 2014 BMW M3 ist jeweils 700 Euro preiswerter. Im Vergleich zum Ingolstädter Mitbewerber, dem Audi RS5 Coupè, den wir ja jüngst auch in einem Ausfahrt.tv-Video vorgestellt haben, habe ich das BMW M4 Coupé als frischer und frecher empfunden. Zudem bietet der BMW einen Hauch mehr Platz auf der Rückbank, vor allem aber ist der Einstieg in den Fond deutlich angenehmer. Das Audi RS5 Coupé kostet in der Basis-Ausstattung inkl quattro-Antrieb und s tronic aktuell 78.750 Euro. Abzuwarten, wie der neue RS5 aussehen wird, auf den wir wohl aber noch etwas warten müssen, weil die Aktualisierung der A4/A5-Plattform ja erst nächstes Jahr vorgestellt wird. Beim Mercedes werden wir wohl nicht mehr ganz so lange warten müssen, mit der Vorstellung des neuen C-Klasse Coupés kann man wohl noch dieses Jahr rechnen, mit etwas Glück präsentiert dann AMG auch noch in diesem Jahr den Nachfolger des für mich jetzt schon legendären Mercedes-Benz C 63 AMG. Eins der letzten Exemplare der aktuellen Baureihe kann man sich zum Basispreis von 73.840 Euro zu Eigen machen. Der BMW M3/M4 ist übrigens der einzige Schnelle seines Segmentes von den deutschen Premium-Herstellern, den man auch als Handschalter kaufen kann.

Weit fundierter als mein bescheiden-emotionaler Beitrag ist auf jeden Fall der Fahrbericht von BMW-Mono-Blogger Benny: Doppel-Fahrbericht: Unterwegs mit BMW M3 F80 und BMW M4 F82, wer der englischen Sprache mächtig ist, kann lesen, was Des bei GTSpirit zu seinen Erfahrungen mit dem BMW M4 Coupé geschrieben hat. Jens hingegen hat im Drive-Blog gleich eine Liebeserklärung an den neuen BMW M3 ausformuliert. Und wer noch immer nicht genug hat, kann sich das nachstehende Video ansehen, in dem ich mich mit der englischen Sprache blamiere. Ich rede die ganze Zeit vom M4 Würfel, nicht vom M4 Coupé. Naja.