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Angefahren: 2014 BMW 428i Gran Coupé (F36) – Fahrbericht meiner Probefahrt

Wir schreiben das Jahr 2014. Raider heisst schon so lange Twix, dass meine Kinder es gar nicht anders kennen und Snickers gibts eh heute in nicht nur in diversen Geschmacksrichtungen und Größen, sondern sogar in Eisform. BMW hatte mich nach Bilbao eingeladen, damit ich mir die neusten Schöpfung der ebenfalls noch recht neuen 4er Reihe ansehen und mir einen ersten Fahreindruck verschaffen konnte: das neue 2014 BMW 428i Gran Coupé. Ok, warum erzählst Du uns hier von Twix und Snickers? Nun ja, Gran Coupé nennt BMW die viertürige Limousine mit abfallender Dachkante im Heck. Damals™ als ich noch ein Kind war, nannte man das noch Fliessheck-Limousine. Hört sich aber bei weitem nicht so sexy an wie „Gran Coupé“ oder auch „Sportback“ wie man diese Form heuer in Ingolstadt nennt und mit dem Audi A5 Sportback den bislang einzigen Mitbewerber zum 4er Gran Coupé ins Feld führt.

Und das Snickers? Geht man davon aus, dass 3er Serie und 4 Serie beim BMW ja irgendwie schon noch das gleiche sind – ja, auch wenn die 4er ein wenig breiter und flacher daher kommen, so ist das 4er Gran Coupé neben der Limousine, dem Kombi, dem Cabrio, dem 2-türigen Coupé und dem Gran Turismo die mittlerweile 6. Karosserie-Form, die BMW in dieser Baureihe hervorbringt. Und wie eigentlich immer in letzter Zeit haben wir Euch von der Fahrveranstaltung auch ein Video mitgebracht:

Den 3er Kombi bin ich ja schon in Form eines 2013 BMW 328i Touring gefahren (und war durchaus angetan, wie man dem vorstehend verlinkten Fahrbericht entnehmen kann). Mit dem 4er Cabrio hatte ich auch schon das Vergnügen – 2014 BMW 435i Cabriolet, hier wie unschwer an der Typenbezeichnung zu lesen aber mit dem größeren Benziner. Und als dritte Bauform und höchste Motorisierung der beiden Reihe hatte ich dann auch schon eine Menge Spass im 2014 BMW M4 Coupé (F82).

So beschränke ich mich hier, was die Motorisierung und das Fahrverhalten angeht auf das Nennen der wichtigsten Fakten und eine kurze Zusammenfassung: Im 428i ist ein 2 Liter 4-Zylinder-Reihenmotor verbaut, der Dank BMWs TwinPower Turbo Technologie über eine Leistung von 245 PS verfügt. Das maximale Drehmoment, was zwischen 1.250 und 4.800 Umdrehungen zur Verfügung steht, beträgt 350 Nm – die Kraft wird an die Hinterachse weitergegeben. Für die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h reichen dem BMW 428i Gran Coupé – sofern er denn mit der 8-Gang-Automatik von ZF ausgestattet ist und nicht mit dem manuellen 6-Gang-Getriebe, gerade mal 6 Sekunden glatt. Bei 250 km/h ist die Höchstgeschwindigkeit dann abgeregelt. DEN NEFZ-Verbrauch gibt BMW mit 6.3 Litern / 100 km an, wir haben während unserer Probefahrt eher 12 Liter verbraucht. Wie immer gilt hier aber, dass unsere Fahrweise bei den Fahrveranstaltungen wirklich nichts mit der Realität zu tun hat und wir weder die Strecken noch die Zeit haben, um wirklich mal verbrauchsoptimiert zu fahren. Wie man auch immer den 428i bewegt, 60 Liter passen in den Tank und die gewünschte Reichweite kann man mittels Fahrweise entsprechende einschränken oder verlängern.

Viel spannender sollte wohl aber für den potentiellen Interessenten sein, wie es sich mit dem Platzangebot im Fond und Kofferraum verhält. Insbesondere, da das BMW 4er Gran Coupe ja von den Abmessungen, was Länge und Breite angeht, sich nicht vom zweitürigen Coupé unterscheidet. Vorab darf ich anmerken, dass das Leergewicht 1585 kg beträgt und man bis zu 560 kg (bis zu 75kg davon darf man sich aufs Dach schnallen) zuladen darf bis dann das zulässige Gesamtgewicht von 2090 kg erreicht ist. Die zulässige Anhängelast beim 428i Gran Coupé liegt bei gebremsten Anhängern bis 12% Steigung bei 1.6 Tonnen. Ein Großteil der Zuladung will man sicherlich im Kofferraum verstauen. Dieser lässt sich über ein weit öffnende Heckklappe bequem erreichen, lediglich Personen jenseits der 1.90m Körperlänge sollten aufpassen, damit sie sich an der Heckklappe nicht den Kopf stossen. Der Kofferraum ist nicht zerklüftet und lässt sich somit auch locker beladen. 480 Liter Ladevolumen stehen zur Verfügung. Optional lässt sich die Rücksitzbank im Verhältnis 40:20:40 (früher hiess das Skisack) umklappen – klappt man nur die Mitte um, so kann man Gegenstände bis zu 175 cm Länge durchladen und trotzdem noch bequem mit 4 Personen reisen. Klappt man hingegen die komplette Rücksitzbank um, so erhält man ein Ladevolumen von 1300 Litern. Die Ladefläche ist dabei nicht ganz eben und hat eine Länge von 160 cm und eine Breite von 80 cm – lädt man bis zu den Rückenlehnen der Vordersitze, hat man 15 cm mehr an Länge zur Verfügung. Auch beim 4er Gran Coupé bietet BMW jetzt optional eine Heckklappe an, die man per Fusskick öffnen kann. Hat man den Autoschlüssel in der Tasche, aber eben beide Hände voll, so reicht ein gezielter Kick unterhalb der Stossstange und die Klappe öffnet sich von alleine.

Ich mag Snickers-Eis, weil es süss ist und trotzdem erfrischend schmeckt. Und ich mag das Gran Coupé, weil mir Coupés immer besser gefallen als Limousinen und dieses Coupé eben mit 4 Türen daherkommt. War mein Einstieg in den Fond des M4 Coupés noch mehr als beschwerlich, so steige ich in Gran Coupé problemlos ein. Allenfalls mein schütteres Haupt muss ich ein wenig mehr beugen als bei der Limousine. Im direkten Vergleich zum zweitürigen Coupé haben die Designer das Dach des Gran Coupé 11 Zentimeter nach hinten gestreckt. Das kommt natürlich dem Platzangebot – insbesondere der Kopffreiheit – im Fond zu Gute, sieht aber in meinen Augen immer noch sehr schick aus. Und so habe ich im Fond sitzend auch signifikant mehr Kopffreiheit mit meiner Körpergröße von 180cm. So sitzend kann ich im Fond sitzend auch lange Strecken beqeuem zurücklegen – im Zweitürer ist das für mich undenkbar. Wohl aber möchte ich nicht verschweigen, dass man im Kombi oder in der Limousine noch mehr Kopffreiheit hat. Ein dickes Minus gibt es aber für die Fenster in den hinteren Türen. Diese lassen sich gerade mal etwas mehr als zur Hälfte versenken – das mag ich nicht und nicht einmal die rahmenlosen Türen können das aufwiegen.

Die Optionenliste der 4er Serie ist lang, das gilt dann auch für den 2014 BMW 428i Gran Coupé. Der Basispreis liegt bei 35.750,00 € – dafür gibt es den 420i mit manuellem Getriebe in der kleinsten Ausstattungslinie. Den 428i als Gran Coupé mit dem von uns gefahrenen 8-Gang Sport-Automatic Getriebe Steptronic gibt es ab 43.450,00 € zu bestellen. Unser Testwagen hatte wohl einen Wert um die 63.000 Euro, was an der nahezu vollkommenen Ausstattung lag und auch an dem verbauten M Sportpackage (hier wird das Fahrzeug durch ein sportliches Bodykit, besondere Leichtmetallfelgen, exklusive Bremssattel und ein M Sportleder-Lenkrad aufgewertet). Das Blau nennt sich übrigen estoril blau – nach der portugiesischen Rennstrecke Circuito do Estoril nahe Lissabon.

Mein Fazit: Ich brauche keinen Kombi mehr, die Kinder sind gross genug. Limousinen sind mir in der Regel zu bieder, Coupés bietet hingegen zu wenig Platz für die Kinder und auch der Einstieg für eben diese ist bei einem Zweitürer für alle Parteien nervig. Somit füllt das Gran Coupé genau die Lücke, die ich mir eigentlich wünsche. Den 428i würde ich mir nicht aussuchen, dann doch eher den BMW 420d xDrive Gran Coupé, dessen Diesel immerhin noch 184 PS leistet und für knapp 500 Euro mehr dann auch noch den von mir favorisierten Allrad-Antrieb xdrive mitbringt.

Nachstehend noch einige Impressionen. Einen weiteren Fahrbericht gibt es bei BimmerToday.de, der Kollege Benny schaut da ein wenig mehr durch die allwissende BMW-Brille. Und bei Lisa findet ihr zu dem Fahrzeug noch eine hübsche Bildergalerie, meine Fotos in einer eben solchen nachstehend: