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Kein alter SAC! 2014 BMW X4 xDrive35i (F26) – Fahrbericht meiner Probefahrt

Ich bin nicht gerade, was man als einen SUV-Fan bezeichnet. Echte Geländewagen? JA! SUV? Nein! Crossover? Ohje. Mann nimmt also ein SUV und schnallt oben ein Coupé drauf und erfreut sich einer neuen Käuferschaft. Nun ja, genau so hat es zumindest für BMW funktioniert. Seit 2008 verkaufen sie auf Basis ihres erfolgreichsten SUV überhaupt, dem BMW X5, mit dem BMW X6 einen Crossover – oder wie es bei den Münchenern heisst – ein SAC, ein Sport Activity Coupé. Nach 250.00 verkauften Einheiten in den letzten 7 Jahren kann selbst ich nicht mehr von einer bizarren Nische reden.

Nein, hier hat ein Hersteller ganz offensichtlich seine Hausaufgaben ganz exzellent gemacht und der Wettbewerb auch ganz vorzüglich geschlafen. Kein Wunder als, dass die Bayern das goldene Kalb weiter melken wollen – mit einem etwas kleineren Modell. Denn hoppla, mit dem BMW X3 hat man ja auch einen sehr erfolgreiches SUV-Modell, dessen Plattform sich doch dann ebenfalls für ein coupé-artige Silhouette eignen müsste, oder? Schwups, im letzten Jahr in Shanghai auf der Auto China stand eine seriennahe BMW X4 Studie in einem beruhigenden und entspannenden Blau. Nicht ganz ein Jahr später dann, durfte die Weltöffentlichkeit zum ersten Mal das Serienfahrzeug auf der Motor Show in New York bestaunen. Ich hatte nun das – wie mir erst einmal schien – zweifelhafte Vergnügen, den neuen SAC als 2014 BMW X4 xDrive35i (F26) durch Spaniens Norden zu lenken. Zusammen mit meiner Kollegin Sarah Sauer habe ich Euch auch ein Ausfahrt-Video mitgebracht:


Video – Fahrbericht : 2014 BMW X4 xdrive35i (F26) bei Youtube ansehen

BMW hat genau eine Motorisierung – als xDrive35i wird der X4 mit einem 3.0 Liter Reihen-6-Zylinder befeuert, der mit 306 PS glänzen möchte und dabei ein maximales Drehmoment von 400 Nm bei Bedarf an alle 4 Räder abgeben kann – und eine Farbe – ein leuchtendes Melbourne Rot – mit nach Bilbao gebracht. Die Auswahl fällt mir dementsprechend leicht. Ich entscheide mich ganz spontan für den in Melbourne Rot lackierten 2014 BMW X4 xDrive35i, der auf die Typenbezeichnung F26 hört. Ich stehe erst einmal ein paar Minuten seitlich vor dem Auto. Ich möchte mir eigentlich nur darüber klar werden, wie sehr ich dieses Auto in meinem Review zerreissen werde. Ich hatte mir sogar schon einen Einstieg in meinen Fahrbericht zurecht gelegt:

Einen Teil meiner Jugend habe ich auf einem Segelflugplatz verbracht. Der „Startwagen“ war eine Art mobiler Tower, in dem man sass und der Seilwinde meldete, dass mit dem Start des nächsten Seglers begonnen werden konnte. Dieser Startwagen bestand aus einem Bulli auf den ein halber Käfer geschweisst worden war (Im Käfer sass man dann sehr hoch und konnte seine Arbeit mit Ausblick verrichten). Und genau so (!) sieht ein X4 aus. Dachte ich mir so. In der Vorbereitung auf das Auto.

Ich bin komplett um den 2014 BMW X4 xDrive35i (F26) herum gelaufen. Habe mich auf die Zehenspitzen gestellt und bin in die Hocke gegangen. Alles umsonst. Hässlich ist der X4 wirklich nicht. Ungewöhnlich. Vielleicht. Aussergewöhnlich. Bestimmt. Aber wirklich nicht hässlich. Zudem erinnert er mich an ein Fahrzeug, dass mich schon in den 80iger Jahren fasziniert hat – ich mochte den AMC Eagle – der war anders und lustig. Dabei hatte man doch nur auf ein Jeep CJ7 Fahrgestell ein Coupé gebaut. Das bullige Erscheinungsbild unseres Testwagens kommt auch nicht von ungefähr – es liegt nicht nur an der Bauform an sich, sondern profitiert auch noch von dem verbauten M Sportpaket (Aufpreis 2.900 Euro). Im Paket enthalten sich sportlichere Front- und Heckstossstangen, 19″ M Alufelgen und ein M Sport-Leder-Lenkrad (was ich wirklich mochte, weil es ein wenig wulstiger ist, in das weiche Leder kann man aber sehr schön greifen, so dass das Lenkrad sehr griffig ist). Ok, hässlich ist er also nicht. Aber der Fahrspass? Das kann doch nichts werden, oder?

Und auch wenn ich lieber meinen wohlgenährten Körper in die Sitzschale eines Sportwagens gleiten lassen, so ist der Einstieg in den X4 sehr komfortabel. 20 Zentimeter Bodenfreiheit wollen überwunden werden. Bequemer kann man kaum einsteigen in meinem Alter und auch die fehlenden Haltegriffe an alle vier Sitzplätzen sind somit zu verschmerzen. Die Leder-Sportsitze sind ungemein bequem, bieten aber auch – so werde ich im Laufe des Tages feststellen – sehr guten Seitenhalt. Selbstredend sind sie elektrisch verstellbar und auf Wunsch kann man sie auch mittels einer drei-stufigen Sitzheizung erwärmen. Bei fast 30°C Außentemperatur wünsche ich mir allerdings eher eine Sitzklimatisierung. Im Vergleich zum X3, so sagt man mir, sitzt man im BMW X4 2 Zentimeter tiefer. Aha. Hinten sollen es fast 3 Zentimeter sein. Interessanter finde ich hingegen die Aussage, dass man – trotz der Coupé-Form im X4 nur 5% weniger Platz haben soll – im Vergleich zum klassischen SUV X3. Und tatsächlich ist der Einstieg auch in den Fond durchaus bequem, ich kann mit meinen 180cm Körpergröße auch dort bequem sitzen – für drei Personen meiner Statur ist dann aber nicht genug Platz. Die beiden äußeren Sitz im Fond sind dafür sehr bequem ausgeformt – selbst wenn man mit 4 Erwachsenen eine länge Strecke fahren will, muss man nicht zum X3 greifen, wenn man die Form des X4 bevorzugt. Zumal man auch im Fond sitzend erstaunlich viel von der Außenwelt sehen kann, trotz kleineren Fensterflächen, die sich im übrigen – sehr überraschend – vollständig in den hinteren Türen versenken lassen.

Der Kofferraum fasst 500 Liter, wenn man die Rückbank umklappt sind es 1400 Liter. Die Klappe öffnet und schliesst auf Wunsch elektrisch, wer oft schwerst beladen zu seinem Auto geht, sollte sich bei den Optionen umsehen. Die Heckklappe lässt sich auch per Fusskick unterhalb des Stossfängers öffnen (in der BMW-Sprache nennt sich das SmartOpener). Wer den Autoschlüssel in der Tasche hat, muss nur den Fuss an einer bestimmten Stelle bemühen und die Klappe öffnet sich von alleine – und schliesst auch auf dem selben Weg – ich finde das ungemein praktisch. Bei der Zuladung kann der BMW X4 bei mir nicht ganz so punkten – gerade mal 590 Kilogramm darf man einladen bevor das zulässige Gesamtgewicht von 2.4 Tonnen erreicht ist. Bei 4 Erwachsenen und Gepäck kann es da schon mal eng werden, aber zugegebener Massen ist die Konkurrenz da auch nicht besser aufgestellt. Wer mag kann 100 kg aufs Dach auslagern, Pferdefreunde oder Bootseigner dürfen sich über eine zulässige Anhängelast von 2.4 Tonnen freuen – vorausgesetzt der Hänger ist gebremst.

Die „Freude am Fahren“, die BMW in seinem Slogan so gern zitiert, wollte bei mir vorerst nicht so recht aufkommen im BMW X4. Dabei muss ich dem Wagen zugestehen, dass er sich spielend einfach durch den morgendlichen Berufsverkehr von Bilbao lenken liess. Man sitzt erhoben hoch im X4 und die Dimensionen des SAC (467cm lang, 188cm breit und 162cm hoch) erzeugen in mir ein Gefühl von Sicherheit, dass ich sehr angenehm bewerte. Schon von außen kann man unschwer erkennen, dass man beim Schulterblick Probleme mit der breiten C-Säule bekommt. So ist es dann auch beim Fahren, obschon ich festhalten möchte, dass ich den BMW X4 nun wirklich nicht unübersichtlich fand. Wer viel in Städten unterwegs ist und seinen X4 auch öfters in schmalen Parklücken abstellen muss, der sollte sich auf jeden Fall die 360°-Kamera hinzu konfigurieren. Damit wird dann auch das Parken zum Kinderspiel.

Aus der Stadt auf die spanische Autobahn. Hier beträgt das Tempolimit 120 km/h. Gerade mal 5.5 Sekunden benötigt der 2014 BMW X4 xDrive35i um von 0 auf 100 km/h zu beschleunigen. Das ist ein mehr als respektabler Wert, angefühlt hat sich die Beschleunigung für mich aber nicht so rasant. Wären wir in Deutschland unterwegs gewesen, hätte die Beschleunigungsfahrt erst bei 247 km/h enden müssen, damit erreicht der BMW X4 xDrive35i seine Höchstgeschwindigkeit. Interessiert hätten mich durchaus, wie bei es sich bei Geschwindigkeiten oberhalb der 200 km/h mit den Windgeräuschen und dem generellen Geräuschniveau im X4 verhält. Bis 120 km/h war das alles im Rahmen, lediglich der 6-Zylinder hat mich klanglich doch enttäuscht. Für einen 3 Liter Motor mit ordentlich Wumms hätte ich mir – zumindest im Sportprogramm doch ein wenig mehr Kapelle gewünscht.

Ansonsten zeigen sich Bremsen, Lenkung, Fahrwerk und auch das 8-Gang Automatikgetriebe unauffällig. Zu keiner Zeit habe ich den Eindruck, dass ich nicht Herr des Fahrzeugs bin und selbst bei sportlicher Gangart auf Spaniens schnörkelreichen Landstrasse lässt sich der BMW X4 xDrive35i gut steuern. Aber auch hier bleibt bei mir die „Freude am Fahren“ hinter den imposanten Motorleistung-Daten zurück. Ich denke, dass ich einfach nicht so recht die hohe Sitzposition mit sportlicher Fahrweise in Einklang bringen kann. Andere hatten da weniger Probleme, wie ich im Nachgang von den Kollegen gehört habe.

Hervorheben möchte ich zum Schluss noch das Head-Up Display (1.100 Euro Aufpreis – Autsch!), was meines Erachtens die brillanteste Lösung unter den deutschen Premium-Herstellern ist. Die Art und die Schärfe mit denen alle relevanten Informationen in die Scheibe projiziert werden gefällt mir ausgesprochen gut. Und wie bei allen anderen BMWs, die ich in diesem Jahr schon gefahren bin, gefällt mir auch der Fahrerlebnisschalter – bzw. die damit verbundene Funktion wirklich sehr gut. Über den Schalter kann ich die Fahrcharackteristik des Autos signifikant anpassen. Für die Sparfüchse unter den BMW-Fahrer gibt es ein Eco-Programm, zum entspannten Reise gibt es ein Komfort-Programm und wer die „Freude am Fahren“ erleben will, schaltet in Sport bzw. Sport+. Ich mag es, wie sich die Eigenschaften spürbar verändern – beispielsweise das Fahrwerk in Sport+ doch deutlich straffer wird (ohne einen Restkomfort zu verlieren) und auch die Lenkung spürbar direkter wird, so dass man die Kurven doch gleich ganz anders ansteuert. Sehr schön.

Der Basispreis für einen BMW X4 xDrive35i liegt bei 58.000 Euro. Dazu hat man dann noch eine lange Liste an Zusatzoptionen, die man hinzuwählen kann, so dass man wohl für ein Fahrzeug mit unserer Ausstattung gut und gerne noch mal 15.000 Euro hinzurechnen kann. Das preisgünstigste Modell ist der BMW X4 xDrive20d (190 PS) als (einzig verfügbarer) Handschalter für 45.600 Euro, der große Diesel (BMW X4 xDrive35d, 313 PS) kostet in der Basis-Version 60.100 Euro. Im Vergleich dazu, der BMW X3 xDrive20d kostet nackt 43.250 Euro, der BMW X3 xDrive35d 56.300 Euro.

Ich persönlich bin kein X4-Fan geworden, kann mir aber durchaus vorstellen, dass der SAC andere Leute begeistert. Für mich stellt er eine durchaus ansehnliche Variante zum X3 dar und gerade hier in Deutschland kann man sich – sofern gewünscht – mit dem X4 noch ein wenig von der Masse abheben.

Benny hat seinen Fahrbericht BMW X4 xDrive35i F26: Auf der Flucht vor der Normalität betitelt und auch Lisa hat ihre Eindrücke der Test Probefahrt mit dem BMW X4 xDrive35i schon veröffentlicht. Ich verabschiede mich mit weiteren Impressionen in der nachstehenden Bildergalerie und dem englischen Pendant zu unserem deutschsprachigem Video-Fahrbericht 2014 BMW X4 xDrive35i (F26).


Watch the video review 2014 BMW X4 xdrive35i (F26) in English language