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2.000 km mit dem 2014 Volkswagen VW Golf Sportsvan 2.0 TDI – ein Fahrbericht

Es ist doch immer einfach, in einen Sportwagen zu steigen, ordentlich aufs Gas zu steigen und sich dann für das Fahrzeug zu begeistern. Und auch wenn den Minivan auf Golf-Basis von Volkswagen den Namen Sportsvan ziert, sich an seiner Sportlichkeit zu erfreuen fällt mir sehr schwer. Überzeugt hat mich der 2014 Volkswagen VW Golf Sportsvan 2.0 TDI dennoch – und zwar mehr als ich erwartet hatte – nämlich auf ganzer Linie. Als der Silberling bei mir angeliefert wurde, war ich alles andere als angetan. Puh. Ob nun Mercedes B-Klasse, BMW 2er Active Tourer oder auch Ford C-Max bzw Opel Meriva – die Aussenhüllen dieser Fahrzeug-Gattung spricht mich nicht wirklich an. Schnauze, hochgezogenes Dach, Steilheck, Ende. Aber dann – man sitzt ja meist in dem Fahrzeug und sieht es nicht ständig von aussen an. Und eben da – im Inneren – hat der VW Golf Sportsvan bei mir ganz gross gepunktet.


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Das fängt schon unter der Haube an. Der 2.0 Liter TDI leistet 150 PS und bringt ein maximales Drehmoment von 340 Nm mit. Das reicht für eine Höchstgeschwindigkeit von 212 km/h, die 100 km/h-Marke erreicht die Tachonadel nur bei perfektem Schaltvorgängen des manuellen 6-Gang-Getriebes nach 9.2 Sekunden. Diese Werte relativieren das „Sport“ vor dem Van doch ein wenig. Aber Obacht, nie fühlte ich mich untermotorisiert. Sicherlich presst einen die Beschleunigung nicht in die Sitze, aber auf der linken Spur der A2 musste ich mich nicht verstecken. Wenn der Sportsvan rollt, dann rollt er prima. Eine Reisegeschwindigkeit von 180 km/h kann man bequem fahren. Volkswagen gibt den NEFZ-Verbrauch mit 4.4 Litern Diesel auf 100 Kilometer an. Wir haben den VW Golf Sportsvan ganze 2.200 Kilometer quer durch Deutschland bewegt. Auf der Autobahn, über Land und in der Stadt – in einem doch sehr ausgewogenem Verhältnis und der TDI hat sich über diesen Zeitraum mit 6.2 Litern Diesel auf 100 km im Schnitt begnügt. Das hat mir durchaus imponiert, denn auch wenn ich weder aggressiv noch sportlich gefahren bin, flott war ich immer unterwegs. Somit bin ich von dem Verbrauch wirklich angetan. Allein das manuelle Getriebe würde ich mir nicht bestellen, ich bin doch mittlerweile ein großer Automatik-Fan und die DSG-Getriebe aus dem Volkswagen-Konzern haben mir schon immer gefallen. Doch auch die manuelle 6-Gang-Schaltung gibt keinen Grund zur Klage, allenfalls dass man selbst schalten muss. Die Schaltwege sind weder zu lang noch zu kurz und dazu noch sehr präzise. Die ersten fünf Gänge nutzt man, um den 1474 kg schweren Kompakt-Van auf Geschwindigkeit zu bringen, der sechste Gang ist dann eher zu Spritsparen gedacht – und das auch noch mal in Richtung unseres erfahrenen Verbrauchs – zu oft habe ich vergessen, vom 5. in den 6. Gang zu schalten, weil der Sportsvan eben so fein lief.

Im Innenraum geht es bis 120 km/h sehr ruhig zu. Zu keiner Zeit habe ich den Motor als zu laut empfunden. Jenseits der 120 km/h setzen dann Windgeräusche ein. Da bringt auch die nach unten gezogene Schnauze nichts. Die Fläche der Frontscheibe ist gross und irgendwo muss der Wind ja auch auftreffen. Die Geräusche sind zwar nicht so wild als dass man sich nicht mehr in normaler Lautstärke unterhalten könnte, geräuschempfindlichen Menschen rate ich aber durchaus zu einer Probefahrt auf einer Autobahn ohne Tempolimit.

Trotz seiner kompakten Masse der Aussenhülle (Der 2014 Volkswagen Golf Sportsvan ist 4.34 m lang, hat einen Radstand von 2.68 m, misst 1.58 m in der Höhe und der Abstand von Außenspiegel-Ecke zu Außenspiegel-Ecke wird mit 2.05 Meter angegeben.) wirkt der Innenraum mehr als großzügig. Das gilt nicht nur für die erste, sondern vor allem auch für die zweite Sitzreihe. Diese lässt sich nämlich verschieben, so dass man entweder den Kofferraum von eine Tiefe von 70 cm auf 93 cm verlängern kann (in der Breite hat man einen guten Meter) oder aber als selbst 1.84 cm großer Erwachsener im Fond über eine geradezu üppige Beinfreiheit verfügt. Ich mag es auch sehr, wenn sie die Rücklehnen im Fond verstellen lassen, auch da punktet der Sportsvan.

Ich bin ja nicht mehr allzu jung und habe mittlerweile so meine Zipperlein. Insbesondere bei längeren Strecken sind mir deshalb gute Sitze sehr wichtig. Die Bestuhlung in der ersten Reihe des VW Golf Sportsvan hat mir sehr zugesagt. Ich habe einfach gut gesessen. Selbst bei der manuellen Sitz- und Lenkrad-Verstellung hatte ich überhaupt keine Probleme eine ideale, körperschonende Sitzposition zu finden und bin selbst nach 500 km am Stück ohne Wehwehchen aus dem kompakten Van gesprungen. Super! Dazu kommen noch zahlreiche Ablagefächer vorne, in denen man bequem seinen halben Hausrat verstauen kann. Hervorheben darf ich das Brillenfach, das nicht wie bei anderen Fahrzeugen nur eine klitzekleine Sonnenbrille fasst, in dem fach des Sportsvan lassen sich locker gleich zwei große Sonnenbrillen ablegen (wobei dann eine beim Öffnen des Fachs in den Innenraum plumpsen wird). Das große Infotainment-Paket ermöglicht das einfache Anbinden meines Smartphones. Der Touchscreen reagiert angenehm schnell auf den Fingerdruck, alle Bereiche sind intuitiv zu bedienen. Schön, dass wir jetzt auch immer mehr Fahrzeuge mit DAB-Empfang bekommen, da macht das Radiohören doch gleich doppelt so viel Spass – wenn man denn Empfang hat. Lediglich die Leistungen der Lautsprecher überzeugen mich nicht so ganz. Dreht man die Musik etwas auf, so fangen Bässe und Mitten an zu schrabbeln.

In den Kofferraum des Volkswagen Golf Sportsvans passen 500 Liter, klappt man die komplette Rücksitzbank – die im Verhältnis 40:20:40 geteilt werden kann – um, bekommt man ein Ladevolumen von stolzen 1520 Litern. Schiebt man den Beifahrersitz nun noch ganz nach vorne, so kann man Gegenstände bis zu einer Länge von 180 cm einladen. Für mich heisst das auch, dass ich im Golf Sportsvan sogar schlafen kann. Nicht unpraktisch. Die ehemalige Reserveradmulde dient nun auch als Staufläche, hier kann man zumindest alles von Eiskratzer bis Warnwesten unterbringen. Generell darf „mein Sportsvan“ mit 571 kg beladen werden, 75 kg davon darf man auf das Dach laden. Die maximale Anhängelast beträgt übrigens 1.8 Tonnen.

Neben dem Schaltknüppel befindet sich eine Taste mit der Beschriftung „Mode“. Hierüber kann ich voreingestellte wie auch ein individuelles Fahrprogramm anwählen. Die Programme Eco, Normal, Sport und Komfort erklären sich von selbst. Gerade der Unterschied zwischen Sport und Komfort ist signifikant, was die Federung und die Lenkung angeht. Während man die Federung in „Sport“ durchaus als straff mit einem Hauch von Sportlichkeit bezeichnen kann, so wird sie in der Komforteinstellung – sehr komfortabel. Die Lenkung gibt es in „Sport“ angenehm direkt, ich habe mich so daran gewöhnt, dass ich mir dann das individuelle Programm so gestaltet habe, dass ich mit „normalen“ Fahrwerkeinstellungen, aber „sportlicher Lenkung gefahren bin. Das ist sehr angenehm, weil man sich wirklich die relevanten Eigenschaften des Fahrzeugs auf sich zuschneiden kann. Noch schöner wäre es hingegen, wenn man mehrere eigene Profile anlegen könnte „Kinder zur Schule“, „alleine auf der Autobahn“, usw usf.

Erwähnen möchte ich kurz auch die Helferchen, die jetzt beim Sportsvan verfügbar sind. ACC steht für adaptive Cruise Control, also ein adaptiver Tempomat, der eben nicht nur die Geschwindigkeit konstant hält, sondern auch autonom langsamer wird, wenn man auf ein langsamer fahrendes Fahrzeug aufschliesst. Als sehr angenehm habe ich auch den aktive Spurhalte-Assistenten empfunden. Hat dieser ab einer Geschwindigkeit von 60 km/h die Fahrspuren erkannt, so unterstützt er mich als Fahrer beim Fahren. Spurwechsel auf der Autobahn ohne Setzen des Blinkers werden mit einem leichten Wiederstand in der Lenkung quittiert. Ich fühle mich aber zu keiner Zeit von dem System bevormundet sondern allenfalls unterstützt. Auch der automatische Parkassistent, der sowohl in parklücken die parallel als auch quer zur Fahrrichtung stehen einparken kann, hat die 2 Mal die ich ihn ausprobiert habe sehr ordentlich funktioniert.

Im Grunde ist es also einfach, der 2014 Volkswagen VW Golf Sportsvan 2.0 TDIhat mich nicht durch sein Aussehen begeistert sondern eben mit seinen inneren Werten. Der Einstiegspreis liegt bei 19.625 Euro, der 2.0 TDI kostet in der Basisausstattung 30.125 Euro. Unser Testwagen muss so um die 40.000 Euro kosten und somit also doppelt so viel wie die preiswerteste Ausführung. Natürlich gibt es preiswertere Mitbewerber, aber in meinen Augen stellt der VW Golf Sportsvan durchaus ein sehr attraktives Paket dar.


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