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Die bessere S-Klasse: 2014 Mercedes-Benz S 500 Plug-in Hybrid (V222) – Fahrbericht

In einer besseren Welt müsste der Mercedes-Benz S 500 Plug-in Hybrid die am besten verkaufteste S-Klasse ever ever ever werden. Denn eins ist mir auf der kurzen Probefahrt klar geworden, die S-Klasse als Plug-in Hybrid macht durchaus Spass! Zwar finde ich die Nennung des NEFZ-Verbrauchs von 2.9 Litern auf 100 Kilometer etwas irreführend, dies ist aber Teil der NEFZ-Bürokratie. Besser halte ich fest, dass der verbaute V6-Biturbo laut Daimler sich mit 6.4 Litern auf 100 Kilometern begnügt. Die 8.7 kWh Batterie, die im Kofferraum verbaut ist und dadurch das Kofferraumvolumen von urspünglich 5190 Liter auf 395 Liter begrenzt, ist dann noch mal gut für 33 Kilometer rein elektrische Fahrt. Wenn man sich das nun zusammen rechnet, dann kommt man auf den ersten 100 Kilometern auf einen Verbrauch von etwa 4.48 Litern Benzin und eben einer Akkuladung. Immer noch sehr imposant, hat man dann doch ein fast 2 Tonnen schweres Luxusgefährt bewegt. Und wenn es die Wegstrecke zulässt, kann man ja auch noch während der Fahrt ein wenig rekuperieren, dass heisst Strom durch Bremsen zurückgewinnen oder Segeln, sich also komplett ohne Energieverbrauch bewegen. Das Konzept ist spannend und ich denke auch auf jeden Fall zukunftstauglich. Natürlich haben wir aus Kopenhagen auch ein kleines Video mitgebracht:


Das Video “2014 Mercedes Benz S 500 Plug-in Hybrid / Fahrbericht der Probefahrt – Test – Review (German)” auf Youtube ansehen.

Die vier Betriebsmodi des Mercedes-Benz S 500 Plug-in Hybrid sind so zahlreich wie unspannend. Im “Hybrid”-Modus verwendet das Fahrzeug Verbrenner wie auch den 85 kW starken Elektromotor. Der “e-Mode” garantiert vollkommen elektrische Fortbewegung bis der Akku leer ist. “e-safe” bedeutet, dass man den Inhalt der Batterie nicht weiter schröpfen will. Es läuft also der Benziner bis eben wieder überschüssiger Strom zum Aufbrauchen vorhanden ist. Und “Charge” bedeutet nichts weiter als dass der Benziner nicht nur zur Fortbewegung verwendet wird, gleichzeitig lädt er auch noch die Batterie.

Ein wenig spannender sind hingen da die Fahrmodi. S(port) und E(ffizient) kennen wir ja aus allen “normalen” Mercedes-Fahrzeugen. Neu hingegen ist der Modus E+. Ist er vorgewählt wird es technisch. Denn eigentlich nur in diesem Mode kann man die volle Effizienz aus der S-Klasse heraus kitzeln. Dabei gibt man stets im Navigationssystem vom COMAND Online sein Ziel ein. Das System weiss dann, welche Wegstrecke mit allen topografischen Begebenheiten vor einem liegt und kann das Fahrzeug optimal seine Ressourcen einteilen lassen. Fährt man beispielsweise über einen Berg, kann das System errechnen, wieviel Energie bei der späteren Bergab-Fahrt wiedergewonnen werden kann. Diese Energie kann es dem System also ganz locker für die Bergauf-Fahrt zur Verfügung stellen. Im Idealfall darf man also für die Strecke bergauf den kompletten Akku leerfahren (und somit Benzin sparen), da er sich am Ende der Talfahrt wieder komplett aufgeladen hat.

Im E+-Modus spielt das “haptische Gaspedal” auch eine grosse Rolle. Es gibt dem Fahrer einen Druckpunkt bis zu dem er effizient fährt. Drückt man das Pedal über den Druckpunkt hinweg, so hat er sich mit dem effizienten Fahren. Ferner wird das Radar der S-Klasse ebenfalls zur Analyse der effizienten Fahrweise herangezogen. Fährt man auf der Autobahn beispielsweise mit einer Geschwindigkeit von 130 km/h auf einen Laster, der sich mit 90 km/h über die Bahn quält, auf, so signalisiert das Gaspedal mit einem dezenten Doppelimpuls, dass man doch bitte den Fuss vom Gas nehmen soll, denn dann könne man ein Stück weit segeln oder auch rekuperieren.

Jetzt mag man denken “Warum sollte sich denn bitte ein potentieller S-Klasse-Kunde für einen Plug-in Hybrid entscheiden, der mit seinem Einstiegspreis von nicht ganz 109.000 Euro auf den Cent genauso teuer ist wie der ‘normale’ Mercedes-Benz S 500 mit seinem charmenten V8”. Ich sage – weil er es kann und weil er auf nichts verzichten muss. Den V8 hört man genauso wenig wie den V6. Der Käufer tut aber etwas für die Umwelt ohne auf den üblichen Luxus verzichten zu müssen (Ok, er kann sich keinen Kühlschrank einbauen lassen, weil die Batterie dessen Platz belegt und auch die Konfiguration mit Skidack ist nicht möglich, aber sonst geht eben alles).

Nicht umsonst hat Daimler den Plug-in Hybrid auch die 500 gegeben. Die beiden Fahrzeuge verfügen nämlich über sehr ähnliche Leistungswerte. Während der V8 455 PS leistet, ist die Systemleistung beim 500 Plugin-Hybrid mit 442 PS angegeben und diese Pferden garantieren ein maximales Drehmoment von 650 Nm.

Wer schon einmal eine Stromer gefahren ist, der weiss, dass es viel Spass macht – gerade an der Ampel – weil der Elektromotor seine Kraft sofort enthalten kann. Spassiger wird es im Mercedes-Benz S 500 Plug-in Hybrid dann noch, wenn man das Fahrprogramm S(sport) wählt. Hier unterstützt der direkt an das modifizierte 7G-TRONIC-Automatikgetriebe angeflanschte Elektromotor den V6, so dass man locker den 2 Tonnen Luxus beim Ampelstart mit quietschenden Reifen wegkatapultiert. Bleibt der Fuss auf dem Gaspedal stehen, so erreicht der digitale Tachzeiger die 100 km/h-Marke in 5.2 Sekunden. Solche Werte werden bei anderen Herstellern Sportwagen zugeschrieben.

Wissenswert ist allenfalls noch, dass es den 2014 Mercedes-Benz S 500 Plug-in Hybrid (V222) nur in der Langversion gibt. Das passt zu den Zielmärkten, denn Daimler sieht die effiziente S-Klasse hauptsächlich in China und Nordamerika. Wenn ich in der Position wäre, mir eine S-Klasse zu kaufen, würde ich heute den Plug-in Hybrid wählen. Vielleicht auch nur, um mein Gewissen zu beruhigen, hauptsächlich aber, weil ich den Mercedes S 500 Plug-in Hybrid wirklich für die noch besser S-Klasse halte.


Watch the clip “2014 Mercedes Benz S500 Plug-in Hybrid / Start-Up, Exhaust, Test Drive and In-Depth Review” on Youtube.