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Jammer nicht, heute ist Dein Glückstag! – Aus dem Arbeitsleben eines Autobloggers (I)

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Im Mai 2013 habe ich mich als Autoblogger, Berater und Video-Produzent selbstständig gemacht. Einige Freunde haben mich gewarnt. „Selbst“ und „ständig“! Mit meiner bisherigen Lebens- und Berufserfahrung war es für mich aber nicht wirklich ein grosser Schritt ins Ungewisse. Ich wusste, was da auf mich zukommt. Ich habe mich darauf gefreut. Heute sitze ich hinter dem Schreibtisch meines Büros. Was schon einmal so viel heisst, dass es mir finanziell so gut geht, dass ich mir ein Büro leisten kann. Die Frage „Kannst Du denn vom Bloggen leben?“ beantworte ich derweilen mit einem klaren „Jein!“ Den „Berater“ habe ich sofort wieder fallen lassen. Für die Akquise solcher Beratungen habe ich per se schon mal keine Zeit, und für die Beratungen selbst müsste ich mich auch clonen. Der „Video-Produzent“ ist nicht so imposant, wie sich der Titel an sich anhört. Fakt ist aber, dass ich Videos produziere und damit einen Teil meines Einkommens beschreite. Und eine zweite Säule auf der das Fundament meiner Selbstständigkeit beruht ist durchaus das Bloggen.

Vor einem ganzen Weilchen hat mich mal ein Redakteur vom Spiegel Online angerufen. Er hatte wohl eine große Story gewittert. Die Käuflichkeit der Autoblogger wollte man wohl aufdecken. Luxusreisen rund um die Welt. Zugunsten positiver Berichterstattung. Die Geschichte ist nie erschienen, ich vermute mal der Kollege hat die Substanzlosigkeit seiner Story dann doch erkannt. In den nachstehenden Zeilen möchte ich Euch, die Leser, mal hinter die Kulissen blicken lassen. Einfach so. Weil mir gerade danach ist. Und weil ich sowas als „normaler Blogger“ früher öfters gemacht habe.

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Der Auszug aus meinem „Deluxe-Leben“ beginnt an einem Freitagmorgen um 4 Uhr. Keine ungewöhnliche Uhrzeit mehr für mich, um den Arbeitstag zu beginnen. Am Abend zuvor bin ich brav um 23 Uhr ins Bett gegangen, nachdem ich ordentlich mein Habseligkeiten für die kommenden 12 Tage in den einen Koffer und mein ganzes Equipment in zwei weitere Koffer verstaut hatte. Wenn ich weniger als fünf Stunden Schlaf bekomme, dann bin ich nicht wirklich zu gebrauchen. Kaffee. Duschen. Anziehen. Die Koffer ins Auto laden und dann los. Der Großteil Deutschlands schläft noch als ich gegen 6 Uhr die Kollegin Sarah Sauer in Dortmund aufgabele und wir uns dann gemeinsam auf den Weg zum Flughafen in Düsseldorf machen.

Dort angekommen geben wir den Einweg-Mietwagen ab und schleppen 2 große Reisekoffer, ein Stativkoffer und drei Handgepäckstücke Richtung Abflughalle. Als Vielflieger, der ich nun mal mittlerweile bin, habe ich bei der Lufthansa einen Status, der es mit ermöglicht schneller einzuchecken. Das macht das Ganze an der Stelle etwas einfacher. Vom Check-in Schalter geht es dann zum Sperrgepäck-Schalter, der sich in einer der hinteren Ecken des Flughafens Düsseldorf versteckt. Dort gebe ich dann die Stativ-Rolle ab. Nun noch durch die Security. Auch hier bin ich entspannt. So sicher wie das Amen in der Kirche, werden meine beiden Gepäckstücke einer Sonderbegutachtung unterzogen. Zu viel Technik will man doch genauer ansehen. Richtig so. Aus der Erfahrung lernt man. Laptop und Flüssigkeiten fördere ich mit 2 geübten Bewegungen aus dem Rucksack hervor, für das Equipment habe ich mir einem Rimowa-Kabinentrolley umgebaut – einfach für mich zu packen und zu transportieren, für die Security überschaubar. Wir sind schliesslich alle nur Menschen, die ihren Job erledigen wollen.

rimowa-fotokoffer

Ein Stunde vor Abflug stehe ich nun am Flughafen. Das ist auch eigentlich noch knapp bemessen, weil ich ja nie wirklich abschätzen kann, wie gut mich der übrige Verkehr so passieren lässt. Als Vielflieger darf man bei der Lufthansa die Wartezeit in einer Lounge verbringen. Dort kann man auch kostenlos Speisen und Getränke zu sich nehmen und obendrein gibt es auch noch einen kostenlosen WLAN-Zugriff. Das ist gut, denn um 5 Uhr morgens bekomme ich noch keinen Bissen herunter. Während ich esse, kann ich auch noch schnell die Kommentare unsere Zuschauer, die sich über Nacht auf unserem Youtube-Kanal angesammelt haben, beantworten. Pünktlich zum angesetzten Boarding stehe ich dann auch am Gate und warte. Das Boarding verzögert sich. Von Verspätung spricht aber niemand. Auch nicht nach 25 Minuten Wartezeit. Irgendwann ist der Flieger dann zum Besteigen freigegeben und wieder profitiere ich von meinem Status als Vielflieger. Ich darf als einer der Ersten in das Flugzeug einsteigen. Während ich als „Ferienflieger“ immer als Letzter einsteige und mich darüber amüsiere, dass die Leute da brav bis zu 30 Minuten in der Schlange stehen, statt locker in der Wartezone zu harren, bin ich bei meinen Business-Flügen immer einer der ersten. Zuerst einmal habe ich immer sehr viel Handgepäck dabei, was ich ordentlich verstauen muss. Zum anderen kann ich die Zeit in der die restlichen Passagiere einsteigen noch zum Arbeiten nutzen. Also rein in den Vogel, Gepäck verstaut und Notebook aufgeklappt. Bis zum Start bin ich beschäftigt.

Ich sitze in der Business-Class. Also in den ersten Sitzreihen. Das Ticket habe ich nicht selbst bezahlt, es wird mir vom Hersteller – in diesem Fall Skoda – zur Verfügung gestellt. Nicht nur mir. Nicht nur uns Bloggern. Nein, im Prinzip allen Pressevertretern, die sich für diese Fahrveranstaltung angemeldet haben. Das Fliegen in der Business-Klasse hat diverse Vorteile. Man darf mehr Handgepäck mit sich führen. Für mich ist das extrem wichtig, weil ich meine Technik nicht als normalen Koffer aufgeben möchte (und aufgrund der Akkus auch nicht darf). Mir ist es schon ein paar Mal passiert, dass eins meiner Gepäckstücke nicht mitgekommen ist. Da wir meist nur 1-2 Tage vor Ort sind, kommt der Koffer im besten Fall passend zum Abflug. Darum versuche ich, so viel Equipment wie möglich bei mir zu tragen. Der zweite große Vorteil – zumindest wenn man mit der Lufthansa unterwegs ist – liegt darin, dass der Platz nehmen mir frei bleibt. Somit habe ich während des Flugs genug Platz, um mein Notebook zu öffnen und zu arbeiten – vor allem auch ohne dass mir der Sitznachbar komplett auf den Bildschirm starren kann. Ich gestehe, dass ich mich bei meinen ersten Flügen noch gefühlt habe, wie Graf Koks. Was kostet die Welt? Mittlerweile sehe ich meinen Sitzplatz als Arbeitsplatz. Wo ich die eigentlich tote Flugzeit nutzen kann. Das geht doch auch in der Economy? Nein. Ich habe es probiert. Das geht nicht. Alles, was ich auf den hinteren Plätzen machen kann, ist lesen.

Skoda präsentiert den neuen Fabia. Für Skoda ist er neben dem Octavia der Bestseller im deutschen Markt – folglich auch ein wichtiges Fahrzeug. Während sich das Wetter in Deutschland deutlich Richtung Herbstschmuddel entwickelt, hat man beispielsweise in Portugal noch sommerliche Temperaturen. Ein Grund, warum wir so oft fliegen. Zum einen laden die Hersteller ja Journalisten aus ganz Europa ein und es ist wohl preiswerter, alle zu einem Ort zu fliegen als in allen Ländern eigene Veranstaltungen zu stemmen. Zum anderen produziert es sich bei warmen Temperaturen einfach besser als im deutschen Einheitsgrau-Wetter. Unser Bestimmungsort an diesem Freitag ist Lissabon. Nach drei Stunden Flug, die ich zum Schneiden eines Videos, dem Lesen der Pressemitteilung zum Start des neuen Fabias, Iphone-Spielereien und einem kleinen Nickerchen nutze, landen wir unbeschadet in Lissabon. Während wir unser Gepäck nach 20 Minuten Wartezeit vom Band fischen können, müssen wir auf die Stativrolle erst wieder durch die komplette Halle laufen. Das Sperrgepäck wird in der Regel deutlich später nach dem üblichen Gepäck und an einer anderen Stelle zur Verfügung gestellt. Alles stapele ich behutsam auf einem Kuli und schiebe ihn ohne besondere Vorkommnisse durch die Zollabfertigung.

Hinter dem Ausgang warten bereits drei Hostessen mit einem Skoda-Schild auf uns und eine führt uns dann quer durch den Flughafen zu einem Business-Bereich, den Skoda angemietet hat. Schnittchen, Kaltgetränke und ein kurze Presse-Einweisung erwarten uns. Man weisst uns noch einmal auf die Vorzüge des neuen Modells hin, erklärt uns die Abläufe der kommenden 2 Tage und wir bekommen die Autoschlüssel ausgehändigt. Mit diesem und einer anderen Hostess als Vorhut geht es wieder quer durch den Flughafen zu dem Parkhaus, wo die Autos auf uns warten. Je nachdem wie groß die Pressegruppen sind und wie flexibel die Hersteller mit uns umgehen, kann man in dieser Zwischenstation schon mal 90 Minuten verbringen – oder aber auch nur zehn. Es ist meine dritte Veranstaltung dieser Art, die ich im Umland von Lissabon erlebe. Ich kenne mich aber nicht mal ansatzweise aus, kann gerade mal bestimmen in welcher Richtung es zum Meer geht. Darum arbeiten uns die Hersteller in der Regel Routen aus, die landschaftlich schön gelegen sind und auch von der Strassenführung ganz unterschiedliche Passagen bieten. Und an dieser Stelle darf ich auch explizit darauf hinweisen, dass die ausgewählten Strassen auch durchaus mal einen schlechten Fahrbahnbelag haben. Es geht den Herstellen ganz offensichtlich nicht darum irgendetwas zu beschönigen. Je nach Programm und Hersteller sind auch Foto-Stops extra gekennzeichnet, was immer dann recht praktisch ist, wenn der Zeitplan keine großen Ausflüge zulässt. Wenn wir genug Zeit haben, fahren wir auf diesen Routen, um uns einen ausreichenden Fahreindruck zu verschaffen, andernfalls machen wir uns auf den direkten Weg zum Hotel oder Treffpunkt, um ausreichend Zeit zum Produzieren unserer Videos zu haben.

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In der Regel teilen sich zwei Pressevertreter ein Auto. Wenn wir als Team zu Dritt unterwegs sind, bekommen wir mal ein zweites Fahrzeug mal ein Begleitfahrzeug gestellt. Was auch die Erstellung von Videos vereinfacht. Während der eine fährt, kann sich der andere schon mal mit der Haptik der verbauten Materialen vertraut machen, wie auch mit dem Navigationssystem herumspielen. Es will ja alles erfahren und bewertet werden. Die Route führt uns erst Richtung Norden und dann an der Atlantiksteilküste wieder zurück nach Süden. Zwischenzeitlich tauschen wir die Sitzplätze und halten mal hier mal dort an, um Fotos zu schiessen. Unter anderem halten wir auch kurz beim Cabo da Roca, dem westlichsten Punkt des europäischen Kontinents, an dem angeblich schon 80% aller Automobil-Pressefritzen gewesen sind. Ich jetzt auch. Alles, aber nicht besonders spektakulär. Während wir mit 30 Minuten Verspätung beim Hotel ankommen, ist es unlängst dunkel geworden. Auch wenn wir als Video-Team am nächsten Tag wieder die gleichen Fahrzeuge bekommen, müssen wir alles komplett ausladen. Die Hersteller bereiten die Fahrzeug über Nacht auf und kontrollieren die Technik. Soweit ich es richtig verstanden habe, fahren wir bei den Veranstaltungen oft genug Vorserienmodelle oder aber die ersten Modelle der Serie. Da wollen die Hersteller eben sicherstellen, das alles ordnungsgemäß funktioniert. Wohl verständlich.

Das Hotel – The Oitavos Hotel – liegt ziemlich schön als Zentrum eines Golf-Resorts im Westen von Lissabon. Den Atlantik kann man sehen und auch hören, zu Fuss steht man innerhalb von 10 Gehminuten an der steinigen Küste. Ich tue mich mit diesen ganzen Sternen mittlerweile sehr schwer, aber ich denke, das Hotel fällt durchaus in die 5-Sterne-Kategorie. Für Normalsterbliche kostet das Zimmer zwischen 155 und 250 Euro die Nacht, es ist modern eingerichtet und verfügt über eine große Terrasse. Auch hier zahlt der Hersteller. Für mich. Für alle Blogger. Für alle Journalisten, die der Einladung folgen. Der Witz daran ist eigentlich, dass man von dem schönen Zimmer in der Regel gar nichts hat. Bei zweitägigen Veranstaltung, bei denen man am ersten Tag anreist und produziert und dann am zweiten Tag weiterproduziert und wieder abreist, betritt man das Zimmer nur, um sich vor dem Abendessen frisch zu machen und nach dem Abendessen eben, um möglichst noch seine fünf Stunden Schlaf zu bekommen. Denn auch bei den Fahrveranstaltungen beginnt das Program meist um sechs Uhr früh.

Mittlerweile ist es 19 Uhr Ortszeit, was dann 20 Uhr deutscher Zeit entspricht. Ich bin seit 16 Stunden auf den Beinen. Bin müde. Das Tagesprogramm sieht nun ein Get-Together sowie eine Pressekonferenz vor. Danach wird dann gemeinsam gegessen. Im Grunde ist es nicht nur ein angenehmer Tagesabschluss, sondern auch inhaltlich immer wieder sehr interessant, weil man mit den Mitarbeitern der Hersteller ins Gespräch kommen kann. Diese stehen uns in der Regel aus unterschiedlichen Bereichen als Ansprechpartner zur Verfügung. Den Teil mag ich sehr, weil man halt nicht nur Marketingphrasen hört, sondern auch die Begeisterung mitbekommt, mit der die jeweiligen Personen am Produkt mitgewirkt haben. Ausserdem kann ich mich mit den Kollegen austauschen. Was genauso wichtig ist. Speziell auch für die jeweilige Veranstaltung. Wo habt ihr gedreht? Wie ruhig ist es da? Braucht ihr noch etwas? Usw usf. An diesem Abend passe ich aber. Ich beantworte noch ein paar Mails, dusche und schlafe dann vollkommen erschöpft der Brandung lauschend ein.

Mein Tag war 18 Stunden lang. Meine Anreise hat 10 Stunden gedauert. Ich habe 5 Stunden Zeit mit dem Skoda Fabia verbracht. Die wichtigsten E-Mails habe ich beantwortet, die Restlichen müssen warten. Unsere Kommentare habe ich beantwortet und ein bisschen Video geschnitten.

Fortsetzung folgt …