Probefahrten
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2015 Audi TT 2.0 TFSI sline (8S) – Erfahrungen einer Probefahrt durch die spanischen Berge

Von der ansatzweise mondänen Hauptstrasse Marbellas (A7) in Spanien zum Ascari Race Resort, einer malerisch gelegenen Test- und Rennstrecke nahe der historisch reizvollen andalusischen Kleinstadt Ronda, fährt man etwas über eine Stunde. Meine geschätzte Kollegin Sarah und ich starten noch vor Sonnenaufgang und quälen uns zunächst durch den spanischen Berufsverkehr. Der ebbt aber nach und nach ab, je weiter wir eben nach Norden vorstossen. Die Landstrasse (A-397) wird schnell kurviger und wäre sie nicht schon vor zwei Jahren genau eben dort gewesen, ich hätte ernsthaft überlegt, ob Audi sie da nicht just für die Testfahrten mit dem neuen 2015 Audi TT in die Berge gebaut hat.

Bei der dritten Produktgeneration des Sportcoupés haben es sich die Ingolstädter nicht nehmen lassen, das just im letzten Jahr mit dem A8-Facelift mit Pomp eingeführte Matrix-LED-Licht nun auch in ihrem Hausfrauen-Porsche zu verbauen. Das (optionale! In der Serie hat er XenonPlus-Scheinwerfer…) Matrix-Licht zeigt auf dieser Strecke was es kann und das gefällt mir richtig gut. Die Kurven – und davon gibt es auf dieser Strasse mehr als es Sarah auf dem Beifahrersitz lieb ist – werden perfekt vom LED-Licht ausgeleuchtet. Bei entgegenkommenden Verkehr muss ich nicht abblenden, das Licht spart das entgegenkommende Fahrzeug einfach aus (technisch gesehen werden einfach die entsprechenden LEDs ausgeschaltet, praktisch). Und auch der alte Lieferwagen, dem ich ein paar Kurven lang folgen muss, dürfte sich kaum durch mein Fernlicht gestört fühlen. Im Gegenteil, ich leuchte ihm die vor uns liegende Strasse aus, während er aber nicht geblendet wird. Habe ich bei der A8-Präsentation noch „Nette Spielerei .. Tztztz“ gedacht, weckt dieses Licht jetzt ein extremes HABEN-WILL! Das Audi das Matrix-LED-Licht nun auch in dem Sportler auf Basis der Golf-Plattform ausliefert, lässt hoffen, dass auch die anderen Kompakten zukünftig – zumindest optional – von dieser sinnvollen Technik profitieren können.

Der alte Lieferwagen stört nicht lange meinen Fahrspass. Bei der ersten längeren Gerade setze ich den (nun sequentiell leuchtenden) Blinker links und lasse den 2 Liter TFSI Motor mal seine 230 virtuellen Pferdchen antraben. Gerade mal 6 Sekunden benötigt der 2015 Audi TT 2.0 TFSI für seinen Sprint von 0 auf 100 km/h – und auch am Durchzug von 70 km/h auf Überholgeschwindigkeit am Berg habe ich nichts auszusetzen. Das maximale Drehmoment liegt bei 370 Nm, in unserem Testwagen wird es mangels quattro-Antrieb nur auf die Vorderachse weitergegeben. Kurz nachdem ich einschere kommt auch schon wieder die nächste Kurve. Es fühlt sich fast so an, als würde der TT in einer Führungsschiene laufen. So locker und angenehm lässt er sich auch mit höherer Geschwindigkeit durch die Kurve zirkeln. Bei meinen ersten Metern mit dem Coupé am Vortag hatte ich noch einmal nachgesehen, ob unser roter Testwagen nicht vielleicht doch mit dem quattro-Antrieb ausgestattet ist. Zu sicher lag er auf der Strasse. Kein Schieben, kein Drücken, kein Garnichts. Nur Fahrspass. Verblüffend. Und selbst das Schalten – ich bin ja mittlerweile eher ein Freund der Automatik-Getriebe – macht mir Spass. Die sechs Gänge – ok, gut, auf dieser Fahrt nutze ich eher nur die erste Vier – lassen sich präzise Schalten, die Schaltwege vermitteln durch ihre Kürze noch ein wenig mehr Sportlichkeit, lediglich den Schaltknauf empfinde ich als ein wenig zu groß, was aber auch an meine kleinen Patschehändchen liegen kann.

Der sportliche Fahrspass wird allenfalls vom eher mageren Klangbild geschmälert. Das hilft es auch nicht, den TT mittels „Drive Select“-Taste in den Sport-Modus zu befördern. Die Sound-Ingenieure würde ich nachsitzen lassen. Oder zumindest optional noch ein Sound-Update anbieten. Machen wir uns nichts vor, das geht. Und ich würde es als TT-Eigner auch kaufen. Der Sport-Modus ist aber immerhin dafür gut, die Parameter der progressiven Lenkung anzupassen. Im Sport-Modus ist diese dann noch mal spürbar direkter als im Comfort-Fahrprogramm. Das gefällt. Mir besonders. Vor allem auf dieser nicht enden wollenden Bergstrasse. Apropos Hausfrauen-Porsche. Die Hausfrau wird das Fahrwerk vielleicht einen Tucken zu straff empfinden. Ich bin ganz angetan. Zumindest in unserem Testwagen, wo man es per Fahrprogramm nicht anpassen kann, stellt es einen angenehmen Kompromiss da. Sportlich-komfortabel möchte ich es nennen. Bremsen kann der TT auch. Ich kann sonst dazu nichts sagen. Wer langsam fährt muss weniger bremsen und kann vielleicht auch den von Audi angegebenen NEFZ-Verbrauch erreichen. Mit nur 5.9 Liter Super-Benzin soll man im Idealfall 100 Kilometer weit kommen, wer ansatzweise Spass haben will kalkuliert 2 Liter mehr ein.

Es kann ja nicht immer nur alles spassig sein. Nach etwas über einer Stunde haben wir das Ascari Race Resort erreicht. Mittlerweile ist es heller geworden, auch ohne dass sich die Sonne hat blicken lassen. Bevor es dann für Sarah auf die Rennstrecke geht, nehme ich mir noch mal die Zeit für einen Gang um den 2015 Audi TT 2.0 TFSI sline. Kantiger ist er geworden in seinem dritten Lebenszyklus. Ich darf mal eben allen Audi-Fans vorbal vors Schienenbein treten? Die ganzen Kanten erinnern mich irgendwie an die Produkte aus dem Hause des tschechischen Konzernbruders. Gerade die Dreiecke in der Front zwischen Motorhaube, Scheinwerfern und Grill erinnern mich doch stark an den Oktavia. Seis drum. Ich mag genau diese Dreiecke sehr gerne. Auch die ganzen Kanten und Sicken stehen dem flachen Coupé meines Erachtens ausserordentlich gut. Die Audi-Ringe sind in Anlehnung an den R8 vom dreidimensional gestalteten Single-Frame-Kühlergrill auf die Haube gewandert, die Lichtsignatur soll übrigens an den R18 (LeMans Langstrecken Renner) erinnern.

In der – durch den bei gleicher Länge angewachsenen Radstand bulliger wirkenden – Seitenansicht gefallen mir die 18″ Alus durchaus, passen zur Form. Doch Obacht, Sparfüchse müssen sich mit den 17″ der Basisversion zufrienden geben, während der Herr von-Beruf-Sohn-und-TT-Eigner auch 20″ von Audi ordern kann. Die Heckansicht enttäuscht mich – zumindest im Vergleich zu Front und Seite. Hier geht es doch noch sehr rund zu und mit den beiden zur Wagenmitte gerutschten Endrohren hat sich Audi meines Erachtens auch keinen Gefallen getan. Immerhin bietet die riesige Heckklappe einen bequemen Zugang zum Kofferraum. Bevor ich zu dem aber komme, muss ich noch mal kichern. Gnihihi! In der Pressekonferenz hat man uns auf den „neuen“ Tankstutzen aufmerksam gemacht. Unter einer hübschen Aluabdeckung muss man nämlich nun keinen Deckel mehr abschrauben, sondern kann einfach den Rüssel der Tankpistole einführen. In Anlehnung an den Rennsport wollte man uns da in den Block diktieren. Ich hingegen kritzelte nur „funktioniert bei Ford seit Jahren gut, deswegen auch hier“.

Der Kofferraum. Ne, doch nicht. Die Rückbank. Der TT ist ein 2+2 Sitzer. Ganz offiziell. Auf der Rückbank hat aber niemand Platz. Und wer spekuliert, dass er zumindest seine Kinder hinten unterbringen kann, wird mittelfristig mit dem Jugendamt wegen artfremder Haltung zu tun bekommen. Ich denke mal, dass selbst der hochbetrunkene beste Freund sich nach dem Disko-Besuch lieber ein Taxi ruft, als auf die Rücksitze zu klettern. Diese eignen sich aus meiner Sicht nur zum umlegen. Der Kofferraum – jetzt aber – fasst 305 Liter, klappt man die Rückbank um, verdoppelt man gefühlt sein Ladevolumen – vor allem aber hat man eine prima Ladefläche. Insgesamt darf man übrigens 400 kg zuladen und bei einer Dachlast von 75 kg kann man Ski oder Snowboards eben dort in einer Dachbox transportieren.

Das vermeintliche Highlight habe ich mir bis zum Ende aufgespart. Evolution outside, Revolution inside. drischt die Marketing-Keule einleitend, bevor man auf das neue „virtual cockpit“ zu sprechen kommt. Gemeint ist das 12.3″ Display, welches fortan die Rundinstrumente hinter dem Lenkrad ersetzt. Mit Revolution meint Audi aber nicht nur dieses neue Display, was dem Fahrer nun farbenfroh und gestochen scharf alle nützlichen wie auch unnützlichen Informationen ins Sichtfeld kredenzt. Nein, Revolution heisst eben auch, dass man auf eine klassisches Infotainment-Display in der Wagenmitte verzichtet hat. Wegrationalisiert nennen das übrigens Controller. Für den Fahrer ist das eine feine Sache und auch mir haben all die hübschen Animationen sehr gefallen. Wer aber häufiger einen Beifahrer an Bord hat, darf sich nicht wundern, dass der sich fortan dauerhaft langweilt, denn nicht mal mehr den DJ kann er spielen, ohne sich stets ein Stück nach links überzubeugen. Ja, auch der Beifahrer kann das Display einsehen, aber Spass macht das nicht. Der Hals wird spätestens nach 100 Kilometern schmerzen. In der schönen heilen Welt, wo man stets LTE-Empfang hat, ist die Visualisierung mittels Google Earth-Bildern beim Navigieren eine wirklich feine Sache. Und dann kann auch das Display seine Stärken voll ausspielen. Mit EDGE macht es dann weit weniger Spass. Dennoch. Ich will das gar nicht schlecht reden. Die TT-Fahrer werden das „virtual cockpit“ lieben, die Beifahrer nicht. Ich persönlich könnte darauf verzichten und würde mir lieber ein wenigstens optionales Head-Up-Display wünschen.

Und jetzt? Ich bin kein Fan des TT, dafür gibt es andere – vielleicht sogar Dich mein werter Leser, der Du Dich die 1375 Wörter bis hierher gelesen hast. Wenn Du ein Fan bist, so wird Dir der 2015 Audi TT 2.0 TFSI sline ganz bestimmt eine Menge Spass machen. Fahrspass hatte ich nämlich. Sogar jede Menge. Und ich meine sogar, dass die 230 PS vollkommen ausreichen. Wie auch der Frontantrieb. Wer meint, er wolle doch lieber den 310 PS starken TTS, um hin und wieder in der grünen Hölle ein paar Runden zu drehen, dem empfehle ich den Artikel von meinem geschätzten Kollegen Sebastian Bauer. Schön fand ich aber, dass der TTS doch deutlich sportlicher klingen kann. Wer den TT einfach seiner selbst willen mag, kommt mit dem 2.0 TFSI prima aus und zurecht. Der hat genug Reserven um es hin und wieder mal sportlich angehen zu lassen und es dennoch komfortabel genug, um ihn im Alltag zu bewegen ohne einen Bandscheibenvorfall zu riskieren. Der Sparstrumpf sollte dann aber mindestens 35.000 Euro beinhalten, da startet der Wagen ohne alles.

Wer noch mehr zum Audi TT sehen möchte, sollte zwingend die drei Videos konsumieren – insbesondere im ersten gehen wir noch mal sehr genau auf das Auto ein.