Probefahrten
Kommentare 9

Pocket Rocket? 2015 Volkswagen Polo GTI (6R) – Erfahrungen meiner Probefahrt

3 .. 2 .. 1 .. Ignition! Ich drehe den Zündschlüssel und der 1.8 Liter TSI Motor meldet sich mit seinen 192 PS doch eher dezent zum Dienst. Hm, der Start meiner onyx-weissen Pocket-Rocket in Form des neuen 2015 Volkswagen Polo GTI habe ich mir doch ein wenig imposanter vorgestellt. Zumal ich ja beim Gang um den Polo die doppelflutige Auspuffanlage bestaunen durfte. Aber gut, der Klang ist ja nun auch nicht alles. Zudem verfügt der Polo GTI über einen Sport-Knopf, mit dem man die Geräuschuntermalung im Innenraum noch einmal verstärken kann. Jedem potentiellen Käufer muss dabei klar sein, dass der Klang synthetisch erzeugt wird. Motor und Auspuffanlage alleine verhelfen nicht zum vielleicht erwarteten Ohrenschmaus.

Wen dies jetzt nicht vollkommen aus den Latschen haut, der darf sich durchaus auf den neuen Polo GTI freuen. Denn im Prinzip ist der Klang auch schon der einzige Kritikpunkt, den ich für mich festhalten möchte. Vielleicht noch eine Kleinigkeit. An den Aussenseiten der Seitenspiegel sieht man mittels einer kleiner LED, ob man gerade blinkt oder auch nicht. Da ich es mittlerweile gewöhnt bin, dass im Aussenspiegel allenfalls ein Totwinkelwarner leuchtet, war ich anfangs doch etwas irritiert. Nun wird ein potentieller Käufer nicht wie ich jede Woche das Auto wechseln. Somit ist dieser Punkt also auch zu vernachlässigen. Allenfalls dass es keinen Totwinkelwarner in unserem Testwagen gab, fand ich ein wenig schade. Aber letztendlich ist der Polo eben ein Kleinwagen zum kleinen Preis.

Spass macht er auf jeden Fall. Ob nun auf der Landstrasse oder auf der Autobahn, ja selbst auf der Rennstrecke kann man Spass haben, stösst dann aber bei höheren Geschwindigkeiten beim Einbremsen in die spitzen Kurven doch irgendwann an die Grenzen des verbauten Materials. Hinter den schicken 17″ Felgen findet sich eben keine opulente Keramik-Carbon-Bremsanlage, sondern deutsche Standardkost (16″-Bremsanlage, innenbelüftete Scheiben, vorne 310mm, hinten 230mm). Gerade mal die Bremssättel versprühen mit ihrer Lackierung einen Hauch von Sportlichkeit. Lobend erwähnen möchte ich aber den Handbremshebel, der zumindest bei Eis und Schnee dazu einlädt, die Kurven mit ein wenig mehr Spass zu nehmen (und ja, ich habe Kollegen auf der Rennstrecke beobachten dürfen, die mir gezeigt haben, dass man diese auch auf Asphalt spassbringend nutzen kann – auf der Rennstrecke, Jungs, nicht im deutschen Strassenverkehr bitte).

Am meisten Spass hatte ich jedoch im Stadtverkehr. Da kann man die 250 Nm in Verbindung mit dem DSG (der Selbstschalter hat ein maximales Drehmoment von 320 Nm) an den Ampeln schön ausspielen. Zumal der Polo GTI leer auch nur 1.3 Tonnen wiegt und eben hübsch kompakt ist. In Valencia hat man in der Stadt teilweise 4-spurigen Strassen, die sich dann durch einen Kreisverkehr auch mal gerne überraschend auf zwei Spuren verjüngen. Beschwingt jugendlich habe ich mich darauf eingelassen und eine Menge Spass gehabt. Das Fahrwerk ist in der Grundeinstellung schon sportlich abgestimmt, ohne jedoch den Restkomfort zu verlieren, den man doch gerne haben möchte, um auch längere Strecken zurück zu legen. An der Stelle darf ich vielleicht noch auf die Vordersitze eingehen, die fast klassisch im hübschen GTI-Karo-Muster daherkommen, eine Menge Seitenhalt an der Rücklehne aber auch am Sitzkissen bieten. Zudem sind sie bequem. Eine gute Mischung haben die Wolfsburger da angerührt.

Die elektromechanische Lenkung ist schon ohne Zuhilfenahme des Sportprogramms angenehm direkt. Drückt man aber doch die Sporttaste, so wird sie noch einmal „nachgeschärft“. Auch die Kennlinien von DSG und Gasannahme werden deutlich sportlicher. Wie sich auch das Fahrwerk noch einmal etwas straffer einstellt. Alles ist so, wie man es sich von einem kleinen Sportflitzer wünscht, nichts habe ich zu bemängeln. Die 12 Mehr-PS im Vergleich zum Vorgänger stehen dem neuen Polo (Ok, ok, letztendlich ist es nur ein Facelift der 2009 vorgestellten fünften Produktgeneration). 70 Nm mehr Drehmoment bringen die.

Ansonsten ist der Kofferraum mit 204 Liter arg klein bemessen. Ja, selbst für einen sportlichen Kleinwagen. Dafür finden beim 5-Türer wenigens 2 Erwachsene bis 180cm Körpergrösse (oder eben Kinder) auch im Fond ordentliche Sitze. An der Kopffreiheit mangelt es nicht. Ich mag aber nicht, dass sich die Fenster hinten nicht vollständig versenken lassen. Hinten gibt es sogar Leseleuchten, die sind aber wie die Pendants vorne auch alles andere als hell. Ganz im Gegensatz zu den Voll-LED-Scheinwerfern, die man ab sofort bestellen kann. Nicht ganz „ab sofort“, der neue Polo wird erst im neuen Jahr verfügbar sein. Wer jetzt Lust auf den Kleinen bekommen hat, kann schon mal anfangen zu sparen. 23.750 Euro verlangt Volkswagen für die Basisversion mit DSG, wer lieber selbst schaltet, kann sparen, der Handreisser-Polo-GTI startet bei 22.275 Euro.