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Mit dem Mercedes-Benz G500 (W463) durch Kalifornien – eine Foto-Love-Story

Im Stadtverkehr verbraucht der Mercedes-Benz G500 – bzw G550 wie das Pendant in Amerika heisst – 20 Liter auf 100 Kilometer. Berücksichtigt man dabei, dass es sich bei der NEFZ-Verbrauchsangabe ja um einen Wert handelt, der unter klinischen Bedingungen erfahren wird, kann man sich ausrechnen, dass man sicherlich für den alltäglichen Verbrauch mindestens 5 Liter aufaddieren muss. Interessanter Weise ist übrigens die AMG Version mit V8, also der Mercedes-Benz G 63 AMG im Stadtverkehr ein wenig bescheidener. Nun kann man lamentieren. Und schimpfen. Die Umwelt! Mutter Natur! Oder aber … man setzt sich in den USA in eben solches Auto, fährt 665 km durch Kalifornien und erfreut sich daran, dass man mit dem G550 im Vergleich zu den amerikanischen Boliden doch eigentlich geradezu grünen Gewissens durch die Gegend fahren kann. Der Vollständigkeit halber möchte ich anmerken, dass unser kleiner Raodtrip in der V8-G-Klasse insgesamt 665 Kilometer [413 Meilen] lang war und wir dabei einen Durchschnittsverbrauch von 16.3 l/100 km [14.4 mpg] hatten bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 63 km/h [39 mph] (Der 96 Liter fassende Tabk hatte bei der Fahrzeugabgabe immer noch etwas Sprit). Insgesamt 10 Stunden und 37 Minuten haben wir fahrender Weise in der G-Klasse verbracht.

Da ich auf den Roadtrip als solchen in einem separaten Beitrag eingehen werde, will ich hier nur kurz beschreiben, wie sich meine Liebe zur G-Klasse weiter gefestigt hat. Zur Erklärung, es war ja nun nicht mehr das erste Mal, dass ich mit einer G-Klasse fahren durfte. Bereits 2012 durfte ich das Facelift des G-Modell oder auch des G-Wagon, wie ihn die Amerikaner nennen, bewegen. Einmal als 2012 Mercedes-Benz G 63 AMG (W463), aber auch und vor allem als 2012 Mercedes-Benz G Professional Pur (W463) innerhalb eines Offroad-Parcours. Das war alles sehr aufregend, aber eben leider genau so kurzweilig. Erst ein paar Monate später war es mir dann vergönnt, mich von den Qualitäten des Mercedes-Benz G 350 BlueTEC (W463) im Alltag überzeugen zu können. Hinter jedem der drei Links befinden sich Fahrberichte in Form einer Liebeserklärung.

Das kommt nicht von ungefähr, denn regelmässig wenn ich eine G-Klasse sehe, setzt mein Verstand aus. Stattdessen sehe ich nur dieses wundervolle Auto, was sich so wunderbar fahren lässt. Und ganz eigentlich trennt mich von einer Mercedes-Benz G-Klasse wirklich nur der Anschaffungspreis von mindestens 87.066,35 Euro (Basispreis Mercedes-Benz G 350 BlueTEC (W463)) und der Verbrauch, der selbst bei dem „kleinen Diesel“ bei 11,2 l Diesel laut NEFZ-Angabe liegt. In allen anderen Punkten ist die G-Klasse für mich DAS AUTO schlechthin.

Daran haben auch die 665 Kilometer quer durch Kalifornien nicht rütteln können. Während man sich selbst in einer S-Klasse auf amerikanischen Strassen wie in einem Kompaktfahrzeug fühlt, tront man auch in den USA in der G-Klasse über allen anderen Fahrzeugen. Die Sitzposition ist eben so weit oben, dass da schon extrem große Pickups kommen müssen, damit man einmal nach oben schauen kann. Das wundert nicht, denn auch die reale Höhe der G-Klasse ist mit 1.95m alles andere als knapp bemessen. Je nach Fahrer hat man seinen Augen auf Höhe von mindestens 1.60m. Man kann alles bestens sehen, der Geländewagen ist wirklich übersichtlich, obwohl ich bei „meiner“ G-Klasse wohl die mittler Kopfstütze aus der Rückbank entfernen würde, denn sonst nimmt die dem Rückspiegel zu viel Sicht, das Reserverad sollte man ja schon an der Hecktür lassen.

Der Federungskomfort ist für einen „Erstfahrer“ unerwartet gut. Die Strassen in Amerika sind längst nicht mit unseren Strassen zu vergleichen. Bodenwellen und Schlaglöcher sind an der Tagesordnung. Doch statt brutal durchgeschüttelt zu werden, bügelt die G-Klasse darüber hinweg und lässt mich denken, das komfortable ABC-Fahrwerk von der neuen S-Klasse wurde unlängst für das G-Modell adaptiert. Sicherlich, die G-Klasse ist und bleibt ein Geländewagen. Auch als G500. Dennoch ein wirklich komfortabler Geländewagen – auch oder besser insbesondere im Vergleich zum aussterbenden Landrover Defender.

Unbeschreiblich ist nach wie vor das Fahrgefühl in der G-Klasse. Für mich habe ich festgestellt, dass mir die Motorisierung vollkommen egal ist. Sicherlich brabbelt der V8 im G500 ganz possierlich, während Motor und Auspuffanlage im G 63 AMG richtig Zunder machen können, der Diesel aus dem G 350 hingegen eher brav und unauffällig vor sich her brummelt. Der Fahrspass, den ich in der G-Klasse erlebe, ist aber eben davon vollkommen entkoppelt. Er beginnt schon mit der Verriegelung der Zentralverriegelung ein paar Meter nach dem man losgefahren ist. Es erinnert mehr an Schliesssysteme in Fort Knox oder auf Alcatraz denn an ein System im Auto. Aber es beschreibt ebenfalls hervorragend das Sicherheitsgefühl, was mit die G-Klasse vermittelt. Hier passiert Dir nichts, hier bist Du vollkommen sicher.

Auch beim Fahren reisst dieses Gefühl zu keiner Zeit ab. Die massive Motorhaube mit den riesigen Blinkern vor sich, bewegt man die G-Klasse und macht sich über eine ausreichende Knautschzone so gar keine Gedanken. Hier fährt man nicht nach dem Motto „Hoffentlich passiert mir nichts“, es ist eher ein „Hoffentlich tue ich diesen kleinen Autos um mich herum nichts.“ 2.530 kg Leergewicht grüssen freundlich die Kleinstfahrzeuge. In der Länge misst die G-Klasse von vorderer Stossstange bis zum Ende des anhängenden Reserverades 4.66m, 2.05m macht er sich breit. Als Quader gesehen nimmt er 18,63 m3 Platz in Anspruch. Und doch lässt er sich auch ausserhalb der breiten amerikanischen Strassen locker lenken. Aber eben geht es in den USA noch ein wenig einfacher. Über den Wendekreis von 13.6m lachen die Amerikaner einfach. Und somit ist die Ausfahrt in der Mercedes G-Klasse in den Staaten nochmal deutlich einfach.

Der V8, ja ich komme schon nochmal auf den Motor zurück, verfügt über einen Hubraum von 5.461 ccm. Da kann er ganz bequem 387 PS raus ziehen. Das maximale Drehmoment von 530 Nm liegt im Drehzahlbereich zwischen 2.800–4.800 an. Da heult der Motor nicht mal ansatzweise auf, dafür hat man einen sehr angenehmen Schub, wenn man denn mal das Gaspedal richtig bemüht. Ein wenig zackiger geht das auch noch im Sport-Programm, da ändern sich dann auch noch die Schaltzeiten des völlig unauffälligem 7G-TRONIC PLUS Automatik Getriebes. Wer möchte kann die fahrende Schrankwand in 6.1 Sekunden von 0 auf 100 km/h katapultieren. Nur mal als Vergleichswert – das windschlüpfrige CLA 45 AMG 4MATIC Coupé mit seinem 360 PS starken 2 Liter-Motor und einem Leergewicht von „nur“ 1.585 Kilogramm ist mit 4,6 Sekunden gerade mal 1.5 Sekunden – ein Augenschlag – schneller. Wohlwissend dass man diese Leistungsreserve hat, lenkt man den G500 noch entspannter durch die Weltgeschichte. Ich weiss, dass ich überholen könnte, ich muss es aber nicht. Perfekt. Und um den Vergleich von oben nochmal zu bemühen, der Vortrieb des G500 endet bei 210 km/h – dann wird abgeregelt. Der CLA 45 AMG darf bis zu 250 km/h schnell fahren. Der wohl größte Unterschied bei diesem völlig dämlichen Vergleich liegt im Verbrauch. Da soll der Kraft-CLA mit 7 Litern auskommen. Weniger als die Hälfte meines geliebten Geländewagens.

Sieht man also vom Verbrauch ab, ist der G500 wie auch der G350 heute immer noch ein tolles Auto, in dem man auch fantastisch reisen kann. Unser Gepäck haben wir ganz problemlos im Kofferraum gepackt. Stolze 1.280 Liter stehen da zur Verfügung, klappt man die Rückbank um, verdoppelt sich das Volumen fast. Verzichtet man ganz auf die Rücksitzbank, wird die G-Klasse zudem zum Camper, denn man erhält eine Liegefläche von mindestens 172 cm. Alternativ kann man aber auch – einen geeigneten Träger vorausgesetzt – aufs Dach ausreichen. Das darf man nämlich mit bis zu 200 kg belasten, insgesamt darf man bis zu 670 kg zuladen. Wer schwere Anhänger ziehen will, darf sich ebenfalls freuen – bis zu 3.2 Tonnen darf der gebremste Nachläufer schwer sein.

So schliesse ich diese Beitrag und hänge wieder meinen Träumen nach, klicke mich durch die einschlägigen Gebrauchtwagen-Börsen und diskutiere mit meinem grünen Herzen wie verwerflich ein NEFZ-verbrauch von 13,6 Litern Diesel wirklich ist.