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Auf einen Kaffee mit dem 2014 Audi A5 Sportback 2.0 TFSI quattro (Sarahs Fahrbericht)

Gastbeitrag: Der nachstehende Beitrag entstammt der Tastatur von Journalistin Sarah Sauer, die in unregelmäßigen Abständen mit ihrer Schreibe auch auto-geil.de veredelt. Mehr von Sarah findet ihr in diversen Print-Publikationen oder auch unter ausfahrt.tv.

Ich habe mich ein bisschen vor diesem Artikel gefürchtet. Wie wahrscheinlich die meisten Menschen, die sich für Autos interessieren, schlägt mein Herz für eine bestimmte Marke. Das heißt nicht, dass ich anderen Marken keine Begeisterung entgegen bringe. Es heißt nur, dass wenn immer ich einen Audi sehe (A2-Modelle ausgenommen), ich einfach merke: Ich bin ein Audi-Girl. Das ist ein reines Gefühl und rational nicht zu begründen. Umso mehr habe ich mich gefreut, den Audi A5 Sportback 2.0 TFSI quattro testfahren zu dürfen. Und umso trauriger bin ich, um das direkt vorwegzunehmen, dass diese Kombination einfach nicht passt.

Wir sind einfach nicht warm geworden. Es ist ein bisschen so, wie wenn man jemanden sieht und denkt: Och, der ist aber attraktiv. Und dann geht man einen Kaffee trinken, kratzt ein bisschen an der Fassade und merkt: Mh, komisch. Das war jetzt nicht das, was ich erwartet hatte. Nun ist es ja mit den Erwartungen generell so eine Sache. Sie machen unfrei. Und deshalb trifft man sich im besten Falle noch einmal. Kratzt weiter. Und noch mal. Aber wie man es auch dreht und wendet – es passt nicht. So war das mit mir und dem A5 Sportback.

Auf dem ersten Blick war ich ganz hin und weg. Ein meiner Meinung nach wunderschönes Auto, das da vor meiner Tür stand. Lackiert in einem derart strahlenden Weiß, Ibisweiß genannt, dass ich beinahe das Bedürfnis hatte, meine Zähne bleachen zu lassen.

Diese Schultern. Diese Linien. Dieses ganze flache, gespannte Auftreten.

Diese Fakten: ein 2-Liter Reihen-Vierzylinder mit Abgasturboaufladung, 6-Gang-Handschaltung, Quattro-Allradantrieb. 225 PS, 350 Newtonmeter (1500-4500 U/min), von 0 auf 100 in 6,5 Sekunden, maximale Geschwindigkeit bei 245 km/h erreicht, kombinierter Durchschnittsverbrauch 6,6 Liter laut NEFZ.
Es wurde also wirklich mal Zeit, einen Kaffee trinken zu gehen, um in diesem Bild zu bleiben. Mit meiner amerikanischen Mitbewohnerin im Schlepptau fuhren wir einkaufen. Die war von seinem Äußeren ebenso angetan wie ich, machte sogleich Fotos und schickte sie via Whats App über den Ozean. Wir kuschelten uns in die beheizten Sitze und bewunderten das Interieur: Das Leder-Alcantara-Paket in Grau war genau nach unserem Geschmack. Hochwertige Verarbeitung, eine Haptik, wie man sie von Audi gewohnt ist. Wir fühlten uns irgendwie besonders. Dazu trugen nicht zuletzt auch die Blicke anderer bei. Zumindest denke ich, dass die Blicke dem Auto und nicht uns galten. Ein strahlendweißes, 4,71 Meter langes Geschoss in einem dunklen Parkhaus ist nun mal nicht ganz unauffällig.

Apropos Parkhaus: Dass das Rangieren mit dem A5 Sportback nicht wirklich Spaß macht, dürfte klar sein. Übersichtlichkeit ist etwas anderes, aber dramatisch war es auch nicht. Unsere beiden Einkaufstüten haben den Kofferraum noch lang nicht gefüllt, 480 Liter passen insgesamt rein. Was ich auch schon beim A7 so mochte: Wenn man die Kofferraumklappe öffnet, ist es so, als ob das Auto intensiv gähnt, es offenbart sich ein riesiges Loch über fast die gesamte Kofferraumfläche – das macht das Beladen einfacher.

Zurück zu Hause standen wir vor einem Problem: Kein Parkplatz. Oder: Kein Parkplatz für meinen Audi, weil seine Fahrerin in einer Stadt lebt. Also Mitbewohnerin und Einkäufe vor der Haustür ausladen und auf Suche gehen. Das sind die Momente, in denen man wieder einen Kleinwagen fahren will. Aber auch das habe ich nicht allzu dramatisch gesehen.

Beim Abendessen freute ich mich schon auf das Treffen am nächsten Morgen. Insgesamt 230 Kilometer Strecke standen dem A5 und mir bevor, darunter viel Autobahn. Leider gab es auch viel Regen. Und das den ganzen Zeitraum über, in dem ich ihn fahren konnte. (Es ist nicht empfehlenswert, die Scheiben auch nur ein ganz klein wenig zu öffnen, es pladdert alles sofort ins Auto hinein). Will sagen, dass ich geschwindigkeitstechnisch gesehen nicht bis zum Äußersten gehen konnte, das haben Verkehrslage und Sichtverhältnisse nicht hergegeben. Dass er die 245 km/h schafft, zweifle ich eh nicht an. Und die max/V ist ja auch nicht alles, was zählt. Nein, tatsächlich begannen mit den langen Strecken für mich die Probleme. (Wie gesagt, für MICH – für jeden anderen kann es sich anders darstellen).

Ich weiß noch, wie ich dazumal das Fahrverhalten des A7 Ultra als „sahnig“ beschrieben habe, als „wie an der Schnur gezogen“ – schon klar, ich kann diese Autos nicht direkt miteinander vergleichen. Worauf ich hinaus möchte ist, dass ich im A5 Sportback ansatzweise ein ähnliches Gefühl hatte. Erst einmal auf Geschwindigkeit gebracht, verleibte er sich zuverlässig den Asphalt ein. Das „Drive Select“-System ließ mich wählen zwischen Comfort, Efficiency, Auto, Dynamic und sogar Individual. Wenn man letzteren aktivierte, sah man, worauf man Einfluss nehmen konnte: Motor und Lenkung konnten jeweils in Comfort-, Auto- oder Dynamic-Modus versetzt werden. Je nach Modus werden Lenkungsunterstützung, Gaspedal- und Schaltkennlinie verändert. Diese Veränderungen sind insbesondere im Wechsel von Comfort zu Dynamic spürbar, aber in ihrem Wirkungsgrad nicht unbedingt krass. Ich bin übrigens die meiste Zeit im Efficiency-Modus gefahren und habe laut Bordcomputer auf gut 800 Kilometern 10,5 Liter Sprit verbraucht.

Ich mag manuelle Schaltungen grundsätzlich, und auch diese war okay für mich. Präzise und relativ kurze Schaltwege. Vom Motorsound her eher unauffällig, nichts, was mich emotional groß berührt hätte. Zuverlässige Bremsen, die die mindestens 1,6 Tonnen entschleunigten. Ein beledertes 3-Speichen-Multifunktionslenkrad (da hätte ich ganz gerne auch ein winziges bisschen Alcantara gehabt, aber gut), dessen Tasten gut erreichbar waren und das sich grundsätzlich in einem guten Radius verstellen ließ. Gleiches galt für meinen Sitz. Genügend Ablagefläche für meine langen Grätschen, eine vierstufige Lordosenstütze für meinen ISG-Syndrom-geplagten Rücken (gemeint ist dieses fiese Gelenk im unteren Rückenbereich), eine dreistufige Sitzheizung und eine an sich für mich perfekte Sitzposition. Im Prinzip also alles, ich möchte mal sagen: solide.

Was also passte nicht? Ich versuche mal, es so zu beschreiben: mein überwiegendes Fahrgefühl war so, als ob der A5 ZU „sahnig“ fährt. Diese Aussage basiert übrigens nicht auf den vorhin 230 Kilometern, tatsächlich bin ich noch viele Kilometer mehr in dem Wagen gefahren. Als wäre er ein Gerät, das man frisch geölt hat – was ZU viel geölt wurde. Was dadurch ein bisschen unberechenbar wird, insbesondere bei Nässe und hoher Geschwindigkeit, trotz Quattro. Mir wurde er zwischenzeitlich zu „leicht“, lag zu wenig satt auf der Straße, ließ mich, auf welche Weise auch immer, etwas Friktion vermissen. Die Lenkung zum Beispiel dann in „Dynamic“ zu schalten, hat durchaus geholfen, aber dennoch: es blieb für mich immer ein Gefühl der Unsicherheit. Das alles sind Gefühle, wie sie mir im S3, S1, SQ5 oder im A7 nicht begegnet sind. Und ja – mir ist klar, vollkommen andere Autos, Klassen, Gewichte, etc.

Der andere Punkt ist, dass ich auf langen Fahrten tatsächlich Probleme mit meinem eh schon lädierten Rücken UND mit meinem rechten Knie (wo im Moment wohl gerade was am Meniskus ist) bekommen habe. Ich habe diverse Sitzpositionen ausprobiert, doch nach einer Weile sind mir entweder die Pobacken oder der linke Oberschenke oder beide Körpergegenden eingeschlafen. Das ISG-Syndrom meldete sich mit Schmerzen zurück, genauso wie mein Knie. Aus irgendeinem Grund kann ich in diesem Auto nicht sitzen. Da ich quasi zum gleichen Zeitpunkt und mit den gleichen „Vorerkankungen“ auch den SQ 5 gefahren bin, darin aber keine Wehwehchen auftraten, liegt es wohl tatsächlich an der Sitzposition in diesem flachen Coupé.

Und so ist es tatsächlich dazu gekommen, dass ich keine Lust mehr hatte, in dieses Auto zu steigen. Wenngleich ich mich immer wieder gefreut habe, ihn zu sehen, sobald ich aus einem meiner Wohnungsfenster sah, war ich zugleich umso erleichterter, wenn ich keinen Grund hatte, wegfahren zu müssen. Und das macht mich tatsächlich traurig. Der Audi A5 Sportback 2.0 TFSI Quattro ist ein wunderschönes, kraftvolles, solides Auto. Aber letztlich keines für mich. Manno.