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2016 Volvo XC90 T8 – kurz (quer) gefahren

Volvo lädt traditionell die Journalisten Anfang Februar zu ihren Winterfahren nach Berchtesgaden ein. Dabei haben die anderen und ich dann die Chance diverse Fahrzeuge aus dem aktuellen Programm sowohl auf der Strasse als auch auf einem Wintertest-Gelände zu bewegen. So sind wir am ersten Tag auch bei angenehmen Temperaturen auf trockenen Strassen von München über hübsche Umwege nach Berchtesgaden gefahren. Über Nacht gab es über 10 Zentimeter Neuschnee, der dann die Fahrt zum verschneiten Testgelände in Hintersee/Österreich durchaus spannend gestaltete. Ich bin an beiden Tagen den neuen Volvo XC90 als Plug-in Hybrid T8 gefahren, in der sportlichen Ausstattung R-Design. Das matte Blau des Testwagens, bei Volvo heisst es Bursting Blue-Metallic, steht dem großen SUV durchaus, wie ich finde. Schon bei seiner Weltpremiere im August 2014 hat der große Schwede mich begeistert. Die neue Formsprache von Volvo sagt mir durchaus zu und das neue Interieurdesign schiebt die Schweden, seit dem Verkauf 2010 von Ford ja nunmehr seit 5 Jahren mit chinesischer Konzernzugehörigkeit, mit ihrem SUV doch deutlich in Richtung Premium-Segment als ich das noch bei den Vorgängern gesehen habe. Im September 2015 hatte ich dann endlich die Gelegenheit, mir den Volvo XC90 genauer anzusehen. Als D5 AWD hatte ich den SUV für zwei Wochen in Bielefeld und wir haben dazu auch ein Ausfahrt.tv-Review gedreht:

Zwischen dem stärksten Benziner, den Volvo für den XC90 anbietet, dem T6 mit 320 PS und dem T8, der nebem dem gleichen Motor noch einen an der Hinterachse verbauten 87 PS starken Elektromotor mitbringt, liegen mal eben etwas über 18.000 Euro. Die Reichweite der im Mitteltunnel verbauten Batterie liegt bei etwa 40 km, je nach Fahrweise. Mehr kann man aus der 9,2 kWh fassenden Batterie auch nicht erwarten. Sie soll sich mit 16 Ampere innerhalb von 2,5 Stunden und mit 6 Ampere innerhalb von 6 Stunden vollständig aufladen lassen. Auch während der Fahrt lässt sich der Akku wieder aufladen, dazu gibt es in jedem Fahrmodus das Fahrprogramm „B“ für starkes Rekuperieren, aber auch den Fahrmodus SAVE bei dem der Motor dafür sorgt, dass keine Batterie-Energie verloren geht. Das Fahrprogramm „Power“ sollte man nutzen, wenn man es eilig hat, hier werden Benziner und Elektromotor mit möglichst viel Energie versorgt. Im „AWD“-Allrad-Programm wird stets sichergestellt, dass man mit Allrad-Antrieb unterwegs ist. Bei entleerter Batterie versorgt der Verbrenner den Elektromotor mit Energie.

Die NEFZ-Berechnung bei den Plug-in Hybriden finde ich so verwirrend wie nicht aussagekräftig, der Vollständigkeit halber sei dennoch hier der offizielle Wert von 2,1 Liter Benzin auf 100 Kilometer erwähnt. Am ersten Tag bin ich die ersten 100 Kilometer im effizienten „Pure“-Fahrmodus unterwegs gewesen. Nach etwa 35 Kilometer war der Akku gelehrt, am Ende der 100 Kilometer stand ein Durchschnittsverbrauch von 8 Liter glatt. Eben diese 8 Liter sind als NEFZ-Verbrauch für den reinen Benziner T6 angegeben. Vermutlich kann man also, je nach Fahrweise, um die 4 Liter pro 100 Kilometer durch den Kauf des Plug-in Hybriden einsparen. Wenn ich nicht gerade einem schweren Denkfehler unterliege, dass rechnet sich die Anschaffung des T8 gegenüber dem T6 nach 450.000 km. Es sei denn, man bewegt den Wagen wirklich häufig auf kurzen Strecken und kann mit der elektrischen Reichweite quasi alles erreichen. ich persönlich sehe die Anschaffung eines T8 aber eher als öko-politische Entscheidung – zumindest, wenn man die ganze Diskussion über den Aufwand bei der Produktion von Akkus mal aussen vorlässt.

Nach meiner kleinen Ausfahrt mit dem T8 über knapp 500 Kilometer kann ich zumindest bestätigen, dass der Plug-in Hybrid auch Spass machen kann, wenn man denn will und er dem großen Diesel in Sachen Komfort in nichts nachsteht. Und auch die Fahrleistungen stehen dem reinen Benziner in nichts nach – beide erreichen ihre Höchstgeschwindigkeit bei 230 km/h, während der T6 in 6,5 Sekunden von Null auf 100 km/h sprintet, ist der T8 schon in 5,6 Sekunden so weit. Dem Mehrgewicht von 265 Kg, die der Plugin-Hybrid antrieb mit sich bringt stehen eben die 87 elektrischen PS gegenüber, die auch bei normaler Fahr immer wieder als Kraftunterstützung helfen. Ich halte für mich fest: Einen T8 muss man nicht kaufen, wenn man sich für den XC90 entscheidet. Wer aber die finanziellen Mittel hat, macht beim Kauf des T8 aber auch wirklich nichts falsch.

Volvo XC90 quer im Schnee

Am zweiten Tag hat man uns die Möglichkeit gegeben, den XC90 – in meinem Fall also den T8 – auf einem Wintertestgelände zu bewegen. Auf drei unterschiedlichen Handling-Parcours konnten wir die unterschiedlichen Fahrmodi ausprobieren. Und sicherlich erwacht dann nach spätestens der dritte Runde das Kind in mir. Also flux das ESC in den Sportmodus und dann immer schön möglich quer, wo es eben geht. Ich bin durchaus fasziniert, wie sich das fast 5 Meter lange Schlachtschiff mit seinen mindestens 2.3 Tonnen Eigengewicht hat über die Kurse zirkeln lassen. Na sicherlich merkt man sowohl Gewicht wie auch die Größe des Fahrzeugs. Dennoch lässt sich der große SUV dennoch ordentlich beherrschen. Und auch wenn auf diesen Trainings der Spassanteil immer ganz weit vorne steht, man lernt auch immer wieder eine ganze Menge. Nach dem Ritt durch den Schnee, war ich dann etwas später auf der Strasse unterwegs. Auf dieser hatte durch den angetauten Schnee ein unangenehmen Schmierfilm entwickelt. Und ich einer Kurve wollten dann die Räder auch nicht mehr so richtig Traktion aufbauen. Die Leitplanke in der Kurve rutschte immer näher, also habe ich langsam das Gas weggenommen und gegengelenkt. Statt Blechschaden blieb nur ein gewinnendes Lächeln in meinem Gesicht.

Apple Carplay im Volvo XC90

Ich bin nach wie vor enttäuscht, wie schwer sich Apple damit tut, neue Apps für den Gebrauch im Rahmen von Apple Carplay anzubieten. Mein Testwagen hatte nun aber zumindest die Funktionalität, über die der D5-Testwagen seinerzeit noch nicht verfügte. Die Einbindung von Apple Carplay haben die Schweden sehr elegant gelöst, es kann in einem der vier Blöcke auf dem Homescreen angezeigt werden. Nach dem Anschliessen musste ich die CarPlay.app im Volvo Entertainment-System aber explizit starten und somit auf den Homescreen holen. Dann standen mir aber sofort die Freisprechanlage zum Telefonieren und mein geliebtes Spotify zur Verfügung und ich gestehe, dass ich auf den 500 Testkilometer sehr viel und sehr laut Musik gehört habe. Das Premium-Soundsystem meines ehemaligen Arbeitgebers Bowers & Wilkins hat mich wie schon bei der zweiwöchigen Teststellung überzeugt.